Erzieherin sitzt mit Kindern im Kindergarten im Kreis auf dem Boden. (Foto: IMAGO / imagebroker / Jan Tepass)

Tarif-Abschluss auf Kosten der Kita-Beschäftigten?

  20.05.2022 | 11:04 Uhr

Der Verband der Kita-Fachkräfte im Saarland hat die Tarifeinigung für Kita-Beschäftigte heftig kritisiert. Weder die Arbeitgeber noch die Gewerkschaften hätten den Ernst der Lage erkannt. Der Tarifabschluss erhöhe den Frust der Fachkräfte, die Bedingungen für die Kinder würden verschlechtert.

Mehr freie Tage, mehr Geld und die Möglichkeit, Gehalt in Entlastungstage umzuwandeln: So lässt sich verkürzt die Einigung im Tarifstreit der kommunalen Sozial- und Erziehungsdienste darstellen. Was augenscheinlich nach einem guten Abschluss im Sinne der Kita-Beschäftigten klingt, sorgt allerdings bei manchen Fachkräften auch für heftige Kritik und Ärger.

"Absolut kontraproduktiv"

So bezeichnet der Verband der Kita-Fachkräfte im Saarland die sogenannten Entlastungstage als „absolut kontraproduktiv“. Durch diese zusätzlichen freien Tage würden die noch verbliebenen Teammitglieder noch mehr belastet. Weder die Arbeitgeber noch die Gewerkschaften hätten den Ernst der Lage erkannt.

„Eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit hätte zu einer tatsächlichen Entlastung der Kitafachkräfte geführt. Allerdings hätten diese Stunden nachpersonalisiert werden müssen und somit Kosten verursacht“, sagte die Vorsitzende des Fachkräfte-Verbands, Susanne Kunz. So sei es lediglich eine für die Arbeitgeber kostenfreie Lösung.

"Noch weniger Zeit für die Kinder"

Auch die zusätzlichen Urlaubstage seien ohne entsprechende Nachpersonalisierung nicht zielführend. „Das bedeutet noch weniger Zeit für Kinder und lässt auch Öffnungszeiten wackeln. Für bessere Rahmenbedingungen wurde nichts getan“, so Kunz weiter.

Video [aktueller bericht, 01.06.2022, Länge: 3:10 Min.]
Kritik an Tarifeinigung für Kita-Beschäftigte

"Es ging nicht ums Geld"

Die Lohnerhöhung von monatlich 130 Euro ab Juli habe für viele Beschäftigte gar nicht im Mittelpunkt gestanden. „Es ging vielen nicht um mehr Geld, sondern darum, dass sich an diesen unzumutbaren Rahmenbedingungen etwas ändert, stattdessen wurde noch Öl ins Feuer gegossen, weil die Teams mit diesem Abschluss weiter ausgedünnt werden“, erklärt Kunz.

Durch den Tarifabschluss werde deutlich, „dass weder die Gewerkschaften noch die Arbeitgeber die Not in den Kitas verstanden haben“.

Die Gewerkschaft Verdi will seine Mitglieder in den kommenden Wochen über den verhandelten Tarifabschluss entscheiden lassen. Den Angaben zufolge gilt es als sehr wahrscheinlich, dass der Vertrag angenommen wird.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 20.05.2022 berichtet.

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