Nahezu verkehrfreie Wilhelm-Heinrich-Brücke (Foto: Sebastian Knöbber/SR)

Kritik nach einem Jahr Klimanotstand in Saarbrücken

  19.06.2020 | 19:45 Uhr

Vor genau einem Jahr rief die Landeshauptstadt Saarbrücken den Klimanotstand aus. Ein Jahr später zieht der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) eine ernüchternde Bilanz. Die Maßnahme sei bislang ein "folgenloser Beschluss". Auch bei einer Fridays for Future Kundgebung gab es Kritik.

Ronald Maltha, Sprecher des BUND Saarbrücken nannte den Klimanotstand ein "verlorenes Jahr für den Klimaschutz". So hinke die Stadt etwa bei Photovoltaik hinterher. Seit 2017 seien keine neuen Anlagen auf öffentlichen Gebäuden entstanden. Nur zwei Prozent des Saarbrücker Strombedarfs werde durch Sonnenenergie gedeckt.

Kritik an Waldrodungen

Der BUND kritisiert auch Waldrodungen für neue Bauprojekte in Saarbrücken. Der Verein fordert von der Stadt angesichts zunehmender Hitze Kaltluftschneisen zu erhalten. Genau solche würden jedoch in Dudweiler-Süd durch die Rodung von Wald- und Wiesenflächen für 40 neue Wohnhäuser zerstört. Dabei gebe es in Saarbrücken laut BUND Flächen bei Baulücken und Leerständen. Anders als etwa in Stuttgart fehle hierzu aber eine Übersicht im Internet.

Forderung nach Saabrücker Verkehrswende

Für besonders problematisch hält der BUND außerdem mangelnde Veränderungen in der Verkehrsinfrastruktur. Das Saarland und Saarbrücken würden mit dem PKW-Bestand pro 1000 Einwohner bundesweit auf dem zweiten Platz landen. Immer noch werde in Saarbrücken zu wenig für den Radverkehr getan.

Auch die rund 60 Teilnehmenden von Fridays for Future haben auf dem Tbilisser Platz für eine rasche Verkehrswende in Saarbrücken demonstriert. Sprecherin Susanne Speicher sagte, der Stadt fehle eine Fahrradinfrastruktur. Dabei seien in der Coronakrise eigentlich mehr Menschen mit dem Rad unterwegs gewesen. Aber, "die  Menschen sind so unsicher, dass sie auf dem Bürgerstein fahren", so Speicher.

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