Zahllose Pakete aus Onlinebestellungen in einem Großcontainer (Foto: picture alliance/dpa | Christoph Schmidt)

Die Kosten der Schnäppchenjagd

Tabea Prünte   26.11.2021 | 06:49 Uhr

Zur Black Week, der Woche vor dem Black Friday, lockt der Einzelhandel mit scheinbar unschlagbaren Rabattaktionen. Dabei gibt es regelmäßig auch Kritik an der Aktion, die zum Konsum verleiten soll. Bringt der Tag nun gute Rabatte, oder schadet er vielmehr Umwelt und Geldbeutel?

Die Schaufenster der Geschäfte sind in dieser Woche geprägt von leuchtenden und bunten Rabattschildern - denn es ist Black Week, die Woche vor dem sogenannten Black Friday. Die Aktionen haben alle eines gemeinsam: Sie sollen potenzielle Kundinnen und Kunden zum Kaufen animieren.

Spontane Käufe am Black Friday

"Dadurch wird überflüssiger Konsum angeheizt", sagt der stellvertretende Landesvorsitzende des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND) im Saarland, Michael Grittmann. Ein Tag wie der Black Friday gebe Käuferinnen und Käufern das Gefühl, sie müssen unbedingt jetzt kaufen, da ansonsten die Preise wieder steigen.

Ein Blick in den eigenen Haushalt lohne sich: Oftmals hängen dort noch genügend Kleidungsstücke, die noch tragbar sind und auch das eigene Handy oder andere Elektrogeräte müssen vermutlich noch nicht ausgetauscht werden.

Rabattaktionen fördern Wegwerf-Mentalität

Das Ergebnis der Rabattaktionen sei der Gedanke, dass zum Beispiel ältere Geräte nicht mehr gut genug seien. Eine "Wegwerf-Mentalität" entstehe sowie massenhafter Konsum, der vermeidbar wäre, so Grittmann.

"Wenn unnötig konsumiert wird, wird auch unnötig CO2 verbraucht. Denn für die Produktion, die Verpackung und den Transport werden viele Ressourcen benötigt", erklärt Grittmann. "Beim Klimaschutz denkt man an Flugreisen oder ans Autofahren, aber oft nicht daran, dass der eigene Konsum auch dem Klima schadet."

Er schränkt jedoch ein: "Nur der unnötige Konsum ist problematisch." Wenn die Konsumentinnen und Konsumenten ein Produkt wirklich brauchen, sei es nicht verwerflich, es an diesem Tag zu kaufen. "Besonders bei einkommensschwachen Personen, die darauf gewartet haben, ein Produkt günstiger zu bekommen, ist das was ganz anderes", sagt Grittmann. Diese Perspektive komme oft zu kurz.

Kaufrausch vermeiden

Doch gerade für Menschen mit geringerem Einkommen bestehe gleichzeitig das Risiko, auf vermeintliche Schnäppchen hereinzufallen. "Dann wird etwas gekauft und gar nicht bedacht, ob ich mir das überhaupt leisten kann", sagt Elif Tanto, Juristin bei der Rechtsberatung der Verbraucherzentrale des Saarlandes. Sie rät daher zur Vorsicht bei Rabattaktionen.

Ihre Tipps: "Nachforschen, bei Preissuchmaschinen vergleichen und herausfinden, wo liegt der Preis normalerweise." Dabei dürfe man sich nicht unter Druck setzen lassen, möglichst schnell zu kaufen - denn genau das sei der Trick, insbesondere beim Online-Handel.

"Tickende Uhren im Hintergrund auf der Seite suggerieren, dass die Zeit abläuft oder Balken geben an, wie viel Stück von der reduzierten Ware noch übrig sind. Da darf man nicht in einen Rausch geraten."

Tipps für den Black Friday

Eine weitere Gefahr sei, vermeintlichen Händlern und Betrügern aufzusitzen. Immer wieder gebe es Online-Fake-Shops - gerade an so einem Tag wie dem Black Friday. Auf Nummer Sicher gehe man hier schon durch möglichst sichere Zahlungsmethoden. Man sollte möglichst auf Rechnung kaufen, über Lastschrifteinzug oder auch bekannte Zahlungsdienstleister wie Paypal.

Zudem mache es einen Unterschied, welches Gerät man beim Online-Shopping verwendet. Teilweise werden auf dem Handy andere Preise angezeigt als über den Computer. Tanto rät zudem, den Browserverlauf aufzuräumen und Cookies zu löschen. Auch das könnte einen Einfluss auf die Preise haben.

Ähnlich wie Michael Grittmann vom BUND Saar betont aber auch Tanto von der Verbraucherzentrale erneut, dass jeder Kauf überdacht sein sollte. Käuferinnen und Käufer sollten sich stets die Frage stellen: Brauche ich das Produkt wirklich?

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