Eine Schülerin sitzt im Unterricht mit Maske (Foto: dpa/Felix Kästle)

Kritik an Plänen für Präsenzunterricht

  07.01.2021 | 14:12 Uhr

An den saarländischen Plänen zur Wiedereinführung des Präsenzunterrichts für Abschlussjahrgänge wird von mehreren Seiten Kritik laut. Sie seien nicht mit den Hygieneempfehlungen vereinbar und verunsicherten Schüler, Lehrkräfte und Eltern.

Schüler fordern Homeschooling zu verlängern
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 08.01.2021, Länge: 01:05 Min.]
Schüler fordern Homeschooling zu verlängern

Die Entscheidung der Landesregierung, Abschlussjahrgänge im Januar schrittweise zurück in den Präsenzunterricht zu führen, stößt vielfach auf Kritik und Ablehnung. Der Saarländische Lehrerinnen- und Lehrerverband (SLLV) äußert Bedenken in Bezug auf den Arbeits- und Gesundheitsschutz. Derzeit könne Präsenzunterricht nicht unter den vom RKI empfohlenen Regeln stattfinden. Darüber hinaus seien ab dem 18. Januar drei komplette Jahrgänge wieder auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Ein regulärer Schulbetrieb könne erst dann wiederhergestellt werden, wenn alle Beteiligten schnellstmöglich geimpft werden.

Auch die Grünen haben die kurzfristige Ankündigung von Präsenzunterricht für die Abschlussklassen im Saarland kritisiert. Der Landesvorsitzende Tressel sagte, das Vorgehen der Landesregierung sorge für Verunsicherung bei Schülern, Lehrkräften und auch Eltern. Noch kurz nach der Bund-Länder-Runde hieß es, es werde im Januar definitiv keinen Präsenzunterricht in den Schulen mehr geben. Nur einen Tag später habe die Bildungsministerin diese Aussage revidiert. Zudem solle der Unterricht offenbar auf Basis des alten Musterhygieneplans stattfinden, ohne erforderlichen Mindestabstand.

Betroffene Schüler zeigten sich ebenfalls besorgt über die Ansteckungsgefahr in vollen Klassen: In einem offenen Brief an die Bildungsministerin fordert eine Abschlussklasse des Albert-Schweitzer-Gymnasiums in Dillingen, den Unterricht bis auf Weiteres online durchzuführen. Mittlerweile gibt es gegen den Präsenzunterricht auch Online-Petitionen von Schülern.

Mehr Fragen als Antworten

Ähnlich äußert sich der saarländische Philologenverband (SPhV): Die Entscheidung der Bildungsministerin werfe mehr Fragen auf als sie beantworte. Es sei unklar, wie der Arbeits- und Infektionsschutz im Unterricht sichergestellt werden solle. Vor allem die Probleme mit den Abstandsregeln seien vor Weihnachten der Grund dafür gewesen, den Präsenzunterricht zu stoppen. An den Maßnahmen habe sich nichts geändert – aber bald sollen teilweise wieder mehr als 20 Schüler in einem Klassenzimmer sitzen.

Scharfe Kritik an den Schulöffnungsplänen im Saarland kommt auch vom Verband Reale Bildung. Die Pläne bedeuteten insbesondere an vielen Standorten von Gemeinschaftsschulen sowie Berufsbildenden Schulen, dass sich dort wieder Haushalte im dreistelligen Bereich treffen müssten. Die Aufforderungen zur Kontaktreduzierung werde so Makulatur. Die Schüler seien außerdem bereits in einem Alter, in dem sie eine Virenlast wie Erwachsene aufweisen, sollten sie sich infizieren.

Eltern fordern konstruktive Kritik

Die Landeselterninitiative dagegen sprach sich für "konstruktive Vorschläge statt Unisono-Kritik" seitens der Lehrerorganisationen aus. "Wir bezweifeln, dass die Mehrheit der verantwortungsvollen Schulleitungen und Lehrkräfte so denkt. Für besser fänden wir, wenn von ihren Vertretungen konstruktive Vorschläge kämen, wie denn die Schülerinnen und Schüler zu gleichwertigen Abschlüssen kommen und wie bei den anderen Jahrgängen die Defizite aufgearbeitet werden könnten", schreiben die Eltern in einer Mitteilung.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 07.01.2021 berichtet.

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