Symbolbild: DFKI (Foto: SR / Felix Schneider)

Wie hell strahlt der Leuchtturm?

mit Informationen von Karin Mayer   22.09.2021 | 16:39 Uhr

Im Saarland ist das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz DFKI ein Leuchtturm. Es steht für anwendungsorientierte Informatik-Forschung. Nicht nur die Landes-, auch die Bundespolitik halten große Stücke auf das DFKI. Doch es gibt vermehrt Zweifel an seinen tatsächlichen Erfolgen.

Das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz sei ein Dinosaurier, behäbig und wenig innovativ – so zitiert das Handelsblatt den forschungspolitischen Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion Thomas Sattelberger. Gegenüber dem SR verweist er auf Top-100-Wissenschaftler-Rankings, die Zahl der Patentanmeldungen, aber auch auf die Ausgründungen. Diese seien für ein anwendungsorientiertes Zentrum "sehr gering". Bei der Entwicklung von maschinellem Lernen oder Deep Learning sei das DFKI hinterher.

DFKI-Chef Prof. Antonio Krüger kann diese Vorwürfe nicht nachvollziehen. Durch die dezentrale Struktur seiner 24 Forschungsbereiche sei das DFKI "sehr agil". Es mache aber keinen Sinn, das DFKI mit Instituten oder Universitäten zu vergleichen, die einen Schwerpunkt auf das maschinelle Lernen setzten. Mit rund 1100 Mitarbeitern, davon 600 Wissenschaftler, gehöre das Forschungszentrum derzeit zu den größten Einrichtungen für Künstliche Intelligenz. 

Schwieriger Vergleich

Kern der Arbeit seien Forschungsprojekte mit der Industrie. Davon gebe es rund 360 im Jahr. Außerdem sind in 32 Jahren knapp 100 Startups, also kleine Unternehmen, am DFKI entstanden. Für Krüger ist das ein hervorragendes Ergebnis.

Wie stark strahlt der Leuchtturm?
Audio [SR 3, Karin Mayer, 22.09.2021, Länge: 03:12 Min.]
Wie stark strahlt der Leuchtturm?

Aber gilt das auch im Vergleich zu anderen KI-Forschungseinrichtungen? Das Karlsruher Institut für Technologie KIT etwa bringt es auf 500 Startups in fünf Jahren. Der Vergleich hinkt, sagt Prof. Antonio Krüger. "Das KIT ist eine Volluniversität, die mehr als 9500 Mitarbeiter hat und zigtausend Studierende."

Auch den Vorwurf, das DFKI habe Forschungsfelder wie das maschinelle Lernen verschlafen, lässt Krüger nicht gelten. Der Bereich soll aber gestärkt werden. Eine Zusammenarbeit mit der TU Darmstadt und Prof. Jan Peters, einem Experten für Robotik und maschinelles Lernen, soll demnächst verkündet werden.

Mehr Konkurrenz

Das DFKI mit seinen fünf Standorten in Deutschland eröffnet zwar mehr und mehr Niederlassungen, aber es hat Konkurrenz bekommen. Künstliche Intelligenz oder Digitalisierung, Maschinen, die durch kluge Software selber lernen sind wichtiger denn je. Und der Bund gibt so viel Geld für die KI-Forschung aus wie nie. Fünf Milliarden Euro bis 2025 werden verteilt.

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Thomas Sattelberger kritisiert, dass bisher nur ein kleiner Teil davon überwiegend für Bildungsfragen, Coachen und Oberservieren ausgegeben wurde. Klar ist aber: Es gibt mehr Wettbewerb um begehrte Aufmerksamkeit und Fördergelder. Darum wird mit harten Bandagen gekämpft.

Alle großen Forschungseinrichtungen und -verbünde in Deutschland beteiligen sich an dem Wettbewerb um diese Mittel, sagt Ammar Alkassar, der Bevollmächtigte für Innovation und Technologie der saarländischen Landesregierung. Die Kritik am DFKI kann er nicht nachvollziehen. "Das DFKI gehört zu den Leistungsträgern, was Ausgründungen angeht." Klar sei aber: das Umfeld werde schwieriger, der Wettbewerb härter.

Über dieses Thema berichtete die Region am Nachmittag am 22.09.2021 auf SR 3 Saarlandwelle.

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