Krankenhäuser im Saarland: Caritas Krankenhaus in Lebach (Foto: Pasquale D’Angiolillo)

Krankenhaus Lebach wird geschlossen

mit Informationen von Thomas Gerber und Steffani Balle   07.03.2020 | 11:40 Uhr

Nach Wadern, Dillingen und zuletzt Ottweiler steht nun auch das Krankenhaus in Lebach vor der Schließung. Verdi kritisiert die Pläne der Cusanus-Trägergesellschaft Trier, die FDP macht der Landesregierung Vorwürfe.

Die Klinik der Cusanus-Trägergesellschaft Trier ctt stand schon seit Längerem auf der Kippe, sie schrieb rote Zahlen. Die ctt-Geschäftsführung begründete die Schließungspläne am Freitag in einer schriftlichen Stellungnahme mit der prekären Wirtschaftsentwicklung. Eine ursprünglich angedachte erweiterte Leistungsplanung sei von Experten als "nicht dauerhaft tragfähig und mit hohem Risiko behaftet" angesehen worden - insbesondere vor dem Hintergrund neuer bundespolitischer Rahmenbedingungen. ctt-Geschäftsführer Bernd Molzberger sagte, die Entscheidung sei nicht leicht gefallen. "Letztendlich hatten wir auch unsere Verantwortung gegenüber der gesamten ctt-Gruppe zu berücksichtigen."

Video [aktueller bericht, 06.03.2020, Länge: 2:20 Min.]
Schließung der Klinik in Lebach

Noch kein konkretes Schließungsdatum

Ursprüngliche Meldungen, dass das Krankenhaus bereits zum 1. Juli schließen soll, dementierte eine ctt-Sprecherin. Sie betonte auf SR-Anfrage, dass es kein konkretes Datum für die Schließung gebe. Es würden nun vielmehr erst Gespräche mit den Beteiligten über ein Schließungsszenario aufgenommen.

Das Saarländische Gesundheitsministerium ist offiziell noch nicht informiert worden. Am Samstag soll es eine Besprechung in Saarbrücken geben, um überhaupt zu erfahren, wie sich die ctt das weitere Vorgehen vorstellt. Immerhin habe sie den Versorgungsauftrag von der Landesregierung bekommen und sei so in der Pflicht, sagte Gesundheitsstaatssekretär Stephan Kolling (CDU) dem SR.

Video [aktueller bericht, 06.03.2020, Länge: 3:05 Min.]
SR-Reporterin Steffani Balle zur Klinikschließung in Lebach

Landrat "enttäuscht und fassungslos"

Reaktionen auf Schließungsankündigung der Lebacher Klinik
Audio [SR 3, Eva Lippold, 06.03.2020, Länge: 03:46 Min.]
Reaktionen auf Schließungsankündigung der Lebacher Klinik

Der Saarlouiser Landrat Patrik Lauer (SPD) ist nach eigenen Angaben am Freitagvormittag von der ctt darüber informiert worden. Er zeigte sich enttäuscht und fassungslos über die Entwicklung. "Noch vor drei Wochen haben wir Gespräche mit der ctt geführt, in denen es um die Modernisierung des Krankenhauses und den Bau eines neuen Bettenhauses ging. Darin hat man uns versichert, dass die ctt gewillt sei, in den Standort Lebach zu investieren. Kein Wort wurde über eine drohende Schließung verloren."

Es bereite dem Landkreis mehr als nur große Sorgen, dass die gesamte ländlich geprägte Region um Lebach bald ohne Krankenhausversorgung dastehen könnte, so Lauer. "Die Menschen in unserem Landkreis haben ein Recht auf Versorgungssicherheit. Nach dem Rückzug der ctt muss die Sicherstellung dieses Anspruchs gewährleistet werden. Lebach ist als Krankenhausstandort prädestiniert, allein schon wegen seiner Lage in der Mitte des Saarlandes. Weitere Überlegungen im Hinblick auf eine Nordsaarlandklinik müssen das miteinbeziehen.“

Der stellvertretende Landesvorsitzende der Saar-FDP, Helmut Isringhaus, kritisierte die Krankenhausplanung im Saarland angesichts der angekündigten Schließung. "Entgegen jeglicher Vernunft hat der aktuelle Krankenhausplan eine Zunahme von Krankenhausbetten und den Erhalt sämtlicher Krankenhausstandorte vorgesehen. Gleichzeitig hat es aber an der notwendigen gesetzlich vorgeschriebenen Investitionsfinanzierung gefehlt", sagte Isringhaus.

Die Folge sei, dass mit Lebach und Ottweiler erneut Krankenhäuser vom Netz gingen, weil ihnen "finanziell die Luft ausgeht". "Die Landesregierung muss endlich ihrer gesetzlichen Verpflichtung nach Finanzierung der Krankenhäuser nachkommen und die Krankenhausplanung realistisch gestalten. Sie gefährdet sonst die gesamte Gesundheitsversorgung im Saarland", appellierte Isringhaus in Richtung CDU und SPD. Die Saar-FDP fordert, den Krankenhausplan sofort zu revidieren.

Verdi: Betrug an den Mitarbeitern

"Lebacher Klinik arbeitet seit Jahren nicht rentabel"
Audio [SR 3, Interview: Karin Mayer / Steffani Balle , 06.03.2020, Länge: 02:55 Min.]
"Lebacher Klinik arbeitet seit Jahren nicht rentabel"

Die Gewerkschaft Verdi wirft der Trägergesellschaft Betrug an den Mitarbeitern vor. Die hätten jahrelang auf höhere Gehälter verzichtet, weil ihnen eine Zukunft versprochen worden sei, so der Verdi-Pflegebeauftragte Michael Quetting. Das sei letztendlich Diebstahl.

Schockiert reagierte Lebachs Bürgermeister Klauspeter Brill: Bis vor kurzem noch hätten die Träger zugesichert, die Klinik in Lebach weiter betreiben zu wollen. Jetzt müsse der Träger erklären, wie er für die rund 500 Beschäftigten und für die Patienten in und um Lebach sorgen will.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 06.03.2020 berichtet.

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