Die Bundesvorsitzende der CDU, Annegret Kramp-Karrenbauer, steht vor dem Narrengericht (Foto: dpa/Patrick Seeger)

AKK erntet Kritik für Witz über Intersexuelle

  04.03.2019 | 10:05 Uhr

CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer ist für einen Karnevalswitz auf Kosten intergeschlechtlicher Menschen scharf kritisiert worden. Politiker von SPD, Grüne, Linke und FDP bezeichneten die Äußerungen von Kramp-Karrenbauer als "respektlos", "zum Fremdschämen", "billigen Kalauer" und "Trauerspiel auf Stammtischniveau".

Kommentar: "Unsägliche Witze über Minderheiten"
Audio [SR 2, Vera Wolfskämpf, 04.03.2019, Länge: 02:54 Min.]
Kommentar: "Unsägliche Witze über Minderheiten"

Ihre Äußerungen bei einem Auftritt beim Narrengericht im baden-württembergischen Stockach seien "absolut respektlos", teilte SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil über Twitter mit. Annegret Kramp-Karrenbauer zeige, „welcher erzkonservative Wind jetzt wieder in der Union weht“.

Ebenfalls auf Twitter äußerte sich der FDP-Bundestagsabgeordnete Jens Brandenburg, der Fraktionssprecher für die Anliegen von Lesben, Schwulen, Bi-, Trans- und Intersexuellen (LSBTI) ist. „Wieder so ein Tag zum Fremdschämen... Ist es so schwierig, eine humorvolle Narrenrede zu halten, ohne platt auf Minderheiten einzudreschen?“, so Brandenburg.  

"Trauerspiel auf Stammtischniveau"

AKK's Stockacher Büttenrede in der "Presseschau"
Audio [SR 2, Jochen Erdmenger / Lisa Krauser, 04.03.2019, Länge: 01:50 Min.]
AKK's Stockacher Büttenrede in der "Presseschau"

Der Grüne Bundestagsabgeordnete Sven Lehmann fragte rhetorisch: „Hallo Frau Kramp-Karrenbauer, haben Sie es wirklich nötig, für einen billigen Kalauer sich auf Kosten von inter- und transsexuellen Menschen lustig zu machen?“ Der Berliner Kultursenator Klaus Lederer (Linke) sprach von einem „Trauerspiel auf Stammtischniveau“.

Kritik kommt auch aus den eigenen Reihen. Der Bundesverband Lesben und Schwule in der Union (LSU) fordert eine Entschuldigung der CDU-Chefin. "Natürlich ist eine Entschuldigung fällig", sagte der Verbandsvorsitzende Alexander Vogt am Montag im Radioprogramm "SWR Aktuell". "Das erwarten wir." Auch im Karneval gebe es Grenzen. Rückendeckung erhielt Kramp-Karrenbauer indes von dem CDU-Bundestagsabgeordneten Johannes Steiniger. „Ey Leute, das ist ne Fasnachts-Nummer. Mir geht diese Empörungskultur so was auf den Keks. Es nervt!“, twitterte er.

Was war passiert?

Ein Gespräch mit dem Büttenredner und UnserDing-Moderator Jonas Degen
Wie politisch unkorrekt darf die "Faasend" sein?

Kramp-Karrenbauer hatte bei einem Auftritt beim „Narrengericht“ im baden-württembergischen Stockach intersexuelle Menschen aufs Korn genommen. „Wer war denn von Euch vor kurzem mal in Berlin? Da seht ihr doch die Latte-Macchiato-Fraktion, die die Toiletten für das dritte Geschlecht einführen“, sagte Kramp-Karrenbauer. „Das ist für die Männer, die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder noch sitzen müssen. Dafür, dazwischen, ist diese Toilette.“ In der Halle wurden Kramp-Karrenbauers Worte mit einem Tusch und Gelächter und Johlen im Publikum begrüßt.

Schon 2015 hatte Kramp-Karrenbauer - damals noch als saarländische Ministerpräsidentin - mit Aussagen zur Homo-Ehe für Empörung gesorgt. Es gebe in Deutschland bisher eine klare Definition der Ehe als Gemeinschaft von Mann und Frau, sagte sie damals. „Wenn wir diese Definition öffnen in eine auf Dauer angelegte Verantwortungspartnerschaft zweier erwachsener Menschen, sind andere Forderungen nicht auszuschließen: etwa eine Heirat unter engen Verwandten oder von mehr als zwei Menschen.“


Kommentar

"Ich fand den Witz auch nicht lustig, aber darum geht es nicht"
Es ist eben offenbar doch was anderes, wenn man plötzlich als CDU-Chefin in der Bütt steht. Das erlebt Annegret Kramp Karrenbauer gerade. Vor dem Stockacher Narrengericht hatte sie vergangene Woche einen Witz über intersexuelle Menschen - also Menschen, die nicht eindeutig Mann oder Frau sind, gemacht. Und dafür hagelt es jetzt Kritik. Ein Witz, der für viele zu weit geht. Dazu ein Kommentar von Nadine Thielen.

Über dieses Thema haben auch die Hörfunknachrichten vom 4.3.2019 berichtet.

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