Luftaufnahme des Pingusson-Baus (Foto: Alexander M. Groß)

Pingusson-Bau: 53 Millionen Euro für Sanierung nötig

  01.08.2019 | 16:36 Uhr

Eine vollständige Sanierung des denkmalgeschützten Pingusson-Baus in Saarbrücken käme das Land offenbar teuer zu stehen. Laut Berechnungen des Bauministeriums ist von bis zu 53 Millionen Euro für eine Komplettsanierung auszugehen.

Nach einer Kostenkalkulation der obersten Baubehörde würde eine Komplettsanierung bereits nach heutigem Stand mit 41 Millionen Euro zu Buche schlagen. Hinzu kämen mögliche Kostensteigerungen über die mehrjährige Bauzeit und ein Risikozuschlag, weil in der vorhandenen Substanz gebaut würde - unterm Strich also rund 53 Millionen Euro.

Video [aktueller bericht, 01.08.2019, Länge: 3:03 Min.]
Diskussion um Sanierung des Pingusson-Baus

Bauminister Klaus Bouillon (CDU) sagte dem SR, die Kostensteigerung resultiere daraus, dass man vor fünf Jahren lediglich die Außenhülle geprüft habe. Damals sei von 28 Millionen Euro die Rede gewesen. Seither habe es aber über 20 neue Gutachten in den verschiedenen Bereichen gegeben. Bouillon fügt hinzu: „Die Zahlen sind realistisch gerechnet eher zu niedrig.“

Bouillon erwartet einem Bericht der „Saarbrücker Zeitung“ zufolge in wenigen Monaten eine Wirtschaftlichkeitsberechnung mit verschiedenen Vergleichsrechnungen, in der unter anderem die Kosten eines kompletten Neubaus oder die Mietzinsen für die dauerhafte Unterbringung des Kultusministeriums in der Alten Post gegengerechnet werden.

Hohe Mietkosten für Bildungsministerium

Das Kultusministerium war 2014 aus dem sanierungsbedürftigen Pingusson-Bau in die Alte Post gezogen. Alleine bis Ende 2018 sind dort bereits Mietkosten von knapp sieben Millionen Euro angefallen. Der Pingusson-Bau steht seither weitgehend leer. Erbaut wurde es in den 50er Jahren nach Plänen des französischen Architekten Georges-Henri Pingusson, als Sitz der französischen Botschaft in Saarbrücken. Bildungsminister Ulrich Commerçon (SPD) will das Gebäude erhalten. Historisch und kulturpolitisch gebe es keine vernünftige Alternative.

Kritik an möglichem Abriss

Der parlamentarische Geschäftsführer der Linksfraktion im Landtag, Jochen Flackus, bezeichnete die seit fünf Jahren andauernde Sanierung als „Hängepartie“. Wenn der Bauminister jetzt durchblicken lasse, dass der Abriss die wahrscheinlichere Option sei, werde auch das kulturpolitische Versagen der Regierung deutlich. Die damalige Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer hatte 2011 noch gesagt, dass der Pingusson-Bau ein prägendes Monument der saarländischen Nachkriegsgeschichte sei und die Sanierung politisches Ziel.

Die AfD kritisiert, im Saarland lasse man die letzten Industriekulturkathedralen verrotten und plane den Abriss eines weit über die Grenzen des Saarlandes bekannten Bauwerks. Der Pingusson-Bau als ehemalige französische Botschaft im Saarland stehe "wie kein weiterer Bau für die besondere saarländische Geschichte im deutsch-französischen Verhältnis."

Video [aktueller bericht, 01.08.2019, Länge: 2:49 Min.]
Kollegengespräch mit Dietmar Schellin zur Sanierung des Pingusson-Baus

Über dieses Thema wurde auch in den Hörfunknachrichten des SR vom 01.08.2019 berichtet.

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