Ein Mann sitzt auf einem Sessel und unterhält sich mit seiner Psychtherapeutin. (Foto: picture alliance/dpa Themendienst/Christin Klose)

Kostenerstattung für Psychotherapie häufig abgelehnt

Thomas Braun   24.10.2018 | 14:17 Uhr

Fast ein halbes Jahr müssen Menschen mit psychischen Problemen im Saarland auf einen Therapieplatz warten. Als Notlösung konnten Patienten sich bislang unter bestimmten Voraussetzungen auch in einer Privatpraxis behandeln und die Kosten von den Kassen erstatten lassen. Dieser Weg wurde zuletzt aber offenbar deutlich erschwert.

Die gesetzlichen Krankenkassen haben im vergangenen Jahr deutlich mehr Anträge auf Kostenerstattung von sogenannten außervertraglichen Psychotherapien abgelehnt als noch ein Jahr zuvor. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Erhebung der Landespsychotherapeutenkammern.

Die Bewilligungsquote sei demnach binnen eines Jahres von 81 Prozent auf 47 Prozent gesunken - also mehr als jeder zweite Antrag wurde abgelehnt. Zudem sei die Zahl der genehmigten Therapiesitzungen um ein Viertel zurückgegangen.

Ablehnung mit falscher Begründung?

Gut 2400 Therapeuten hatten sich bundesweit an der Studie beteiligt. Sie berichteten außerdem, dass die Kassen ihre Ablehnung oft falsch begründeten. So sei den Patienten häufig mitgeteilt worden, die Kostenerstattung sei nicht mehr erlaubt oder durch die Einführung der Terminservicestellen im April 2017 seien nun alle Patienten versorgt.

Die Therapeutenkammern werfen den Kassen vor, dass sie die komplizierten Regelungen ausnutzten, um psychisch kranken Menschen eine therapeutische Behandlung zu erschweren. "So sparen die Krankenkassen Kosten, statt den PatientInnen Wege zur Therapie zu zeigen und ihnen zu helfen", heißt es in einer Mitteilung der Kammern.

Auch Bernhard Morsch, Präsident der Saarländischen Psychotherapeutenkammer, kritisiert das Vorgehen der Kassen scharf: "Es darf nicht sein, dass ein Kostenerstattungsverfahren ausgehebelt wird, das gesetzlich unvermindert gilt", sagte er auf SR-Anfrage. "Dadurch wird die ohnehin bestehende Mangelversorgung nur noch größer."

23 Wochen Wartezeit auf den Therapiebeginn

Tatsächlich ist die Wartezeit auf einen Therapieplatz im Saarland laut einer Studie der Bundespsychotherapeutenkammer so hoch wie in kaum einem anderen Bundesland. Durchschnittlich 23,6 Wochen warten Saarländer auf den ersten regulären Behandlungstermin. Nur in Thüringen dauert es noch länger. Der Bundesschnitt liegt bei 19,9 Wochen, in Berlin sind es nur 13,4 Wochen.

Von einer Mangelversorgung mag der Verband der Ersatzkassen im Saarland (VDEK) hingegen nicht sprechen. Er verweist darauf, dass die Zahl der Psychotherapeutensitze bundesweit ausgebaut wurde. Zudem seien im Saarland in den vergangenen Jahren mehrere Maßnahmen ergriffen worden, um die Wartezeit zu verkürzen.

Kassenverband kontert Kritik

Für den VDEK ist die aktuelle Erhebung kein ausreichender Beleg dafür, dass die Versorgung verknappt wurde. "Durch die Umfrage bei Psychotherapeuten in Privatpraxen können keine Rückschlüsse auf die psychotherapeutische Versorgung im Saarland allgemein geschlossen werden", teilte der Verband auf SR-Anfrage mit. Denn mit der Umfrage sei nicht erfasst worden, wie viele Patienten nach einem Antrag auf Kostenerstattung später doch noch eine Therapie bei einem Kassentherapeuten begonnen hätten.

Zahlen dazu, wie häufig das tatsächlich gelungen ist, liefert der VDEK nicht - verweist aber darauf, dass die Zahl der Therapien insgesamt bundesweit gestiegen sei. Ebenso hat der Verband nach eigenen Angaben keine Informationen darüber, wie sich die Bewilligungsquote bei Kostenerstattungen entwickelt hat. Die Kassen seien gesetzlich nicht dazu verpflichtet, diese Zahlen zu erheben.

Zu den Ersatzkassen zählen unter anderem die DAK, die Barmer und die Techniker Krankenkasse. Diese drei Kassen waren neben der AOK von den 2400 befragten Therapeuten häufig genannt worden, wenn es um die Frage ging, ob manche Kassen eine Kostenerstattung grundsätzlich ablehnten.

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