Im Corona-Testzentrum auf dem Messegelände in Saarbrücken wird bei einem Autofahrer ein Test genommen.  (Foto: picture alliance/dpa | Oliver Dietze)

Corona-Testzentren kosten Millionen

Frederic Graus und Niklas Resch   12.05.2021 | 15:52 Uhr

Mindestens 5,5 Millionen Euro hat der Betrieb der sieben Corona-Testzentren des Landes bislang gekostet – Testkits nicht mit eingerechnet. Die Kosten für die zahlreichen anderen Testzentren im Land sind noch unklar. Bezahlt wird letztlich alles aus dem Gesundheitsfonds der Krankenkassen.

Flächendeckend auf Corona testen, das ist das Ziel der Testverordnung des Bundes, die seit dem 8. März gilt. Sie garantiert jedem Menschen in Deutschland mindestens einen kostenlosen Corona-Schnelltest pro Woche. Um das zu schaffen, hatte die saarländische Landesregierung im Schnellgang sieben eigene Testzentren aus dem Boden gestampft.

Kosten der Corona-Testzentren
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 12.05.2021, Länge: 02:19 Min.]
Kosten der Corona-Testzentren

Kosten für Personal, Strom, Wasser

Kosten für Corona-Testzentren im Saarland
Audio [SR 3, Gerd Heger/Linda Grotholt , 12.05.2021, Länge: 03:35 Min.]
Kosten für Corona-Testzentren im Saarland

Von den sieben Corona-Testzentren der Landesregierung werden zwei im Regionalverband Saarbrücken betrieben: Am Messegelände und am Grenzübergang „Goldene Bremm“. In den fünf anderen saarländischen Landkreisen gibt es zudem je ein Landes-Testzentrum.

Wie SR-Berechnungen anhand von Daten des Gesundheitsministeriums zeigen, hat der Betrieb dieser sieben Zentren seit Anfang März mindestens 5,5 Millionen Euro gekostet. Dabei geht es vor allem um die Kosten für Personal, aber auch für Strom, Wasser und Schutzausrüstung. Die Kosten für die Test-Kits sind nicht in den Kosten enthalten.

Kosten von Krankenkassen und Bund getragen

Das Gesundheitsministerium betont, dass für den Betrieb der landeseigenen Testzentren keine eigenen Kosten anfallen. Denn sämtliche Sach- und Personalkosten werden mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) abgerechnet. Die KV wiederum rechnet mit dem Gesundheitsfonds der Krankenkassen ab. Dieser Fonds speist sich aus Beiträgen der Krankenkassen-Mitglieder sowie einem Bundeszuschuss.

Auch die Betriebskosten der Testzentren, wie etwa für Strom und Wasser, kann die Landesregierung über den Gesundheitsfonds abrechnen. Zudem muss das Land für die Standorte der Testzentren keine Miete zahlen. Nach Angaben des Ministeriums stellen die Eigentümer der Flächen, etwa Kommunen oder THW, die Örtlichkeiten kostenlos zur Verfügung.

Event-Veranstalter Ziegler stark eingebunden

Sechs der sieben Landes-Testzentren werden von Eventmanager Thilo Ziegler beziehungsweise seiner Firma betrieben. Nur das Testzentrum am Saarbrücker Messegelände wird tatsächlich vom Land betrieben. Ziegler organisiert normalerweise unter anderem Konzerte und Musikfestivals wie das „Rocco del Schlacko“ in Püttlingen. Doch durch die Stilllegung der Eventbranche war er zum Umdenken gezwungen.

Ziegler hatte sich schon im vergangenen Jahr Gedanken darüber gemacht, wie man Schnelltests gut organisieren kann, um sie bei Konzerten und anderen Veranstaltungen durchzuführen. Auch weil er schon eigene Testzentren in Betrieb hatte, konnte er sich Anfang März im Rahmen eines Vergabeverfahrens durchsetzen.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums war Ziegler der einzige Bewerber, der eine so schnelle Umsetzung zusagen konnte und in der Lage war, so viel Personal zu organisieren. Mittlerweile beschäftigt Ziegler nach eigener Aussage mehr als 500 Mitarbeiter in „seinen“ sechs Testzentren. „Die kommen vor allem aus dem Gastronomie-Bereich, aus der Veranstaltungs- und Tourismusbranche. Sie sind froh, dass sie wenigstens irgendetwas arbeiten können.“

Pauschalbeträge für den Betrieb

Für den Betrieb der Zentren erhält Ziegler Pauschalbeträge vom Land. Der Auflistung des Gesundheitsministeriums zufolge sind es von Anfang März bis Ende April rund 4,5 Millionen Euro der insgesamt 5,5 Millionen Euro Kosten für die Landeszentren. Ein Beispiel: Für den Betrieb des Deutsch-Französischen Testzentrums an der „Goldenen Bremm“ erhält Ziegler pro Tag rund 26.000 Euro brutto. Dort wird seit Anfang März jeden Tag im Zwei-Schicht-Betrieb gearbeitet - im Schnitt wurden täglich rund 1600 Schnelltests durchgeführt.

Von den Summen bezahlt Ziegler die Mitarbeiter und begleicht andere Kosten. Wieviel bei seiner Firma genau hängenbleibt, sei noch nicht klar. Die Abrechnung sei noch nicht vollständig erfolgt. Auf jeden Fall betont er: „Ein Festival durchzuführen ist für mich und meine Mitarbeiter auf jeden Fall lukrativer. Wir würden nichts lieber machen, als hier morgen abzubauen und wieder Konzerte zu veranstalten.“

Weitere Kosten unklar

Die 5,5 Millionen Euro beziehen sich nur auf die sieben Landes-Testzentren. Es gibt im Saarland mittlerweile mehr als 400 Möglichkeiten, sich kostenlos testen zu lassen, sei es in Apotheken, Arztpraxen, sowie in kommunalen und privaten Testzentren. Welche Kosten für diese wohnortnahen Testangebote anfallen, erfasst das Gesundheitsministerium nicht. Diese Tests würden ebenso über die Kassenärztliche Vereinigung (KV) und dann über den Gesundheitsfonds der Krankenkassen abgerechnet wie die Kosten für die Landestestzentren.

Wie hoch diese Kosten insgesamt sind, ist derzeit noch unklar. Wie die KV dem SR mitteilte, werden die Tests immer erst mit einiger Verzögerung abgerechnet. Für den Monat März läuft das gerade, eine konkrete Summe für diesen Monat dürfte bis Ende Mai feststehen.

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels hieß es, dass die Kosten für die Testzentren bislang 6,5 Millionen Euro betragen haben. Wie das Gesundheitsministerium nachträglich mitteilte, wird jedoch auf die Leistungen in den Testzentren keine Umsatzsteuer erhoben. Dadurch ergibt sich der geringere Betrag von 5,5 Millionen Euro.

Über dieses Thema berichteten die SR-Hörfunknachrichten am 12.05.2021.

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