Eine Frau steht im Baumarkt und schaut sich die Teppiche an. (Foto: Imago Images / Scanpix)

Heimwerken statt Ausgehen

Melina Miller   13.12.2020 | 11:18 Uhr

Mehr Dekoration, weniger festliche Kleidung: Das Kaufverhalten der Saarländer hat sich durch die Corona-Pandemie, den Lockdown und die Kontaktbeschränkungen verändert. Der saarländische Handelsverband, die IHK und eine Studie der Universität des Saarlandes geben einen Überblick über die Entwicklung.

Sich das Zuhause so schön wie möglich zu machen, das ist der allgemeine Einkaufstrend in diesem Corona-Jahr. Weihnachtsdekoration, Küchenaccessoires, Geschirr, all das laufe momentan sehr gut, erklärt Leander Wappler, zuständig für Handel und Unternehmensförderung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) des Saarlandes. Weniger gekauft werde dagegen Kleidung. Durch das Homeoffice und die vielen abgesagten Veranstaltungen gebe es schlicht weniger Bedarf, sich schick anzuziehen.

Das sieht auch Michael Genth, Vorsitzender des Vereins für Handel und Gewerbe im Saarland, so: "Wir erleben eine allgemeine Entwicklung, dass es sich die Menschen zuhause schöner machen wollen.“ Das treffe auf das Einkaufsverhalten in ganz Deutschland zu, nicht nur im Saarland.

Baumärkte sind beliebt

Statt in Bekleidungsgeschäften wird demnach zum Beispiel vermehrt in Baumärkten geshoppt, die während des ersten Lockdowns im Frühjahr geöffnet blieben. Auch größere Investitionen im Haus oder der Wohnung seien - vor allem im Sommer - getätigt worden, sagt Genth. Das habe sich durch die Pandemie-bedingte Mehrwertsteuersenkung angeboten.

Ein weiterer Zweig mit großem Zulauf sind Outdoor-Artikel. Stark gelaufen seien in diesem Jahr entsprechende Produkte wie Fahrräder oder Wander-Ausrüstung. "Also alles, was mit der aktiven Beschäftigung in der Umgebung zu tun hat", erklärt Genth. Viele Saarländer hätten im Sommer das eigene Land und heimische Wanderwege erkundet. "Das kann natürlich auch etwas Positives sein, wenn Menschen ihre eigene Umgebung aktiv entdecken und sich draußen bewegen."

Einkaufsverhalten in der Stadt

Geht es um das allgemeine Einkaufsverhalten in den saarländischen Innenstädten, haben sich die Prioritäten ebenfalls verschoben. "Die Menschen konzentrieren sich beim Einkaufen mehr auf das Wesentliche", sagt Wappler. Viele Saarländer würden die Innenstädte lieber meiden, da sie zu viele Menschen erwarten würden.

Das zeigt auch eine Studie des Instituts für Konsum- und Verhaltensforschung (IKV) der Universität des Saarlandes. Knapp 1000 Menschen haben an der Befragung zu ihrem Einkaufsverhalten vor und nach dem Lockdown teilgenommen.

Dabei kam unter anderem heraus, dass Konsumenten, die an Orten mit durchschnittlich höheren Inzidenzzahlen wohnen, vorsichtiger sind und Geschäfte gezielter aufsuchen. "Das heißt, man geht lieber einmal einkaufen und nimmt gleich alles mit, statt mehrmals ein wenig zu bummeln", ergänzt Wappler.

Mehr Online-Shopping

Außerdem gaben viele Saarländer in der Befragung an, Menschenansammlungen zu vermeiden und dass sie die Maske beim Einkaufserlebnis störe. Das typische Bummeln also ist durch die Corona-Pandemie weniger bedeutsam geworden. Der Versorgungseinkauf hat dagegen an Bedeutung gewonnen.

Auch der Anteil an Menschen, die ihre Lebensmitteleinkäufe online erledigen, hat zugenommen - ebenso wie der Anteil der Online-Shopper insgesamt. Vor dem Lockdown gaben 41,7 Prozent der Befragten an, Einkäufe online zu erledigen. Nach dem Lockdown waren es 54,6 Prozent. Welche langfristigen Auswirkungen die Pandemie auf das Kaufverhalten der Saarländer hat, will das IKV mit einer erneuten Studie Anfang 2021 herausfinden.

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