Arbeitsbereich einer Werkstatt für behinderte Menschen (Foto: picture alliance / dpa | Daniel Karmann)

Erste Europäische Entlohnungskonferenz im Saarbrücker E-Werk

  15.09.2021 | 06:28 Uhr

Im Saarbrücker E-Werk findet derzeit die erste europäische Entlohnungskonferenz statt. Dabei geht es um die faire Bezahlung von Menschen mit Behinderungen. Mit dabei ist auch Dietrich Engels, Sozialforscher aus Köln. Im Gespräch mit dem SR betont er neben der schwierigen Lohnverhältnissen vor allem die Rolle des Selbstwertgefühls durch eine angemessene Bezahlung.

Menschen mit Behinderung sollen gleichberechtigt am Arbeitsleben teilhaben und ihren Lebensunterhalt verdienen dürfen. Was so selbstverständlich klingt, ist leider auch heute noch immer nicht Realität. Für eine Vollzeitarbeit erhalten sie oftmals lediglich 170 bis 200 Euro Lohn pro Monat. Um das Thema Bezahlung von Menschen mit Behinderungen dreht sich die zweitägige Konferenz im Saarbrücker E-Werk.

Mit dabei ist auch Dr. Dietrich Engels, Geschäftsführer des Instituts für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik in Köln. Sein Forschungsprojekt analysiert und prüft Vorschläge, um das Lohnniveau für Menschen mit Behinderungen zu verbessern.

Dietrich: "Bezahlung unbefriedigend"

Bezahlung von Menschen mit Behinderung
Audio [SR 3, (c) SR 3, 15.09.2021, Länge: 03:51 Min.]
Bezahlung von Menschen mit Behinderung

"Wenn man den ganzen Tag arbeiten geht und trotzdem noch Grundsicherung braucht, ist das unbefriedigend", so Engels. "Der Hintergrund ist, dass die Arbeitsplätze in Werkstätten für Menschen mit Behinderungen nicht vergleichbar mit Arbeitsplätzen in einem Wirtschaftsbetrieb sind. Die Arbeitsplätze sind subventioniert, hier ist auch eine fachliche Begleitung und Anleitung erforderlich."

Selbstwertgefühl spielt wichtige Rolle

Neben den prekären Lohnverhältnissen spielt auch das Selbstwertgefühl eine Rolle, so Engels: "Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Wir sehen das bei Menschen, die über ein Budget für Arbeit aus der Werkstatt aussteigen. Das ist auch subventioniert, aber sie haben das Gefühl, sie bekommen das Geld für ihre Arbeit und müssen nicht noch ergänzend Sozialhilfe beantragen."

Mit seinen Kolleginnen und Kollegen forscht Dr. Dietrich Engels an alternativen Modellen, um Menschen mit Behinderungen fairer zu entlohnen. "Die Werkstatträte Deutschland fordern ein Basisgeld von 1450 Euro pro Monat, wie eine Art bedingungsloses Grundeinkommen."

Auf der anderen Seite könne man sich dafür einsetzen, dass der gesetzliche Mindestlohn auch für Menschen mit Behinderungen in einer Werkstatt gelten sollte. "Doch da stellen sich andere Fragen, zum Beispiel, wie es mit der fachlichen Begleitung aussieht. Da könnte man sich einen subventionierten Mindestlohn überlegen", so Engels.

Über dieses und weitere Themen wird in den kommenden zwei Tagen auf der Konferenz diskutiert. Mitwirkende sind unter anderem Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD), Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn und Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU).

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