Symbolbild: Ein Missbrauchsopfer sitzt beispielhaft in einem Raum mit Videokameras und Mikrofonen für eine Aufzeichnung seiner Aussage im Child-House (Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild/Jan Woitas)

Kommission fordert Kinderschutzbeauftragten fürs Land

Thomas Gerber / Onlinefassung: Marie Kribelbauer   07.04.2022 | 16:07 Uhr

Nach gut zwei Jahren hat die vom Gesundheitsministerium eingesetzte Kommission zum Kinderschutz im Saarland ihren Abschlussbericht vorgelegt. Sie forderte erneut die Einsetzung eines Kinderschutzbeauftragten für das Saarland. Der Kinderschutzbund im Saarland begrüßt den Bericht, fordert aber, dass die Punkte zügig umgesetzt werden.

Die Kommission zum Kinderschutz im Saarland mit zahlreichen hochrangigen Wissenschaftlern, Vertretern von Justiz, Jugendämtern, Polizei und Opferschutz hat die Forderung nach einem Kinderschutzbeauftragten für das Saarland erneuert.

Der Wahl eines Kinderschutzbeauftragten hatte die Landesregierung bereits vor zwei Jahren grundsätzlich zugestimmt – dann nicht mehr umgesetzt. Die scheidende CDU-Gesundheitsministerin Bachmann erklärte, dass sie dem neuen Landtag und der neuen Landesregierung, die Einsetzung des Beauftragten nun dringend empfehle.

Kinderschutzbund fordert schnelle Einführung eines Schutzkonzeptes in allen Einrichtungen
Audio [SR 3, Interview: Nadine Thielen, 07.04.2022, Länge: 04:25 Min.]
Kinderschutzbund fordert schnelle Einführung eines Schutzkonzeptes in allen Einrichtungen

Experten erarbeiten 40 Forderungen

Insgesamt 40 Forderungen hat die Expertenkommission erarbeitet. Einiges davon wurde bereits realisiert. So gibt es inzwischen eine eigene E-Learning-Plattform – vieles ist aber noch Zukunftsmusik.

Für Vereine soll beispielsweise ein Label „kinderschutzgeprüft“ eingeführt werden, für die Justiz ist ein so genanntes Childhood-House geplant – nach dem Vorbild Skandinavien. Kindliche Opfer und Zeugen von sexuellem Missbrauch und Gewalt sollen bei Befragungen nicht ein zweites Mal traumatisiert werden.

Noch seien die Zahlen trotz Pandemie und häuslicher Isolation zwar kaum gestiegen, aber, so die Experten, es sei eine regelrechte Bugwelle zu befürchten. Die werde vermutlich auch über die Justiz hereinbrechen, wenn Kinder wieder ihre normalen Kontakte nach außen haben und sich Personen anvertrauen können.

Kinderschutzbund: "Sind mit Ergebnis des Berichts hochzufrieden"

Der Kinderschutzbund im Saarland vermisst in dem Bericht nichts. Laut dem Vorsitzenden Stefan Behr müssen die vorgestellten Punkte jetzt zügig abgearbeitet und innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre umgesetzt werden.

Insbesondere die Einsetzung eines Kinderschutzbeauftragten und eines sogenannten "Saarländischen Rates Kinderschutz" müsse zügig geschehen. Behr: "Wenn der politische Wille da ist, haben wir das innerhalb von vier Wochen."

Über dieses Thema berichten auch die SR-Hörfunknachrichten vom 07.04.2022.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja