Bundeskanzlerin Angela Merkel will ihren CDU-Parteivorsitz aufgeben (Foto: dpa / picture alliance / Bernd von Jutrczenka)

Kommentar: „Der richtige Moment“

Michael Thieser   29.10.2018 | 18:49 Uhr

Es sind ganze Bücher und viele Artikel darüber geschrieben worden: Den richtigen Abgang zu finden, gehört für Menschen, die den größten Teil ihres Lebens an prominenter Stelle verbracht haben, offenbar zu den schwierigsten Entscheidungen überhaupt. Anders als Horst Seehofer, hat Angela Merkel jedoch die besondere Bedeutung dieses Moments für sich erkannt. Gehen, bevor man aus dem Saal getragen wird!

Mit ihrer Entscheidung nutzt die Kanzlerin das noch verbliebene Zeitfenster, um selbstbestimmt den eigenen Abgang und damit die personelle Erneuerung der Christdemokraten in die Wege zu leiten.

Bereits im Dezember soll ein neuer oder eine neue Bundesvorsitzende der CDU gewählt werden; Stand heute hat die amtierende Generalsekretärin und ehemalige saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer gute Chancen, in die Fußstapfen von Angela Merkel zu treten. Durch den heutigen Tag jedenfalls kommt die Union kräftig in Bewegung. Es sind nur noch fünf Wochen bis zum Bundesparteitag in Hamburg, für parteiinterne Ränkespiele bleibt da kaum mehr Zeit.

Darüber hinaus hat Angela Merkel angekündigt, auch als Kanzlerin für eine weitere Legislaturperiode nicht mehr zu Verfügung zu stehen. Wer genau hinschaut, spürt, dass es auch in diesem Fall sehr schnell gehen könnte. Im kommenden Sommer wollen die Koalitionspartner in Berlin Bilanz ziehen und nimmt man das gegenwärtige Erscheinungsbild, dann spricht vieles dafür, dass die jetzige Regierung das Ende der laufenden Wahlperiode nicht mehr erreichen wird. Dies gilt umso mehr, sollte der Niedergang der Sozialdemokraten in den Umfragen weiter anhalten.

Angela Merkel hat somit in größter Not noch einmal strategische Weitsicht gezeigt. Noch bevor ihre Gegner sich richtig formieren können, hat sie die entscheidenden Weichen für die Zukunft gestellt. Jens Spahn, Friedrich Merz oder Annegret Kramp-Karrenbauer: Es sieht so aus, als könnten auch diesmal die Männer in der Partei erneut das Nachsehen haben. Am Ende kommt es eben auch auf das richtige Timing und den richtigen Moment an.


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