Oskar Lafontaine (Foto: Felix Schneider/SR)

"Lafontaine möchte maximalen Schaden anrichten"

Ein Kommentar von SR-Landespolitikchef Michael Thieser   17.03.2022 | 12:06 Uhr

Oskar Lafontaine zieht einen Schlussstrich und tritt aus der Linkspartei aus. Es ist das traurige Ende eines der profiliertesten Politiker, den das Saarland und die Republik nach 1945 hervorgebracht haben. Sein Austritt unmittelbar vor der Landtagswahl ist indes kalkuliert. Lafontaine möchte maximalen Schaden anrichten. Ein Kommentar von Michael Thieser.

Oskar Lafontaine begründet seinen Parteiaustritt mit der aus seiner Sicht zunehmenden Distanz der Linken zu den sozial Schwachen in der Gesellschaft und der Bereitschaft, Waffenlieferungen an die Ukraine und eine bessere Ausstattung der Bundeswehr mitzutragen.

Bereits bei seiner Letzten Rede im Landtag hatte Lafontaine am Mittwoch noch einmal deutlich gemacht, dass das „Nie wieder Krieg“  für ihn stets eine Lebens-Maxime war. Das Problem ist nur: Den Zivilisten, die derzeit im Theater von Mariupol und in anderen Städten der Ukraine pausenlos bombardiert werden, hilft dies nicht weiter.

"Auch Lafontaine weiß keine Antwort"
Kommentar: "Die Bitterkeit in seiner Austrittserklärung ist unübersehbar"
Audio [SR 3, Michael Thieser, 17.03.2022, Länge: 02:23 Min.]
Kommentar: "Die Bitterkeit in seiner Austrittserklärung ist unübersehbar"

Zuzusehen, wie sich möglicherweise der Völkermord von Srebrenica wiederholt und wie ein Diktator und Aggressor jegliche menschliche Regung und Rücksichtnahme vermissen lässt, kann keine Lösung sein. Völkerrecht hin oder her, es ist ein Dilemma und auch Oskar Lafontaine weiß letztlich keine überzeugende Antwort darauf.

SR-Landespolitik-Chef Michael Thieser im Studio (Foto: SR)
SR"Lafontaine möchte maximalen Schaden anrichten und verhindern, dass die Saar-Linke nochmals über die Fünf-Prozent-Hürde kommt", sagt SR-Landespolitik-Chef Michael Thieser.

Dass er seinen Schritt, die Linke zu verlassen, wiederum eine Woche vor der Landtagswahl verkündet, ist wohl kalkuliert. Er möchte maximalen Schaden anrichten und verhindern, dass die Saar-Linke nochmals über die Fünf-Prozent-Hürde kommt.

"Eine Politik der verbrannten Erde"

Der Landtagsabgeordnete Jochen Flackus und Volker Schneider haben es ihm vor einer Woche gleich getan und ebenfalls ihren Parteiaustritt erklärt. Es ist eine Politik der verbrannten Erde, destruktiv und letztendlich auch irgendwie schäbig, da zumindest Jochen Flackus und Volker Schneider alles, was sie in ihrem Leben  erreicht haben, ihrer Parteizugehörigkeit zu verdanken haben.

Sie hätten insofern ihren Schritt auch schon vor drei Monaten oder aber nach der Wahl am 27. März vollziehen können. Stattdessen geht es Lafontaine & Co darum, die Linke im Saarland zehn Tage vor der Wahl weiter zu schwächen, obwohl die Manipulationsvorwürfe gegen den Landesvorsitzenden Thomas Lutze bis dato nicht erwiesen sind und die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen eingestellt hat.

"Von Verletzungen und Niederlagen gezeichnet"

Oskar Lafontaine haut am Ende eines langen politischen Lebens ein letztes Mal auf die Pauke und macht Tabula rasa. Das Saarland hat ihm viel zu verdanken und der Applaus im Landtag bei seiner letzten Rede zum Abschluss der Legislaturperiode mag gerechtfertigt sein. Aber was bleibt, ist auch ein Politiker, der von Verletzungen und Niederlagen gezeichnet, sich endgültig aus der Arena verabschiedet.

Die Bitterkeit in seiner Austrittserklärung ist unübersehbar. Das einstige Schlachtross – wie er sich selbst oft bezeichnet hat – will nicht mehr, erschöpft und wundgerieben;  Lafontaine selbst hat es so gewollt!

Nach Ende der politischen Karriere
Lafontaine tritt aus Linkspartei aus
Der Mitgründer und einstige Vorsitzende der Linkspartei, Oskar Lafontaine, ist aus der Partei ausgetreten. Dies teilte der 78-Jährige am Donnerstag in Saarbrücken mit.

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