(v.l.n.r.) Magnus Jung, Petra Berg, Jürgen Barke, Anke Rehlinger und Jakob von Weizäcker bei der Vorstellung des neuen Saar-Kabinetts (Foto: IMAGO / BeckerBredel)

Kabinett Rehlinger: Altbekanntes mit Glamourfaktor

Kommentar von Thomas Gerber   21.04.2022 | 16:22 Uhr

Die designierte Ministerpräsidentin Anke Rehlinger hat ihr Kabinett vorgestellt. Mit dem neuen Finanzminister von Weizsäcker ist ihr ein Coup gelungen, ansonsten setzt sie auf viel Altbewährtes. Ein zusätzlicher Staatssekretärsposten sei etwas viel Luxus, und auch bei der Frauenquote sei noch Luft nach oben, kommentiert Thomas Gerber.

Christine Streichert-Clivot, Jürgen Barke, Reinhold Jost, aber auch Petra Berg und Magnus Jung – es sind Namen, die in der Landespolitik bereits seit langem bekannt sind. Dass sie auch im Kabinett Rehlinger eine Rolle spielen würden, damit war zu rechnen.

Rehlingers Regierung vorgestellt: Viel Altbewährtes und ein bisschen Glamour
Audio [SR 3, (c) SR Thomas Gerber, 21.04.2022, Länge: 02:54 Min.]
Rehlingers Regierung vorgestellt: Viel Altbewährtes und ein bisschen Glamour

Jakob von Weizsäcker sorgt für den Glamourfaktor

Einen Coup aber hat Rehlinger mit ihrem Finanzminister gelandet. Jakob von Weizsäcker, Spross der Weizsäcker-Dynastie, er sorgt für den Glamourfaktor. Ein polyglotter Sozialdemokrat mit Draht zum Kanzler, ein Mann mit zahlreichen internationalen Hochschulabschlüssen und mit guten Verbindungen zu den Fleischtöpfen in Brüssel. Chapeau!

Da ist der Landesmutter in spe mehr als eine Überraschung gelungen. Denn sein Name allein dürfte dem Freiherrn manch wichtige Tür öffnen.

Dass Rehlinger ihrem Glamourboy Bodenständiges an die Seite stellt, war zu erwarten – mit Wolfgang Förster wird jemand Staatssekretär, der den Haushalt in- und auswendig kennt und der auch schwarzen Finanzministern als der Experte galt.

Streichert-Clivot und Barke bleiben in ihren Fachbereichen

Bei der Auswahl der restlichen Kabinettsmitglieder setzt Rehlinger zunächst auf Bewährtes – Streichert-Clivot bleibt, was sie war. Jürgen Barke irgendwie auch – trotzdem wirkte er etwas zerknirscht, da Verkehr und Arbeit dem neuen Ressortschnitt zum Opfer fallen. Aber auf ihn kann sich Rehlinger verlassen. Wenn es in einem Unternehmen brennt, Barke löscht seit Jahren.

Alleskönner Jost und Superministerin Berg

Reinhold Jost gilt als Alleskönner. Er beerbt nahezu folgerichtig seinen Freund Klaus Bouillon, muss nun aber amtsbedingt seinen geliebten Ortsvorsteherposten in Siersburg aufgeben.

Magnus Jung übernimmt wohl auch dem Regionalproporz geschuldet als St. Wendeler das Gesundheits-, Arbeits-, Sozial- und Frauenressort. Da darf man gespannt sein, ob es nach Monika Bachmann tatsächlich eine Zeitenwende gibt.

Besonders groß ist die Herausforderung für Petra Berg – sie wird fast schon zur Superministerin. Umwelt, Klima, Verkehr, Agrar, Verbraucherschutz und obendrauf noch die Justiz. Das klingt nach „Gedöns“ und Resterampe – ob das dem wichtigen Thema Klimaschutz gerecht wird? Fraglich. 

Ein Staatssekretär mehr? Ein bisschen viel Luxus.

Und die Ebene unter der Ministerriege? Über die Staatssekretäre hat Rehlinger versucht weitere Begehrlichkeiten der Partei zu befriedigen. Etwa die Gewerkschaftsschiene mit DGB-Frau Bettina Altesleben. Insgesamt gibt’s im Vergleich zur alten in der neuen Regierung einen Staatssekretär mehr. Ein bisschen viel des Luxus für ein armes Land.

Auch bei der Frauenquote ist viel Luft nach oben. Da hilft es auch nichts, dass mit Heike Becker eine weithin unbekannte erste Präsidentin des Landtags wird. Bei den Ministerien steht‘s vier zu zwei fürs männliche Geschlecht.

Rehlinger hat klar den Hut auf

Aber allein schon die Art und Weise der Personalauswahl, die ganz und gar geräuschlos über die Bühne ging, hat gezeigt: Im Kabinett hat EINE den Hut auf – die Chefin.

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