SR-Redakteur Janek Böffel  (Foto: SR/Pasquale D'Angiolillo)

Personaldebatten statt Inhalte

Janek Böffel   13.10.2019 | 16:19 Uhr

Von Freitag bis Sonntag hat sich die Junge Union in Saarbrücken zum Deutschlandtag getroffen. Zu Anfang der Veranstaltung stimmten die Teilnehmer für eine Urwahl des Kanzlerkandidaten ab. Gastredner waren unter anderem Jens Spahn, Armin Laschet, Markus Söder und Friedrich Merz. Ein Kommentar von Janek Böffel.

Die Junge Union hat den parteiinternen Wahlkampf eröffnet. Das ist es, was von diesem Deutschlandtag hängen bleiben wird. Da mag der Vorsitzende Tillmann Kuban noch so sehr beteuern, es sei auch um Inhalte gegangen, da mag das Klagen über die mediale Schwerpunktsetzung noch so groß sein.

Kommentar: "Kampf um Spitzenpersonal näher als Inhalte"
Audio [SR.de, (c) SR, 13.10.2019, Länge: 02:00 Min.]
Kommentar: "Kampf um Spitzenpersonal näher als Inhalte"

Wenn selbst die Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer spöttisch von Germanys Next Topmodel spricht und der thüringische Spitzenkandidat Mike Mohring, obwohl als Gastredner vorgesehen, seinen Besuch mit der Begründung absagt, er habe sinngemäß besseres zu tun, als an einem wortwörtlich Schaulaufen teilzunehmen, dann braucht die Junge Union nicht so zu tun, als sei es um etwas anderes gegangen, als um ein Schaulaufen.

Wer Markus Söder, Armin Laschet und Jens Spahn als Redner einlädt, der will, dass über Personal gesprochen wird. Und wer wie JU-Chef Kuban dazu noch Friedrich Merz so hofiert, jovial mit Bierflasche in der Hand begrüßt, der macht auch seine eigenen personellen Vorlieben mehr als deutlich.  Und diese Junge Union weiß genau um ihr Gewicht. Ihre fast 100.000 Mitglieder sind es, die im Wahlkampf laufen, stehen und an Türen klingeln. Ohne sie geht Wahlkampf nicht.

Und auch das wurde klar. Viele beim Nachwuchs finden, dass Kramp-Karrenbauer die Falsche ist, die Union in den Wahlkampf zu führen, trotz des wohlfeilen Versprechens, sie komme was wolle zu unterstützen. Da mag der höfliche Applaus noch so lange gedauert haben. Eine Liebesbeziehung mit dem konservativen Nachwuchs ist das nicht, ihr Begrüßungsgeschenk als Parteichefin damals an die JU, deren Ex-Chef Paul Zimiak zum Generalsekretär zu machen, längst vergessen.

Es wird spannend, ob der Antrag der JU, die Kanzlerkandidatur künftig per Urwahl zu entscheiden, auf dem Parteitag der CDU im November eine Mehrheit finden wird. Die Junge Union und Kuban können sich aber feiern, dass zumindest bis dahin die Debatten andauern werden, wer denn diese Partei in den Wahlkampf führen sollte.

Mit der Dramaturgie dieses Deutschlandtages hat die JU-Spitze gezeigt, dass ihr der Kampf ums Spitzenpersonal derzeit näher ist als Inhalte. Der große Leitantrag zum Klima, mit eigenen Ansätzen und Ideen, an den Rand gedrängt, pflichtschuldig abgehandelt kurz vor Torschluss.

Die Junge Union hätte die Chance gehabt, inhaltliche Akzente zu setzen. Die Mutterpartei thematisch zu piesacken, wie sie das früher getan hat. Sie hat diese Chance vertan. Weil sie lieber den Wahlkampf eröffnet hat. Medial mag ihr das tatsächlich ein größeres Interesse beschert haben, als Kernarbeit an der Sache. Parteiintern ist es aber fraglich, ob sie sich damit einen Gefallen getan hat.

Die geladenen Parteigranden wirkten alle genervt von den Personaldebatten, die ihnen der Nachwuchs aufgedrängt hat. Selbst die, denen eigene Ambitionen nachgesagt werden. Nun ja. Fast alle, bis auf Friedrich Merz. Der sonnte sich sichtlich siegesgestenreich im bierseligen Jubel und dem Blitzlichtgewitter. Aber vielleicht ging es der JU ja genau um diese Bilder. Zumindest bei ihrem Vorsitzenden Kuban kann man sich dieses Eindrucks nicht erwehren.

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