Yeboah (Foto: SR)

Mord an Samuel Yeboah – Jahrzehnte des Schweigens

Ein Kommentar von Thomas Gerber   04.04.2022 | 21:02 Uhr

Mehr als 30 Jahre nach der Tat scheint der heimtückische und rassistische Mord an Samuel Yeboah aufgeklärt. Vorausgegangen waren Jahrzehnte des Schweigens und Verharmlosens im Saarland. Ein Kommentar.

Die Polizei – auf dem rechten Auge blind? In Saarlouis – und vermutlich nicht nur da – war sie es Anfang der Neunziger ganz eindeutig, wobei vieles an die Mordserie des NSU erinnert. Genau wie Zschäpe & Co. wurde nämlich auch in Saarlouis zunächst einmal das Umfeld des Opfers abgeklopft.

Spur nur halbherzig verfolgt

Ein Brandanschlag im schicken Saarlouis – da kann doch nur organisiertes Verbrechen dahinter stecken, eine Abrechnung im Drogenmilieu. Der Spur sollen die Ermittler damals eifrig nachgegangen sein – der eigentlichen Spur aber allenfalls halbherzig.

Der jetzt inhaftierte Peter S. gehörte der Neonazi- und Skinheadszene an. Auch damals tauchte sein Name bereits in den Akten auf. Nach elf Monaten aber wurden die Ermittlungen eingestellt – kein Tatverdächtiger auszumachen.

"Jahrzehnte des Schweigens und Verhamlosens"
Audio [SR 3, Frank Hofmann/Thomas Gerber, 05.04.2022, Länge: 03:16 Min.]
"Jahrzehnte des Schweigens und Verhamlosens"

Polizei-Narrativ hielt sich

Es folgten Jahrzehnte des Schweigens und Verharmlosens. Politisch waren alle bemüht, die heimliche Hauptstadt des Saarlandes nicht in den Ruch einer Brutstätte für Neonazis zu bringen. Samuel Yeboah wurde so ein zweites Mal zum Opfer.

Im kollektiven Gedächtnis hielt sich das polizeiliche Narrativ, dass es keine rassistische, sondern eine Tat von Kriminellen, von Drogendealern war. In Wahrheit aber wurde der 27-Jährige gezielt wegen seiner Herkunft, seiner Hautfarbe, grausam ermordet. Und hätte Peter S. nicht auf einem Grillfest den Mund zu voll genommen und einer Bekannten von seinem feigen Anschlag berichtet, würden wir weiter im Dunkeln tappen.

Nur erster Schritt zur Aufarbeitung

Die Zeugin hatte sich vor gut zwei Jahren bei der Polizei gemeldet. Der Generalbundesanwalt übernahm das Ruder und fand offenbar für die saarländische Polizei Beschämendes. Spuren wurde damals nicht ausreichend nachgegangen. Schlamperei, Gesinnungskumpanei oder vielleicht ganz einfach nur Faulheit?

Ob Peter S. geschützt wurde, weil er V-Mann der Ermittler war? So richtig entkräften konnte das Landespolizeipräsident Norbert Rupp im SR nicht. Aber immerhin: Rupp hat die Größe, sich für die Fehler der Kollegen von damals zu entschuldigen. Das aber kann nur der erste Schritt zur Aufarbeitung des Versagens sein.

Samuel Yeboahs Zimmer nach dem Anschlag 1991 (Foto: Landespolizeipräsidium Saarland)
Samuel Yeboahs Zimmer nach dem Anschlag 1991

Über dieses Thema hat auch die SR 2-Sendung "Der Morgen" am 05.04.2022 berichtet.

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