Thomas Gerber (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

Blauschwarze Viruseuphorie

Thomas Gerber   03.11.2021 | 16:00 Uhr

Am Samstag trifft der 1. FC Saarbrücken zuhause im Ludwigspark auf den 1. FC Kaiserslautern, und das vor ausverkauftem Haus und weitgehend ohne 3G-Kontrollen. Die Lockerungen der Landesregierung machen’s möglich. Thomas Gerber lässt in seinem Kommentar kein gutes Haar daran.

15.500 im neuen Ludwigspark - am Samstag feiern die Fans des FCS und des FCK ein Fußballfest. Zu befürchten ist, es wird nicht friedlich bleiben. Die Feindschaft zwischen den Fans wird dafür schon zu lange gepflegt und zu vielen Dummköpfen geht’s weniger um den Ball als um die Randale.

3G nur für die VIPs

Aber nicht nur das. Nun wird mitten in der Vierten Welle auch noch völlig losgelöst gesungen, gegröhlt und geschrien – ein Fest nicht nur für die Anhänger, sondern auch für das Virus. Das erste Großevent im Saarland ganz ohne Coronaauflagen.

Eine Verordnung der Landesregierung für Veranstaltungen im Freien macht’s möglich, der FCS nahm’s dankend an. Erstmals wird es bei einem Heimspiel – auch noch dem des Jahres – für die Masse keine 3G-Kontrollen geben. Nur die 450 feinen Leute im VIP-Bereich müssen geimpft, genesen oder getestet sein, da die im Warmen essen und trinken.

Ein Superspreader-Event droht

Für Virologen und Hausärzte ist das 3G-lose Großereignis ein Unding. Zwar ist eine Übertragung im Freien unwahrscheinlicher als in geschlossenen Räumen, aber Alkohol und Euphorie dürften für eine beachtliche Aerosolbelastung im Park sorgen. Ein Superspreader droht, Neuinfektionen, schwere Verläufe und letztlich auch Todesfälle werden billigend in Kauf genommen.

Zwar können auch Geimpfte das Virus verbreiten, aber die Übertragungswahrscheinlichkeit ist weitaus geringer. All das weiß die Landesregierung auch von ihren Beratern. Trotzdem wurde die hirnrissige Verordnung, bei der man die Kultur dann auch noch übersah, erlassen, gab man dem FCS grünes Licht.

FCS handelt verantwortungslos

Der hätte als Veranstalter zwar Verantwortung zeigen und auf 3G pochen können – aber Pustekuchen. Wegen der Brisanz des Spiels, um lange Fan-Schlangen und ein Aufeinandertreffen selbiger zu verhindern, habe man das Derby freigegeben. Vielleicht ging’s dem Verein aber ganz einfach nur um den schnöden Mammon.

Fast schon dümmlich die Argumentation des Ministeriums. Bei der Inzidenz stehe das Saarland bundesweit mit am gesündesten da und bei der Impfquote sei man mit Spitze. Dass sich das schnell ändern kann, dass das Virus keine Landesgrenzen kennt, das hatte die Vergangenheit aber immer wieder gezeigt.

In Bremen, wo die Impfquote bundesweit am höchsten ist, hat man das kapiert. Dort waren am Wochenende 42.000 gegen St. Pauli im Stadion – nur Geimpfte und Genesene. Das nenne ich verantwortungsvolle Vereins- und Landespolitik!

Über dieses Thema hat auch die SR 3 Region am Nachmittag vom 03.11.2021 berichtet.

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