Florian Mayer (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

Und nun, CDU?

Ein Kommentar von Florian Mayer   17.01.2021 | 13:29 Uhr

Die CDU hat nach dem AfD-Desaster 2020 in Thüringen in einen tiefen Abgrund geschaut. Und was dort zurückgeschaut hat, das verfolgt sie bis heute. Ein Kommentar von SR-Politikreporter Florian Mayer.

Dieser Bundesparteitag der CDU war ein besonderer. Er war zum allergrößten Teil digital, ohne Publikum. Aufgebaut wie eine Show-Gala im Fernsehen. Eine CDU-Wohlfühl-Blase. Und auch wenn die CDU bewiesen hat, dass ein „digitaler Wahlparteitag" funktioniert, diese zweitägige Partei-Gala hat gezeigt: Die CDU lebt seit über zwei Jahren in Angst, als beim  Bundesparteitag 2018 schon deutlich wurde, die Partei teilt sich in zwei Lager auf. Sie fürchtet sich davor, am Anspruch zu zerbrechen, die Mitte der Gesellschaft zu vertreten, abzubilden und zu gestalten. Einem Anspruch, den sie erhebt, wie keine andere Partei in Deutschland.

Kommentar zum digitalen CDU-Parteitag
Video [SR.de, (c) SR, 17.01.2021, Länge: 02:33 Min.]
Kommentar zum digitalen CDU-Parteitag

Zusammenhalt und Gemeinschaft beschworen

Zusammenhalt, Geschlossenheit, Gemeinschaft - keine anderen Wörter sind auf diesem CDU-Bundesparteitag öfter gefallen. Keine anderen Wörter dürfte die Ex-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer seit der Wahl in Thüringen weniger gehört haben. 

Die Lobesbekundungen dieser zwei Tage an AKK - geschenkt. Das gehört zur Wohlfühl-Blase. Niemand tritt nach, wenn die Botschaft lauten soll: wir stehen zusammen, wir spalten nicht, wir integrieren. Manchmal glaubte man fast ein leises "Wir schaffen das" durch die dunkle, leere Messehalle wabern zu hören. Es wäre nicht der einzige Slogan Merkels gewesen, dem sich auf diesem Bundesparteitag bedient wurde.

Laschet ist keine große Überraschung

Die Wahl Armin Laschets an die Spitze der Christlich Demokratischen Union ist damit keine große Überraschung. Laschet hat in einer starken Rede, nahe an den Delegierten - und ja auch nahe an potenziellen Wählern - seine Qualitäten und Stärken ausgespielt: Regierungsverantwortung, Gestaltungswille, Kompromissbereitschaft - mit dem Handwerkszeug der Politik umgehen können, wie Laschet selbst sagte. Er will alle mitnehmen. Kein CEO sein, sondern Mannschaftskapitän. Umarmende Gesten gegen die Angst.

Die aber noch nicht bei allen wirken. Das Merz-Lager schoss bereits nach wenigen Sekunden in den Sozialen Netzwerken gegen ihren neuen Parteichef. Merz selbst provozierte noch am gleichen Tag mit dem Angebot das Wirtschaftsministerium zu übernehmen. Carsten Linnemann, Vorsitzender der Mittelstands- und Wirtschaftsunion stand nach Laschets Wahl im TV-Interview da, wie der Bundestrainer nach dem Vorrunden-Aus der Nationalelf. Und wenn Armin Laschet die letzten Minuten des Parteitages nutzte, um nochmal um den Mannschaftsgeist zu bitten, merkt man, die Angst, sie lauerte noch da in der dunklen, leeren Messehalle in Berlin.

Wahlen stehen an

Sie wird mit Armin Lascht und allen anderen CDU-Mitgliedern mit nach Hause gehen. Raus aus der Wohlfühl-Blase eines Bundesparteitages, rein in den politischen Alltag. Bei den einen mehr, bei den anderen weniger. Aber sie wird sich wieder melden - #wegenmorgen. Wenn im März die Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg und in Hessen die Kommunalwahlen anstehen. Wenn im Juni in Sachsen der Landtag und im September der Bundestag gewählt werden. Sie wird vielen im Nacken sitzen, wenn Laschet eine Antwort geben muss auf die Frage: Wer wird Kanzlerkandidat?

Den Kampf gegen diese Angst darf die CDU ihrer Parteispitze nicht wieder alleine überlassen. Beim ersten Mal kostete es eine Frau nur ein Amt. Beim nächsten Mal kostet es die Union.

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Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) hat die Wahl seines nordrhein-westfälischen Amtskollegen Armin Laschet zum neuen CDU-Parteivorsitzenden begrüßt. Saar-SPD-Chefin Anke Rehlinger und FDP-Landeschef Oliver Luksic reagierten ebenfalls positiv. Die Grünen sind skeptisch, die AfD kritisiert das Ergebnis.

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Die scheidende CDU-Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer hat eine selbstkritische Bilanz ihrer Amtszeit gezogen. Zum Auftakt des CDU-Parteitages rechtfertigte sie ihren Rückzug. Es schmerze sie aber, den Erwartungen der Partei und den eigenen Ansprüchen nicht immer gerecht geworden zu sein.

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