Klaus Meiser im Landtag (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

Kommentar: Meisers (zu) später Abgang

Thomas Gerber   04.12.2018 | 09:30 Uhr

Die Präsidentenjobs im Landtag und beim Landessportverband hatte er bereits aufgegeben - am Montag nun legte Klaus Meiser sein Landtagsmandat nieder. Damit zog der CDU-Politiker die Konsequenzen aus einer Affäre, die seit rund einem Jahr die öffentliche Diskussion im Land bestimmt. Meiser will sich nun komplett aus dem öffentlichen und politischen Leben zurückziehen. 19 Jahre saß der 64-Jährige im Landtag, die Saar CDU hat er entscheidend mitgeprägt. Ein Kommentar von Thomas Gerber.

Wie hält ein Mensch das aus? Das habe ich mich oft gefragt. Nahezu im Wochenrhythmus ist man selbst Gegenstand von Plenarsitzungen. Eine Anklage der Staatsanwaltschaft, eine Aufhebung der parlamentarischen Immunität jagt die andere. Als Hinterbänkler ließ Meiser all das nahezu stoisch über sich ergehen. Er, der jahrelang als Präsident über den Abgeordneten thronte, er, der sonst die Abläufe gerne bestimmte, wurde Spielball der Geschehnisse.

Dass Meiser sein Mandat abgibt, ist nachvollziehbar, kommt aber zu spät - menschlich und politisch. Er hätte sich viel früher rausnehmen müssen, um sich als Person nicht noch weiter zu beschädigen. Politisch entstand der Eindruck, dass es ihm zuletzt nur noch um die Versorgung als Abgeordneter ging.

Einer der wenigen, die Politik tatsächlich konnten

Studiogespräch: "Möglicherweise hatte er Allmachtsgefühle und die Bremse nicht mehr gefunden"
Audio [SR 3, Michael Friemel / Thomas Gerber, 04.12.2018, Länge: 03:27 Min.]
Studiogespräch: "Möglicherweise hatte er Allmachtsgefühle und die Bremse nicht mehr gefunden"

Mit Meiser tritt einer der wenigen von der saarländischen Politbühne ab, die Politik tatsächlich konnten. Ein durchaus passabler Redner, aber immer auch der Sportsmann und Kumpel am Tresen. Wobei ihm am Ende als zweifacher Präsident, vielleicht "besoffen" vom eigenen Erfolg, die Bodenhaftung verloren ging.

Den LSVS baute er ganz in der Tradition seines Vorgängers zur Vorfeldorganisation der CDU aus. Schecks für Parteifreunde im Wahlkampf, kostenlos Besuche in der Sportschule. Die eigene Freundin versorgte er doppelt - im Landtag und beim LSVS. Wenn er gewusst hätte, was das für ein Skandalisierungspotential hat, hätte er das nicht getan, hat Meiser mal gesagt. Einfach nur erschreckend. Der Untreueprozess gegen Meiser beginnt Ende Februar - die Zeit sollte er nutzen, auch um mal übers Thema "Anstand" nachzudenken.

Kommentar: "Meisers (zu) später Abgang"
Audio [SR 3, Thomas Gerber, 04.12.2018, Länge: 01:35 Min.]
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