Männer stehen vor der Agentur für Arbeit  (Foto: dpa/Julian Stratenschulte)

Ein Viertel der Saarländer war schon einmal arbeitslos

  20.06.2020 | 08:53 Uhr

Einer Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung zufolge waren 25 Prozent der Menschen im Saarland in ihrem Erwerbsleben mindestens einmal arbeitslos. Die Untersuchung zum regionalen Strukturwandel kommt aber zu dem Ergebnis, dass Menschen in den Kohleregionen nicht häufiger Arbeitslosigkeit erleben als im Bundesdurchschnitt.

Was er da über Erwerbsbiografien herausfand, hat den Studien-Autor Jochen Roose von der Konrad-Adenauer-Stiftung überrascht. Der Forscher war davon ausgegangen, dass Menschen in vom Bergbau geprägten Regionen wie dem Saarland oder dem Ruhrgebiet durch das Ende der Kohleförderung besonders häufig mit Arbeitslosigkeit zu kämpfen hätten. Doch so ist es nicht, lautet das Ergebnis einer repräsentativen Befragung der Stiftung.

Im westdeutschen Durchschnitt gaben laut der Studie 26 Prozent der Menschen an, in ihrem Berufsleben schon einmal arbeitslos gewesen zu sein. Sowohl im Saarland (25 Prozent) als auch im Ruhrgebiet (22 Prozent) lag der Wert unter dieser Marke. Ähnliche Ergebnisse brachte auch der Vergleich der ostdeutschen Kohleregionen Lausitz und Chemnitz mit den restlichen Landesteilen.

Viele erleben Aufstieg nach Arbeitslosigkeit

Auch die Vermutung, dass sich die Menschen in den vom Strukturwandel besonders betroffenen Regionen nach einer Phase der Arbeitslosigkeit mit schlechteren Jobs begnügen müssen, wurde durch die Studie nicht bestätigt. So gaben 43 Prozent der befragten Saarländer an, ihre neue Anstellung nach der Arbeitslosigkeit als einen Aufstieg empfunden zu haben, nur 12 Prozent sahen sie als Abstieg.

Völlig spurlos ist der Strukturwandel allerdings weder am Saarland noch am Ruhrgebiet vorbeigegangen. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf etwa wuchs dort zwischen 2006 und 2016 nur unterdurchschnittlich. Das Saarland erzielte am Ende dieser Periode mit 34.800 Euro zwar ein deutlich höheres Bruttoinlandsprodukt pro Kopf als das Ruhrgebiet (31.100 Euro), erreichte aber ebenfalls nicht den Durchschnitt Westdeutschlands (40.500 Euro).

Und die Auswirkungen des Strukturwandels lassen sich laut Roose nicht nur an den reinen Zahlen ablesen. "Im Gespräch haben sich Befragte betroffen über das Ende des Bergbaus gezeigt, obwohl sie gar nicht in der Branche gearbeitet haben. Für viele Menschen in diesen Regionen ist der Bergbau ein Stück Identität, ein Stück Heimat."

Dossier
250 Jahre Bergbau an der Saar
Am 30. Juni 2012 war der Bergbau im Saarland offiziell ausgelaufen. Damit ging eine über 250-jährige Geschichte zu Ende, die die Region und das Leben der Menschen nachhaltig geprägt hat. SR-online beleuchtet in einem Dossier diese besondere Ära an der Saar.

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