Das Kohlekraftwerk Bexbach, aus der Luft fotografiert. (Foto: Imago/Becker & Bredel)

Kohlekraftwerke aus der Reserve holen?

mit Informationen von Emil Mura   05.04.2022 | 17:21 Uhr

Vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs arbeitet die Bundesregierung daran, die Abhängigkeit von russischem Gas und Öl schnellstmöglich zu verringern. Im Gespräch ist dabei auch, Kohlekraftwerke länger in Reserve zu halten. Das könnte auch Kraftwerke im Saarland betreffen.

Eigentlich wollte die Ampel-Regierung in Berlin den Kohleausstieg beschleunigen - nun könnten Kohlekraftwerke zumindest zeitweilig wieder zu einer Stütze der Energieversorgung in Deutschland werden.

Bei den Plänen, unabhängiger von russischem Gas und Öl zu werden, prüft die Regierung auch die Möglichkeit, die Kraftwerke länger in Reserve zu halten - wie Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) schon Anfang März in einem Interview im Deutschlandfunk bestätigte.

"Kurzfristig kann es sein, dass wir vorsichtshalber Kohlekraftwerke in der Reserve halten müssen, vielleicht sogar laufen lassen müssen. Da muss der Pragmatismus jede politische Festlegung schlagen", so Habeck.

Bexbach technisch betriebsbereit

Eines der Kraftwerke, das derzeit zur Reserve vorgehalten wird, ist das Steinkohlekraftwerk in Bexbach. Mit rund 720 Megawatt ist es das leistungsstärkste im Saarland. Seit 2017 steht es still und wird nur hochgefahren, wenn es zu Engpässen bei der Stromversorgung kommt.

Technisch wäre es aber möglich, das Kraftwerk auch dauerhaft wieder in Betrieb zu nehmen, sagte Kraftwerk-Leiter Michael Lux dem SR. "Steag hat schon mehrfach Gesprächsbereitschaft gegenüber der Politik geäußert, ihren Beitrag zu leisten", so Lux. Allerdings müssten auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen passen.

Kohleversorgung gesichert

Das von der EU vorgeschlagene Kohle-Embargo gegen Russland hätte übrigens kaum Auswirkungen auf den Kraftwerksbetrieb. Die Steag bezieht ihre Kohle hauptsächlich aus Amerika, Südafrika und Australien.

Generell ist die Kohleversorgung in Deutschland offenbar am schnellsten umzustellen. Laut dem Ende März veröffentlichten "Fortschrittsbericht Energiesicherheit" des Bundeswirtschaftsministeriums könnte Deutschland schon bis zum Herbst unabhängig von russischer Kohle sein. Bislang lag der Anteil bei 50 Prozent.

Video [aktueller bericht, 05.04.2022, Länge: 3:00 Min.]
Diskussion um längere Reservehaltung der Kohlekraftewerke

Gasversorgung am schwierigsten umzustellen

Auch beim Öl sinkt die Abhängigkeit durch Vertragsumstellungen absehbar von etwa 35 auf 25 Prozent. "Zum Jahresende streben wir an, nahezu unabhängig zu sein", heißt es in dem Fortschrittsbericht.

Schwieriger ist die Situation beim Gas. Hier lag der Anteil in der Vergangenheit bei rund 55 Prozent, bis zum Jahresende ist eine Absenkung auf 30 Prozent anvisiert - was aber eine enorme Kraftanstrengung bedeutete.

Mittel- und langfristig will die Bundesregierung vor allem den Ausbau Erneuerbarer Energien forcieren. Der Saarbrücker Energieexperte Prof. Uwe Leprich sieht auch hierzu im Saarland noch großes Ausbaupotenzial, insbesondere bei der Photovoltaik.

Über dieses Thema berichtete aktuell am 05.04.2022 im SR Fernsehen.

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