Kraftwerk Weiher (Foto: SR/Alexander M. Gross)

Der Kohleausstieg und die Folgen

Uli Hauck / Onlinefassung: Sandra Schick   03.07.2020 | 12:08 Uhr

Der Bundestag hat am Freitag dem lange umstrittenen Kohleausstieg bis 2038 zugestimmt. Doch welche Folgen hat die Abkehr von der Kohle als Energieträger für das Saarland? Welche Hilfen bekommt es vom Bund? Und wie viele Beschäftigte sind in den Kohlekraftwerken betroffen? Ein Überblick.

Im Zusammenhang mit dem Kohleausstieg gibt es zwei Gesetze, über die monatelang verhandelt wurde. Das eigentliche Kohleausstiegsgesetz und das Strukturstärkungsgesetz. In beiden Gesetzen werden Kohleausstieg, Entschädigungen und Strukturhilfen geregelt.

Video [aktueller bericht, 03.07.2020, Länge: 1:32 Min.]
Folgen des Kohleausstiegs für das Saarland

Fördermaßnahmen für Kohleregionen

Kohleausstieg: Saarland erhält 128,5 Millionen Euro vom Bund
Audio [SR 3, Ulil Hauck, 03.07.2020, Länge: 03:03 Min.]
Kohleausstieg: Saarland erhält 128,5 Millionen Euro vom Bund

Der dickste Batzen Geld geht in die vier Braunkohle-Länder Nordrhein-Westfalen, Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Sie bekommen direkt oder indirekt für die Infrastruktur insgesamt 40 Milliarden Euro für den Strukturwandel. Eine gewaltige Förderzusage, die auch der saarländische Ministerpräsident Hans immer noch kritisch sieht. Er hatte sich für das Saarland mehr erhofft, da es ja als Steinkohleland schon viel früher ausgestiegen ist. "Strukturwandel muss angetrieben werden. Das trifft nicht nur auf die Braunkohleregionen zu, sondern auch auf die Steinkohlereviere."

128,5 Millionen Euro fürs Saarland

Ursprünglich sollte das Saarland 90 Millionen Euro für das Abschalten und den Strukturwandel nach dem Steinkohle-Aus bekommen. Jetzt stehen im Strukturstärkungsgesetz 128,5 Millionen Euro. Das Geld darf aber nicht in den allgemeinen Landeshaushalt fließen, sondern ist projektbezogen. Da heißt, wie das Geld ausgegeben werden muss, wird von Bund und Land noch in einer sogenannten Verwaltungsvereinbarung festgelegt.

Vorschläge, die das Saarland gemacht hat sind unter anderem die Schaffung einer „Modellregion für Wasserstoff“, eine länderübergreifende Forschungsallianz zur pharmazeutischen Wirkstoffforschung und ein europäisches Exzellenzzentrum für Künstliche Intelligenz.

Zum Vergleich, Nordrhein-Westfalen erhält allein 14 Milliarden für das rheinische Braunkohlerevier. Dort will man sich als Energieregion der Zukunft profilieren und steht mit 100 Projekten in den Startlöchern. 

Stilllegung saarländischer Steinkohle-Kraftwerke

Wann die saarländischen Kraftwerke stillgelegt werden, lässt sich derzeit nicht seriös beantworten. Denn die Stilllegungen hängen von den jeweiligen Konditionen am Strom- und Wärmemarkt ab. Außerdem ist es davon abhängig, ob Stromnetzbetreiber beziehungsweise die Bundesnetzagentur ein saarländisches Kohlekraftwerk weiterhin als systemrelevant erklären. So gilt beispielsweise das STEAG-Kraftwerk Weiher bis April 2022 als nicht verzichtbar für die Netzstabilität.

Video [aktueller bericht, 03.07.2020, Länge: 4:07 Min.]
Interview mit SR-Reporterin Diana Kühner-Mert über den Kohleausstieg

Entschädigungsregelung für Steinkohle-Kraftwerke

Grundsätzlich gibt es für die Kraftwerke Umrüstungshilfen für das etwas klimafreundlichere Gas, die in der letzten Verhandlungsrunde noch mal von 180 Euro pro Kilowatt auf 390 Euro mehr als verdoppelt wurden. Allerdings gilt die Förderung nur für maximal 25 Jahre alte Kraftwerke. Die saarländischen Anlagen wären hingegen zu alt.

Für die Stilllegung von Steinkohlekraftwerken sind sogenannte degressive Höchstpreise vorgesehen. Das heißt je früher ein Kraftwerk vom Netz geht, desto höher ist die Entschädigung. Zwischen 2020 und 2027 sinkt so die Entschädigung pro Megawatt von 165.000 Euro auf 89.000 Euro. Auch hier ist – nach Angaben des saarländischen Wirtschaftsministeriums - noch unklar, ob die Saar-Kraftwerke zum Zug kommen und ob die Entschädigungen reichen um alle Kosten zu decken.

Insgesamt werden durch das Ende der Steinkohlekraftwerke wohl 500 Jobs wegfallen.


Steinkohlekraftwerke im Saarland

Kraftwerk Bexbach:
Eigentümer: STEAG GmbH
Baujahr: 1983
Energieträger: Steinkohle
Elektrische Leistung: 780 MWel
Auskoppelbare thermische Leistung: -
Status: bis zumindest 2022 in der Netzreserve

Kraftwerk Weiher III:
Eigentümer: STEAG GmbH
Baujahr: 1976
Energieträger: Steinkohle
Elektrische Leistung: 724 MWel
Auskoppelbare thermische Leistung: 30 MWth
Status: bis zumindest 2022 in der Netzreserve

Kraftwerk MKV Fenne:
Eigentümer: STEAG GmbH
Baujahr: 1982
Energieträger: Steinkohle / Gas
Elektrische Leistung: 230 MWel
Auskoppelbare thermische Leistung: 210 MWth
Status: in Betrieb / in Saisonbetrieb

Kraftwerk HKV Fenne:
Eigentümer: STEAG GmbH
Baujahr: 1989
Energieträger: Steinkohle / Gas
Elektrische Leistung: 236 MWel
Auskoppelbare thermische Leistung: 185 MWth
Status: in Betrieb

Kraftwerk Römerbrücke:
Eigentümer: Energie SaarLorLux AG
Baujahr: 1988-2011
Energieträger: Erdgas / Steinkohle
Elektrische Leistung: 133 MWel
Auskoppelbare thermische Leistung: 230 MWth
Status: in Betrieb / in Saisonbetrieb, bis Frühjahr 2022: Ersatz der steinkohlebefeuerten Wirbelschichtanlage durch 5 Gasmotorenlagen

Kraftwerk Ensdorf Block 1:
Eigentümer: VSE AG
Baujahr: 1963
Energieträger: Steinkohle
Elektrische Leistung: 120 MWel
Auskoppelbare thermische Leistung: 60 MWth
Status: seit Ende 2017 nicht mehr am Netz

Kraftwerk Ensdorf Block 3:
Eigentümer: VSE AG
Baujahr: 1971
Energieträger: Steinkohle
Elektrische Leistung: 310 MWel
Auskoppelbare thermische Leistung: -
Status: seit Ende 2017 nicht mehr am Netz

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 03.07.2020 berichtet.

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