Kraftwerk Weiher in Quierschied (Foto: SR)

Linke fordert Stopp von „Blutkohle“ in Saar-Kraftwerken

  18.05.2020 | 16:47 Uhr

Im Saarland wird in großen Mengen Kohle aus dem umstrittenen kolumbianischen Tagebau „El Cerrejón“ eingeführt. Das geht aus der Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion hervor. „El Cerrejón“ steht im Verdacht, Kinder für den Abbau der Kohle einzusetzen.

Kinderarbeit, Menschenrechtsverletzungen, Umwelt- und Gesundheitsbelastungen: Die Liste der Kritik am kolumbianischen Abbaugebiet „El Cerrejón“ ist lang. Vor einem Jahr hatte das Hilfswerk Misereor einen entsprechenden Bericht eines kolumbianischen Anwaltskollektives veröffentlicht, der die Probleme dokumentiert.

Steag bezieht Kohle aus "El Cerrejón"

Die Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage der Linken im Landtag hat nun ergeben, dass im Saarland große Mengen an kolumbianischer Kohle aus „El Cerrejón“ stammen. Vor allem für die Steag GmbH, mit den Kraftwerken Bexbach, Fenne und Weiher der größte regionale Kraftwerksbetreiber, war „El Cerrejón“ in den vergangenen Jahren einer der Hauptbezugsorte.

 „Die Steag GmbH hat mitgeteilt, dass die von ihr aus Kolumbien importierte Steinkohle fast ausschließlich aus dem Tagebau El Cerrejón stammt“, teilte die Landesregierung mit. 2018 hat Steag den Angaben zufolge 208.000 Tonnen Kohle aus Kolumbien importiert, 2017 376.000 Tonnen und 2016 sogar 924.000 Tonnen.

Steag beschäftige sich aber intensiv „mit den Auswirkungen, die der Tagebau auf die Beschäftigten, die benachbarten Kommunen und die Umwelt hat“, heißt es weiter. Dabei habe man bislang keine gravierenden Verstöße belegen können.

"Das ist nicht hinnehmbar"

Die Linksfraktion im Landtag fordert die Landesregierung auf, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um den Import aus Kolumbien künftig zu verhindern. „Die Regierung weist jede Verantwortung mit Verweis auf fehlende außenpolitische Handlungskompetenzen von sich. Das ist nicht hinnehmbar“, sagte der wirtschaftspolitische Sprecher Jochen Flackus. Der Verweis auf die Bemühungen von Steag sei „angesichts der massiven Vorwürfe zu wenig“.

Neben Steag haben auch die Energieversorger VSE und Energie Saar-Lor-Lux den Angaben der Landesregierung zufolge nach dem Ende des Bergbaus im Saarland Steinkohle aus Kolumbien bezogen.

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