Symbolbild: Ein Krankenpfleger auf der Station eines Krankenhauses  (Foto: dpa)

Kliniken im Saarland rechnen zu viel ab

Niklas Resch   29.09.2018 | 11:50 Uhr

Die Krankenhäuser im Saarland haben im vergangenen Jahr 21,5 Millionen Euro zu viel abgerechnet. Das belegen Zahlen des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK), die dem SR vorliegen.

Im vergangenen Jahr wurden im Saarland rund 37.000 Rechnungen überprüft – gut 60 Prozent davon waren fehlerhaft. Die Schadenssumme von 21,5 Millionen für das Jahr 2017 ist etwas niedriger als in den Vorjahren, bleibt aber auf einem insgesamt hohen Niveau. 2016 hatten die Krankenhäuser im Saarland nach MDK-Angaben 22,8 Millionen Euro zu viel abgerechnet. 2015 waren es sogar rund 23,3 Millionen Euro.

Insgesamt dürften die Schadenssummen aber noch deutlich höher liegen. Denn die Zahlen beziehen sich nur auf die gesetzlichen Krankenkassen. Für die privaten Krankenkassen oder die Knappschaft ist der MDK nicht zuständig. Diese Kassen lassen selbst prüfen, ob Krankenhausrechnungen korrekt sind, entweder durch beauftragte Gutachter oder mit einem eigenen Medizinischen Dienst.

Änderungen im Prüfverfahren gefordert

Hintergrund

Die Krankenkassen überprüfen in einem ersten Verfahren, meist per Software, ob die Rechnungen plausibel sind. Wenn zum Beispiel die Kosten für eine Blinddarmoperation deutlich höher liegen als im Schnitt üblich, kommt der MDK ins Spiel. Nach Schätzungen wird etwa jede zehnte Rechnung überprüft. Die MDK-Mitarbeiter im Saarland gehen in die Kliniken und schauen sich diese Fälle genau an.

Allerdings haben die Kliniken durch erhöhte Abrechnungen eigentlich nichts zu befürchten. Sie müssen lediglich die zu viel abgerechneten Summen an die  Krankenkassen zurückzahlen. Auf der anderen Seite müssen sich die Kassen aber zweimal überlegen, ob sie Rechnungen überprüfen lassen. Denn sollten sich keine Fehler finden, muss die Kasse der Klinik eine Aufwandsentschädigung von 300 Euro zahlen. Diese Regelung steht schon seit längerem in der Kritik. Zuletzt hatte der Bundesrechnungshof gefordert, dass für Kliniken Strafzahlungen fällig werden, wenn die Abrechnungen falsch sind. Nach Ansicht der Prüfbehörde kann nur so ein größerer Anreiz dafür geschaffen werden, dass die Kliniken in Zukunft nicht mehr so häufig zu viel abrechnen.

Krankenhausgesellschaft weist Kritik zurück

Die saarländische Krankenhausgesellschaft wies die Kritik des MDK unterdessen zurück. Dass mehr als die Hälfte der geprüften Rechnungen fehlerhaft sei, sei nicht korrekt. Der MDK überprüfe nicht die wirkliche Verweildauer der Patienten in der Klinik. Er orientiere sich nur an der von der Krankenkasse vorgesehenen Behandlungsdauer. Im Einzelfall sei aber oft eine längere und umfassendere stationäre Behandlung notwendig.

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