Ein Pfleger schiebt ein Bett über einen Krankenhausflur (Foto: Daniel Bockwoldt/dpa)

Ministerium prüft Pflege in Marienhausklinik

mit Informationen von Nelly Theobald   28.04.2020 | 12:24 Uhr

Die Krankenhausaufsicht des Gesundheitsministeriums prüft die Pflegesituation in der Marienhausklinik St. Wendel. Die von der Gewerkschaft Verdi erhobenen Vorwürfe, es würden zu wenig Pflegekräfte pro Patient eingesetzt, weist der Träger jedoch zurück. Man folge nur den Vorgaben der Politik.

Der Pflegebeauftragte der Gewerkschaft Verdi Michael Quetting sprach von einer gefährlichen Situation in den Krankenhäusern der Marienhaus Unternehmensgruppe im Saarland. Als lebensgefährlich, unverantwortlich und gesundheitsgefährdend beschrieb er die Zustände in der Pflege. In der Marienhausklinik in St. Wendel seien alle pflegerischen Standards außer Kraft gesetzt, sagte Quetting.

Video [aktueller bericht, 28.04.2020, Länge: 2:32 Min.]
Kritik an der Pflege in der Marienhausklinik

Beschäftigte berichteten, so Quetting, dass für vier Intensivpatienten lediglich eine Pflegekraft zur Verfügung stünde, auf der Normalstation nur eine Pflegekraft für 15 Patienten zuständig sei und im Nachtdienst prinzipiell nur eine Pflegekraft auf Station sei. Auszubildende würden voll eingesetzt. Auch beim Saarländischen Rundfunk meldete sich eine Beschäftigte und schilderte, die Patienten seien nicht ausreichend versorgt.

In der Marienhausklinik in Ottweiler seien laut Quetting für acht Beatmungsplätze für Covid 19-Patienten eine Pflegekraft und zwei Auszubildende zuständig. Das sei ein Skandal. Zudem seien Covid-19-Patienten und Patienten der Kardiologie nicht getrennt.

Klinik-Träger verweist auf Corona-Situation

Missstände in Marienhaus-Klinik St. Wendel?
Audio [SR 3, Nelly Theobald, 28.04.2020, Länge: 03:05 Min.]
Missstände in Marienhaus-Klinik St. Wendel?

Die Marienhaus Unternehmensgruppe wehrte sich gegen die Vorwürfe. Der Betreuungsschlüssel in der Pflege sei angepasst worden, um in Losheim und Ottweiler zwei Covid-19-Kliniken einzurichten und die Zahl der Beatmungsplätze auf Intensivstationen zu erhöhen. Das sei in enger Abstimmung mit dem Land geschehen.

Zudem seien Mitarbeiter freigestellt worden, um Urlaub zu nehmen oder Überstunden abzubauen. Damit habe man sich auf eine mögliche Welle an Covid-19-Patienten vorbereitet.

Weil planbare Eingriffe verschoben wurden und viele Nicht-Corona-Patienten die Krankenhäuser zu meiden schienen, sei die Belegung in den Kliniken dramatisch zurückgegangen. Sie habe teilweise deutlich unter 50 Prozent gelegen. Entsprechend sei der Stellenschlüssel angepasst worden.

Über dieses Thema hat auch die SR 3-Rundschau am 28.04.2020 berichtet.

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