Julia Klöckner  (Foto: picture alliance/Lisa Ducret/dpa)

Kritik an Klöckner nach Nestlé-Video

  06.06.2019 | 12:05 Uhr

Bundesagrarministerin Julia Klöckner steht seit Monaten in der Kritik: Viele sind der Ansicht, sie stehe der Agrarindustrie zu nahe. Nun hat ein Video, das ihr Ministerium auf Twitter veröffentlichte, weitere Empörung ausgelöst. Kritik kommt auch aus dem Saarland.

In dem knapp einminütigen Video stehen sich Klöckner und Marc-Aurel Boersch, Deutschland-Chef des Lebensmittelkonzerns Nestlé, gegenüber. Klöcker sagt darin, sie freue sich, dass sie sich mit Boersch "über die Philosophie von Nestlé" unterhalten habe. Sie habe Unterstützung für ihre "Reduktionsstrategie" bekommen. Es gebe nun weniger Zucker, weniger Salz, weniger Fett in den Produkten von Nestlé.

Das Video hat den Unmut Tausender Twitter-User entfacht: Sie werfen Klöckner unter dem Hashtag #Nestle vor, sich vom Nestlé-Konzern für PR-Zwecke ausnutzen zu lassen. Andere spotten über die unkritische Haltung zu Nestlé, die sie Klöckner in dem Video unterstellen. Auch etliche Bundespolitiker kritisierten den Beitrag heftig. Dem Großkonzern Nestlé werden teils fragwürdige Geschäfte vorgeworfen - etwa die Privatisierung von Trinkwasser in Entwicklungsländern.

tagesschau.de
Video mit Nestlé - Kritik an Klöckner
Ein gemeinsames Video mit einem Nestlé-Manager hat Agrarministerin Klöckner viel Kritik eingebracht: Sie mache Werbung für den Lebensmittelkonzern, werfen ihr Bundespolitiker vor. Klöckner weist das vehement zurück.

Saarländische CDU-Fraktion kritisiert Video

Die saarländische CDU-Landtagsfraktion kritisiert gegenüber dem SR, das Video mit Nestlé. Gemeinsame Videos mit einzelnen Lebensmittelunternehmen seien "nicht zielführend". Man stehe aber "voll und ganz hinter Klöckners Strategie, den Zucker-, Fett- und Salzgehalt in Fertiggerichten zu reduzieren".

Minister Jost: Klöckner bremst wichtige Themen aus

Der saarländische Verbraucherschutzminister Reinhold Jost (SPD) sieht in dem Video einen Beleg für fehlendes politisches Gespür Klöckners. Das Video unterstreiche die öffentliche Wahrnehmung von Klöckners Politik als wenig verbraucherfreundlich - aber dafür sehr industriefreundlich. Klöckner bremse beispielsweise die Einführung einer Nährwertkennzeichnung von Lebensmitteln immer wieder aus. Auch mit Blick auf die Landwirte zeige sie sich konfliktscheu und sperre sich gegen ein einheitliches staatliches Tierwohl-Logo für Fleisch- und Wurstwaren.   

Tressel: "Klöckner als Werbemaskottchen"

Der saarländische Bundestagsabgeordnete Markus Tressel (Grüne) sagte, Klöckner mache sich zum "Werbemaskottchen für Nestlé" und zerstöre damit jede Glaubwürdigkeit. "Anstatt auf Kuschelkurs mit Nestlé zu gehen, sollte die Ministerin endlich verbindliche Reduktionsziele für Zucker, Fett und Salz festlegen - und das für alle Lebensmittelunternehmen." Mit Freiwilligkeit komme man nicht weiter. "Wir brauchen eine Nährwertampel und klare Regeln für Lebensmittelwerbung, die sich an Kinder richtet."

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