Ein Kind greift nach einem Geldschein. (Foto: IMAGO / photothek)

Kinderrechtler fordern mehr Taten gegen Kinderarmut

  20.09.2021 | 10:16 Uhr

Anlässlich des Weltkindertags werden Forderungen für mehr Entschlossenheit im Kampf gegen Kinderarmut laut. Jedes dritte Kind in Deutschland lebe in Armut, betont der Kinderrechtler Holger Hofmann im SR-Interview. Es sei noch ein weiter Weg zu gehen. Auch im Saarland ist Kinderarmut weit verbreitet.

Die Kinder und ihre Bedürfnisse in den Fokus rücken – das ist das Ziel des Weltkindertags, der jedes Jahr am 20. September stattfindet. Im Interview mit dem SR betont Holger Hofmann, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerks, dass sich in den vergangenen 30 Jahren bereits viel getan habe, beispielsweise bei der gewaltfreien Erziehung, aber auch bei der Anerkennung von Kindern als eigenständige Persönlichkeit.

Holger Hofmann: "Wir haben noch eine Strecke zu gehen beim Thema Kinderrechte"
Audio [SR 3, Michael Friemel, 20.09.2021, Länge: 03:55 Min.]
Holger Hofmann: "Wir haben noch eine Strecke zu gehen beim Thema Kinderrechte"

„Es geht aber noch nicht so weit, dass wir vom Kind aus denken", sagt der Kinderrechtler. Er erklärt, dass bei Entscheidungen häufig nicht darauf geachtet würde, was aus Sicht der Kinder wichtig ist. So seien in der Pandemie zum Beispiel Möglichkeiten gefunden worden, dass die Kinder Prüfungen ablegen können. Das soziale Wohlbefinden und damit die Bedürfnisse der Kinder seien dagegen aber oft vergessen worden.

In diesem Zusammenhang weist Hofmann auf das Problem der Kinderarmut hin. Jedes dritte Kind sei ein Hartz-IV-Empfänger. Man müsse die Kinder eigenständig absichern und gleichzeitig die Familien unterstützen.

Kinderschutzbund fordert Kindergrundsicherung

Auch der Kinderschutzbund im Saarland fordert mehr Entschlossenheit bei der Bekämpfung von Kinderarmut. „Nach der UN-Kinderrechtskonvention haben alle Kinder das Recht auf ein Aufwachsen in sozialer Sicherheit“, heißt es in einem entsprechenden Beschluss des Deutschen Kinderschutzbundes.

Stefan Behr, erster Vorsitzender des Kinderschutzbundes im Saarland, nimmt zwar ein gestiegenes Bewusstsein für das Problem der Kinderarmut wahr, das reiche allerdings nicht. „Wir erwarten, dass in der nächsten Legislaturperiode eine auskömmliche Kindergrundsicherung eingeführt wird. Es ist höchste Zeit“, fordert er.

Teilweise mehr als die Hälfte der Kinder betroffen

Das Thema Kinderarmut sehen auch Die Linken im Regionalverband Saarbrücken als „Skandal“. Die Kinderarmut habe auch im Regionalverband erschreckende Ausmaße angenommen, erklärte der Fraktionsvorsitzende Jürgen Trenz.

Demnach seien deutlich mehr als 30 Prozent der Kinder unter 15 Jahren abhängig von Sozialleistungen – in einigen Stadtteilen wie Burbach oder Folsterhöhe liege der Anteil sogar bei weit über 50 Prozent. Diese Armut verbaue die Zukunft der Kinder, bedeute gleichzeitig schlechte Ernährung, schlechtere Bildungschancen und eine teils drastische Einschränkung der Sozialkontakte. Die Partei fordert deshalb wie der Kinderschutzbund eine Kindergrundsicherung.

Kinder vor allem durch Pandemie benachteiligt

Seit Beginn der Coronapandemie mussten Kinder oft zurückstecken, betont auch Familienministerin Monika Bachmann (CDU). Sie konnten keine Freunde sehen, durften nicht zum Sport, konnten nicht in die Schule oder in den Kindergarten gehen.

„Weil Kinder nicht so stark sind wie Erwachsene und sich auch nicht so gut wehren können, brauchen sie unseren besonderen Schutz“, so die Ministerin.

Ein Thema in „SR3 Guten Morgen“ am 20.09.2021.

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