Ein Kind beim Spazieren mit den Eltern (Foto: dpa)

Kinderarmut wächst im Saarland besonders stark

  12.09.2016 | 10:22 Uhr

Das Saarland kommt im Kampf gegen Kinderarmut nicht voran. Laut einer aktuellen Bertelsmann-Studie waren im vergangenen Jahr 25.000 saarländische Kinder auf Hartz IV angewiesen - fast 3000 mehr als noch 2011. Damit ist der Anstieg armutsgefährdeter Kinder wesentlich drastischer als im Bundesdurchschnitt.

Bundesweit leben fast zwei Millionen Kinder von staatlicher Grundsicherung. Das geht aus einer am Montag veröffentlichten Studie der Bertelsmann Stiftung hervor. Demnach ist der Anteil der auf Hartz IV angewiesenen unter 18-Jährigen von 14,3 Prozent im Jahr 2011 auf 14,7 Prozent gestiegen.

Sehr viel drastischer ist der Anstieg laut der Studie im Saarland. Waren im Jahr 2011 noch rund 22.000 Kinder armutsgefährdet (15 Prozent), lag die Zahl 2015 bereits bei 25.000 (17,6 Prozent) – ein Plus von 2,6 Prozent. Nur in Bremen war der Anstieg größer.

Hohes Armutsrisiko in alleinerziehenden Familien

Deutliche Unterschiede gibt es dabei zwischen den Kreisen und kreisfreien Städten im Saarland. Die meisten Kinder mit Grundsicherungsleistungen leben demnach im Regionalverband Saarbrücken (26,6 Prozent) und im Landkreis Neunkirchen (20,1 Prozent). Am geringsten ist die Zahl armutsgefährdeter Kinder im Landkreis St. Wendel (8,9 Prozent). Besonders groß ist das Armutsrisiko laut der Autoren der Studie für Kinder in alleinerziehenden Familien. In Zahlen: Fast 50 Prozent der Kinder von Alleinerziehenden leben von Hartz IV.

"Es ist unerträglich"

Der Vorsitzende der saarländischen Armutskonferenz, Wolfgang Edlinger, sprach sich im SR für einen eigenen Anspruch im Hartz IV-Regelsatz für Kinder aus. Bisher werde der Regelsatz für Kinder aus dem Bedarf der Eltern errechnet. "Es ist beispielsweise unerträglich, dass für Windeln bei einem Kleinkind monatlich 2,20 Euro zur Verfügung stehen. Das ist unvorstellbar. Wenn das Kind einen eigenen für sich festgelegten Bedarf hätte, wären die Familien auch besser in der Lage damit umzugehen.

Allerdings kann laut Edlinger die materielle Seite allein das Problem nicht lösen. Vielmehr müsse auch die Chancengleichheit und die Würde der Kinder gewahrt werden. "Wenn Kinder über Jahre immer wieder erleben, 'ich bin besonders gekennzeichnet, ich bin ein Hartz IV-Kind', wird ihnen eine Perspektive genommen und sie erleben immer wieder, dass sie anders sind als andere Kinder."

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