Ein Kind schaukelt vor einem Hochhaus. (Foto: Rolf Vennenbernd/dpa)

Kinderarmut in Saarbrücken besonders hoch

Thomas Braun   02.04.2019 | 04:50 Uhr

In Saarbrücken leben so viele Kinder in Armut wie in fast keiner anderen deutschen Großstadt. Mehr als jedes dritte Kind in der Landeshauptstadt wuchs 2016 laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung in einem Hartz-IV-Haushalt auf. Nur in Gelsenkirchen und Bremerhaven war die Quote noch höher.

Interview: "Ich erwarte von den Lehrern eine Armutskompetenz"
Audio [SR 3, 02.04.2019, Länge: 03:11 Min.]
Interview: "Ich erwarte von den Lehrern eine Armutskompetenz"

Zwischen 2007 und 2016 ist die Kinderarmutsquote in Saarbrücken um drei Prozentpunkte gestiegen - während es bundesweit zeitgleich einen leichten Rückgang gab. Die Schere zwischen den wenig betroffenen Städten und andererseits Regionen wie Saarbrücken und Gelsenkirchen ging laut der Studie immer weiter auseinander. In Heidelberg beispielsweise lebt weniger als jedes zehnte Kind in Armut.

Auch innerhalb des Saarlandes gibt es deutliche Unterschiede: In Neunkirchen ist der Anteil der Unter-15-Jährigen, die in einem Hartz-IV-Haushalt leben, noch höher als in Saarbrücken. Auch in Völklingen und Sulzbach sind viele Kinder betroffen. Am geringsten sind die Quoten in Perl, dem Mandelbachtal und Tholey. In Perl lebt weniger als jedes 20. Kind in einem Haushalt, der Hartz-IV-Leistungen erhält.

"In Saarbrücken ballen sich die sozialen Problemlagen"

Video [aktueller bericht, 02.04.2019, Länge: 5:40 Min.]
Nachrichten

Der Direktor des Regionalverbands Saarbrücken, Peter Gillo, sagt: "In Saarbrücken ballen sich die sozialen Problemlagen." Im Regionalverband lebe die Hälfte aller saarländischen Hartz IV-Bezieher. In ärmeren Familien lebten zudem tendenziell mehr Kinder, was zu einer höheren Armutsquote führe. Zudem hätten gerade Alleinerziehende ein hohes Armutsrisiko. Bei 42 Prozent aller Hartz-IV-Bezieher mit Kindern handele es sich um Alleinerziehende.

Der Regionalverband sieht seine Aufgabe vor allem darin, den Auswirkungen von Kinderarmut zu begegnen. Wichtig sei eine lückenlose Präventionskette anzubieten. Das beginne mit den sogenannten "Frühen Hilfen", die im Säuglingsalter angeboten werden und werde fortgeführt mit finanziellen Hilfen für den Kindergartenbesuch oder die schulische Nachmittagsbetreuung. Der Regionalverband übernimmt derzeit für rund 6500 Kinder die Kosten für eine solche Betreuung.

Über dieses Thema wurde auch in den Hörfunknachrichten des SR vom 02.04.2019 berichtet.

Politik & Wirtschaft
Welche Maßnahmen gegen die Kinderarmut?
Wie kann die hohe Kinderarmutsquote in Saarbrücken bekämpft werden? SPD, Grüne und Linke sind sich in ihren Vorschlägen relativ einig: Eine Kombination aus mehr Bundeshilfen, mehr Investitionen in frühkindliche und schulische Bildung und mehr Anstrengungen, um neue Arbeitsplätze für Hartz-IV-Bezieher zu schaffen.

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