Ein Mädchen wird geimpft. (Foto: IMAGO / Laci Perenyi)

Kinderärzte warnen vor zu schnellem Einsatz von Corona-Impfung

Sandra Schick mit Informationen von Nelly Theobald   10.05.2021 | 18:41 Uhr

Der Verband der Kinder- und Jugendärzte im Saarland hat davor gewarnt, einen Corona-Impfstoff für Kinder- und Jugendliche sofort nach dessen Zulassung in der Breite einzusetzen. Man müsse zunächst die Empfehlung der STIKO abwarten. Außerdem sprechen sich die Ärzte ausdrücklich dagegen aus, Impfungen zur Bedingung für den Schul- und Kitabesuch zu machen.

Der Impfstoffhersteller Biontech/Pfizer hat in Europa eine Zulassung für Kinder von 12 bis 15 Jahren beantragt. Bisher ist der Impfstoff erst ab 16 Jahren zugelassen. Das saarländische Gesundheitsministerium hatte vergangene Woche angekündigt, ein Konzept zu erarbeiten um zeitnah zur Zulassung des Impfstoffes für Kinder mit der Verimpfung starten zu können. Doch der Berufsverband der Kinder und Jugendärzte im Saarland sieht das teilweise kritisch.

Video [aktueller bericht, 10.05.2021, Länge: 3:17 Min.]
Diskussion um Impfungen für Kinder

Grundsätzlich gebe es zwar Kinder mit bestimmten Erkrankungen, die man unbedingt impfen wolle, zum Beispiel mit Trisomie 21 oder schweren neuromuskulären Erkrankungen, sagt der Sprecher des Verbandes der Kinder- und Jugendärzte im Saarland, Benedikt Brixius. Allerdings sei es vor einer breiten Anwendung bei 12- bis 15-jährigen Kindern und Jugendlichen "unabdingbar", die entsprechende Empfehlung der Ständigen Impfkommission beim Robert Koch Institut (STIKO) abzuwarten. Dieses Verfahren habe sich seit Jahrzehnten bewährt.

Zu früh, um Impfstoffsicherheit zu beurteilen

Es sei "zu früh, die Sicherheit des Impfstoffs in dieser Altergruppe anhand einer einzigen Studie abschließend zu beurteilen", schreibt der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) in einer offiziellen Stellungnahme. Benedikt Brixius: "Es gibt nicht diese großen Studien wie bei Erwachsenen."

Im Rahmen der Zulassungsstudie sind laut BVKJ insgesamt nur rund 1130 Jugendliche aus den USA mit dem Impfstoff geimpft worden. Dabei habe es zwar keine Warnhinweise für schwere unerwünschte Wirkungen gegeben, diese könnten aber auftreten, wenn der Impfstoff in großem Umfang eingesetzt werde. "Man kann nicht vorpreschen und sagen: Wir impfen jetzt alle Kinder und nachher passiert etwas", mahnt Brixius.

Krankheit verläuft bei Kindern meist milde

Ein weiterer Punkt, den die Kinderärzte anführen: Eine allgemein empfohlene Impfung sollte für das geimpfte Individuum einen nachgewiesenen Vorteil im Hinblick auf die Infektion bringen. Weil aber bei gesunden Kindern und Jugendlichen eine Infektion mit dem Coronavirus meist milde verläuft, sei dies bei ihnen nur bedingt der Fall.

Auch werde weiter kontrovers diskutiert, in welchem Ausmaß Infektionen bei Kindern tatsächlich zur Pandemie beitragen. Klar sei aber: "Kinder profitieren nicht in gleichem Maß von der Impfung wie Erwachsene", sagt Brixius.

Schul- und Kitabesuch nicht an Impfung koppeln

Die Kinderärzte warnen zudem davor, den Besuch von Schulen und Kitas an eine Impfung gegen Covid 19 zu koppeln. "Dies käme einer indirekten Impfpflicht gleich", heißt es dazu vom BVKJ. Eine solche Maßnahme sei nicht zu rechtfertigen, insbesondere, wenn die erwachsenen Kontaktpersonen in den Gemeinschaftseinrichtungen bereits vollständig geimpft sind.

"Es ist uns ganz wichtig, dass eine Impfung nicht zur Grundvoraussetzung gemacht werden darf für den Schulbesuch oder auch eine Urlaubsfahrt", so Brixius. Schon jetzt treffe die Einschränkung sozialer Teilhabe Kinder und Jugendliche besonders hart.

Priorisierung nicht unterlaufen

Nach Auffassung der Kinderärzte sollte es auch keine allgemeine Freigabe der Impfungen für alle Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren geben, bevor nicht ausreichende Mengen an Impfstoff für die vulnerablen erwachsenen Menschen, die priorisiert sind, zur Verfügung stehen. Zunächst müssten die Menschen geschützt werden, die ein höheres Risiko haben.

"Natürlich macht es auch Sinn Kinder über zwölf Jahren irgendwann zu impfen. Aber es macht keinen Sinn, zu sagen, die müssen alle geimpft werden - und die 20- bis 40-Jährigen kommen später", so Brixius.

Über dieses Thema berichten auch die SR-Hörfunknachrichten vom 11.05.2021.

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