Kind mit Mundschutz und Schulranzen (Foto: picture alliance/Fotostand Schmitt)

Nur mit negativem Corona-Test in die Kita?

Sandra Schick   15.05.2020 | 17:08 Uhr

Die Kinderärzte im Saarland sind immer öfter mit Anfragen nach Corona-Tests für Schul- und Kitakinder konfrontiert. Auch berichtet der Kinderärzte-Verband von einer Stigmatisierung chronisch kranker Kinder. Die Ärzte haben sich mit einem Schreiben an Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot gewandt.

Wie aus dem Schreiben an die Bildungsministerin hervorgeht, verlangen Bildungs- und Gemeinschaftseinrichtungen offenbar immer öfter Corona-Tests von den Kindern. Werner Meier, der Landesvorsitzende des Verbands der Kinder- und Jugendärzte sagte dem SR, dass beispielsweise die Kitas im Regionalverband Saarbrücken von Kindern mit Erkältungssymptomen inzwischen fast immer einen Corona-Test verlangen würden, bevor sie wieder die Einrichtung besuchen dürften.

Ärzte kritisieren verpflichtende Atteste
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 15.05.2020, Länge: 03:00 Min.]
Ärzte kritisieren verpflichtende Atteste

Spätestens bei der nächsten Erkältungswelle würde ein solches Vorgehen jedoch bei Weitem die Kapazitäten der Kinderarztpraxen sprengen, so der Sprecher der Kinderärzte, Benedikt Brixius.

Eltern tragen Kosten

Darüber hinaus lehnt der Verband Tests ohne klare medizinische Hinweise auf eine Erkrankung ab. "Sie sind für die Kinder durchaus belastend und unseres Erachtens unzumutbar", heißt es in dem Brief. Zudem seien diese Tests keine Leistung der Gesetzlichen Krankenversicherung. Die Kosten von rund 70 bis 150 Euro müssten die Eltern tragen. Grundsätzlich befürworten die Ärzte ein großzügiges Testen zur Bekämpfung der Pandemie, "allerdings sollten die Kriterien erst klar definiert werden".

Stigmatisierung chronisch kranker Kinder

Darüber hinaus übt der Verband deutliche Kritik an den Regelungen für die Schulen zum Umgang mit chronisch kranken Kindern und ihren Angehörigen. In einem Rundschreiben an die Eltern hatte das Ministerium eine Reihe von Krankheiten genannt, mit denen Kinder vom Schulbesuch befreit werden könnten.

Die darin genannten Empfehlungen entsprächen teilweise nicht der Haltung der medizinischen Fachgesellschaften und seien obendrein nur bedingt auf Kinder und Jugendliche anwendbar. Dies habe zu einer großen Verunsicherung des Lehrpersonals, der Kinder und der Eltern geführt.

Kinderarzt Meier sagte, teilweise hätten Schulen von kranken Kindern Bescheinigungen verlangt, dass sie zur Schule gehen dürfen. Dabei sind ärztliche Bescheinigungen eigentlich nur erforderlich, wenn Kinder aufgrund ihrer Krankheit vom Schulbesuch befreit werden sollten.

Kinderärzte fordern Mitsprache

Nach Darstellung des Verbands hat das Ministerium vorher keine Expertise der Kinder- und Jugendärzte aus dem Saarland hinzugezogen. Der Verband fordert eine Initiative, die Vertreter der Eltern, des Bildungswesens und des Gesundheitswesens an einem Tisch zusammenbringt.

Über dieses Thema wurde auch in der Sendung "aktueller bericht" des SR Fernsehens vom 15.05.2020 berichtet.

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