Eine Frau sitzt am Küchentisch und telefoniert, während ihr Kind neben ihr in einem Kinderstuhl am Tisch sitzt (Foto: picture alliance/dpa/KEYSTONE/Christian Beutler)

Kinderkrankengeld: Die neuen Corona-Regeln

  14.01.2021 | 14:52 Uhr

Viele Eltern haben wegen des Schul- und Kita-Lockdowns ein akutes Betreuungsproblem. Zur Entlastung wird die Zahl der Kinderkrankentage in diesem Jahr verdoppelt. Das Bundestag hat nun Grünes Licht für das entsprechende Gesetz gegeben.

Für Familien gibt es nun mehr Klarheit bei den geplanten zusätzlichen Kinderkrankentagen in diesem Jahr. Ein Elternteil hat demnach künftig den Anspruch auf jeweils 20 statt bislang zehn Tage - insgesamt bei mehreren Kindern maximal 45 Tage. Bei Alleinerziehenden sind es 40 statt bislang 20 - maximal bei mehreren Kindern 90 Tage.

Video [aktueller bericht, 13.01.2021, Länge: 3:23 Min.]
Bundeskabinett beschließt Extra-Kinderkrankentage

20 statt zehn Tage

Die Extra-Tage sollen nicht nur bei geschlossenen Schulen und Kitas genutzt werden können, sondern auch, wenn lediglich die Anwesenheitspflicht ausgesetzt ist oder der Zugang zur Kita eingeschränkt wurde. Das soll auch gelten, wenn Eltern lediglich gebeten wurden, ihre Kinder nicht in die Kita zu bringen. Das Kinderkrankengeld können demnach auch Eltern beantragen, die theoretisch im Homeoffice arbeiten könnten.

"Wichtiges Signal"

Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) begrüßt die befristete Ausweitung des Anspruchs auf Kinderkrankengeld. "Berufstätige Familien stehen auch in dieser Phase der Pandemie wieder vor besonderen Herausforderungen. Wichtig ist, dass Eltern jetzt auch den Antrag für das Kinderkrankengeld ohne großen Aufwand stellen können."

Für Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD) stellt das neue Gesetz ein "wichtiges Signal und eine große Erleichterung für berufstätige Eltern im Lockdown" dar. Die Bundesregierung habe schnell geliefert, um Familien zu entlasten. Im Saarland wolle man die Neuregelung nun unbürokratisch umsetzen.

Antworten auf die wichtigsten Fragen

Wer hat Anspruch?

Anspruchsberechtigt sind gesetzlich versicherte, berufstätige Eltern, die selbst Anspruch auf Krankengeld haben und deren Kind das 12. Lebensjahr nicht überschritten hat. Voraussetzung ist auch, dass es im Haushalt keine andere Person gibt, die das Kind betreuen kann. Hat das Kind eine Behinderung und ist auf Hilfe angewiesen, besteht ein Anspruch unabhängig vom Alter.

Ab wann ist die neue Regelung gültig?

Die Regelung soll rückwirkend zum 5. Januar in Kraft treten.

Wie muss der Anspruch nachgewiesen werden?

Ist das Kind krank, muss der Betreuungsbedarf gegenüber der Krankenkasse mit einer Bescheinigung vom Arzt nachwiesen werden. Dafür wird die „Ärztliche Bescheinigung für den Bezug von Krankengeld bei Erkrankung eines Kindes“ ausgefüllt. Muss ein Kind aufgrund einer Schul- oder Kitaschließung zu Hause betreut werden, genügt eine Bescheinigung der jeweiligen Einrichtung. Die Bescheinigung ist ebenso wie der Kinderkrankenschein bei der Krankenkasse einzureichen.

Darf der komplette Anspruch für Schul-/Kitaschließungen verwendet werden?

Ja. Die 20 bzw. 40 Tage können sowohl für die Betreuung eines kranken Kindes verwendet werden als auch für die Betreuung, weil die Schule oder Kitageschlossen bzw. die Präsenzpflicht aufgehoben oder der Zugang eingeschränkt wurde.

Muss die Schule bzw. Kita komplett geschlossen sein?

Nein, auch wenn die Präsenzpflicht in der Schule aufgehoben, der Zugang zur Kita eingeschränkt wurde oder nur die Klasse oder Gruppe nicht in die Schule bzw. Kita gehen kann, haben Eltern Anspruch.

Wie hoch ist das Kinderkrankengeld?

Wie bisher beträgt das Kinderkrankengeld bis zu 90 Prozent des entfallenen Nettoarbeitslohns.

Besteht der Anspruch parallel zum Anspruch auf Lohnersatzleistungen nach §56 des Infektionsschutzgesetzes?

Nein, wenn ein Elternteil Kinderkrankengeld beansprucht, ruht in dieser Zeit für beide Elternteile der Anspruch nach §56 des Infektionsschutzgesetzes. Hintergund: Neben den zusätzlichen Kinderkrankentagen gibt es für Eltern auch die Möglichkeit, eine staatliche Entschädigung zu bekommen, wenn sie wegen pandemiebedingter Einschränkungen an Schulen und Kitas nicht zur Arbeit können. Der Staat zahlt dann über den Arbeitgeber 67 Prozent Lohnersatz, maximal 2016 Euro pro Monat. Beide Leistungen gleichzeitig gibt es aber nicht.

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