Organspendeausweis (Foto: dpa/Daniel Maurer)

Organspende weiterhin nur mit Zustimmung

mit Informationen der dpa   16.01.2020 | 12:42 Uhr

Organspenden bleiben in Deutschland weiterhin nur mit ausdrücklicher Zustimmung erlaubt. Der Bundestag lehnte am Donnerstag den Entwurf für eine "doppelte Widerspruchslösung" ab und stimmte stattdessen mehrheitlich für eine moderate Erweiterung der bisherigen Regelung.

Organspende: Widerspruchsregelung vom Tisch
Audio [SR 2, Isabelle Tentrup / Christopher Jähnert, 16.01.2020, Länge: 05:33 Min.]
Organspende: Widerspruchsregelung vom Tisch

Der Bundestag hat eine moderate Reform der Organspenderegeln in Deutschland beschlossen. Die Bürger sollen künftig mindestens alle zehn Jahre beim Ausweisabholen auf das Thema angesprochen werden. Zudem soll ein Onlineregister eingeführt werden, in dem jeder Bürger seine Haltung zur Organspende dokumentieren und jederzeit ändern kann. Einem entsprechenden Entwurf einer Abgeordnetengruppe um Grünen-Chefin Annalena Baerbock und Linken-Vorsitzende Katja Kipping stimmten 432 Abgeordnete zu.

"Doppelte Widerspruchslösung" abgelehnt

Zahl der Spender nicht gestiegen
Mehr Organtransplantationen im Saarland [13.01.2020]
Im vergangenen Jahr hat es im Saarland deutlich mehr Organtransplantationen als 2018 gegeben. Landesweit wurden 71 Organübertragungen durchgeführt, im Vorjahr waren es nur 48. Das geht aus am Montag veröffentlichten Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) hervor. Am Donnerstag will der Bundestag über neue Regelungen für Organtransplantationen entscheiden.

Durchgefallen war zuvor der Vorstoß einer Abgeordnetengruppe um Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), die eine "doppelte Widerspruchslösung" vorgeschlagen hatte. Danach sollte künftig jeder als Spender gelten - außer er widerspricht. In namentlicher Abstimmung votierten 379 Abgeordnete gegen diesen Entwurf, 292 Parlamentarier unterstützten ihn, drei enthielten sich.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Markus Uhl hatte sich nach "reiflicher Überlegung" für die Widerspruchslösung entschieden. Seines Erachtens habe die "Kultur des Organspendens" einen höheren Stellenwert als der Eingriff in die persönliche Selbstbestimmung. Daher bedauerte Uhl, dass der Gesetzentwurf zur Widerspruchslösung nicht die notwendige Mehrheit erreichte. In der Folgeabstimmung habe er sich für die erweiterte Entscheidungslösung ausgesprochen, die eine Verbesserung zum Status quo darstelle.

Im Vorfeld der Abstimmung hatten mehrere saarländische Abgeordnete ebenfalls angekündigt, für die Widerspruchslösung zu stimmen. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Christian Petry sagte, angesichts von 10.000 Patienten auf der Warteliste müsse die Organspende gesetzlicher Regelfall in Deutschland werden. "Ich bin der Meinung, dass sich ein Mensch wenigstens einmal zu Lebzeiten mit seiner Zustimmung oder Ablehnung zur Organspende befassen sollte und seine Entscheidung gegebenenfalls dokumentiert." Die CDU-Abgeordnete Nadine Schön hatte sich ebenfalls dem Spahn-Vorstoß angeschlossen. Viele Jahren sei in große Aufklärungskampagnen investiert worden - geändert habe das aber wenig. "Ich bin der Meinung: Man kann jedem zumuten, sich zu entscheiden", so Schön. Allein Oliver Luksic von der FDP hatte für die jetzt beschlossene Entscheidungslösung gestimmt. Ihm ist die Selbstbestimmung über den eigenen Körper das wichtigste Argument für diese Regelung.

Auch der saarländische Grünen-Abgeordnete Markus Tressel hatte zunächst für die Widerspruchslösung gestimmt, da Deutschland einen "echten Aufbruch" zur mehr Spendenbereitschaft benötige. Er hofft aber, dass auch mit der jetzt verabschiedeten Lösung ein Fortschritt erreicht werden kann.

Kirchenvertreter begrüßen Entscheidung

Vertreter der konfessionellen Kirchen begrüßten den Bundestagsbeschluss. Für Manfred Rekowski, Präses der evangelischen Kirche im Rheinland, sei die nun gefundene Lösung die beste Option. "Menschen entscheiden selbst und dokumentieren ihre Bereitschaft zur Organspende zweifelsfrei", sagte Rekowksi. Kirchenpräsident Christian Schad betonte, dass der Beschluss die "Unantastbarkeit der Menschenwürde" achte. "Sie bleibt eine bewusste, wohlabgewogene und freiwillige Entscheidung des Einzelnen, die nicht durch ein Kollektiv, den Staat, erzwungen werden kann", so Schad.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Marx, sieht das Abstimmungsergebnis ebenfalls positiv: "Das Gesetz gewährt weiterhin eine möglichst große Entscheidungsfreiheit bei der Organspende und trifft dennoch Maßnahmen, die dazu führen, dass die Menschen sich verstärkt mit der Frage der Organspende befassen."

Im vergangenen Jahr wurden im Saarland 71 Organtransplantationen durchgeführt, 23 mehr als ein Jahr zuvor. Die Zahl der Organspender lag bei 18 Personen.


Weitere Informationen

Dossier
Organspende und Organtransplantation
SR 2 KulturRadio hat die Organspende zum Thema unterschiedlicher Sendungen gemacht. Dabei kommen verschiedenste Sichtweisen zu Wort. In den Beiträgen geht es dabei nicht ausschließlich um die Vorteile des Organspendens. Auch Vorbehalte und die Schattenseiten kommen zur Sprache - beispielsweise jener Transplantationsskandal von 2012, durch den die ganze Branche in die Kritik geraten war.

Über dieses Thema berichteten die SR-Hörfunknachrichten am 16.01.2020.

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