Straße ohne Radweg (Foto: Maureen Welter/SR)

Keine neuen Radwege im Saarland 2020 gebaut

Maureen Welter / Onlinefassung: Thomas Braun   14.04.2021 | 16:29 Uhr

Radfahren erlebt in Corona-Zeiten einen Boom: Viele Menschen sind aufs Zweirad oder auch E-Bike umgestiegen, legen damit auch längere Strecken zurück. Der dafür nötige Ausbau von Radwegen entlang der Bundes- und Landesstraßen wurde jedoch stark vernachlässigt. 2020 etwa wurde kein einziger neuer Kilometer Radweg an diesen Straßen gebaut.

Zu wenige und zu unsichere Radwege im Saarland
Audio [SR 3, Maureen Welter, 14.04.2021, Länge: 02:47 Min.]
Zu wenige und zu unsichere Radwege im Saarland

2,33 Kilometer neue Radwege waren im vergangenen Jahr im Saarland geplant, aufgrund von Verzögerungen wurde aber nicht einmal mit den Bau begonnen. Zum einen sei da die Coronapandemie dazwischen gekommen, sagt der Koordinator für Radverkehrspolitik im Verkehrsministerium, Florian Gebel.

Es gebe aber auch andere Gründe. Radwege an Bundes- und Landesstraßen benötigten eine lange Vorlaufzeit in der Planung – teils mehrere Jahre. Über diesen langen Zeitraum hinweg könne es immer mal wieder zu Verzögerungen kommen. „Das muss nicht mal zwangsläufig unsere Schuld sein“, so Gebel. „Das kann auch ein Grundstückseigentümer sein, der sich ein bisschen quer stellt.“

ADFC fordert, Lücken zwischen Ortschaften zu schließen

Thomas Fläschner aus dem Vorstand des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) kritisiert schon lange, dass Lücken auf Radwegen nicht geschlossen werden. „An vielen Strecken entlang von Bundes- und Landesstraßen gibt es noch keine Wege“, so Fläschner. „Wir fordern seit Jahrzehnten, dass sich da etwas tun muss. Auch an hoch belasteten Straßen.“

Immerhin: Wer als Tourist entspannt durchs Grüne fahren will, der hat dafür genügend Möglichkeiten und (Rad-)Wege. Wer jedoch im Alltag von einer Ortschaft in die nächste radeln will, der muss sich den Weg mal mit Fußgängern teilen und mal mit LKW, die mit 70 km/h an einem vorbeidonnern.

Schlechte Kommunikation zwischen Verkehrsministerium und Kommunen

Neben dem mangelnden Neubau von Radwegen mangelt es offenbar auch an der Kommunikation. Auf Anfrage des SR konnte das Ministerium nicht mitteilen, wo und wann genau der letzte neue Radweg an einer Bundes- oder Landstraße fertig gestellt wurde. Und auch über den Ausbau von Radwegen in den Kommunen hat das Ministerium keinen genauen Überblick:

Das habe zum einen damit zu tun, dass dafür ein großer personeller Aufwand nötig sei. „Es hat aber auch damit zu tun, dass bei den Kommunen ja gerade sehr viel im Umbruch ist“, erklärt Gebel. Teilweise seien die Städte und Gemeinden gerade mit finanzieller Unterstützung des Landes dabei, neue Radverkehrskonzepte aufzustellen und deshalb auch ihr Radwegenetz zu überarbeiten.

Gute Instandhaltung der bisherigen Radwege

Immerhin: Gut 10 Kilometer Radwege hat das Land im vergangenen Jahr vom Landesbetrieb für Straßenbau instand setzen lassen. Thomas Fläschner betont jedoch, dass dies erst der zweite Schritt sein sollte: „Der erste Schritt muss sein: Wegeneubau. Da tut sich jetzt einiges, auch wenn es im letzten Jahr fast nichts war. Aber es gibt schöne Planungen. Da hoffen wir, dass sie jetzt auch zügig umgesetzt werden.“

Geld vom Bund gibt es genügend. Mehr Personal hat das Verkehrsministerium im Saarland jetzt auch. Und Kommunen, Initiativen und Vereine setzen sich für mehr Radwege ein.

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