Drahtstraße, Saarstahl AG (Foto: Saarstahl AG/Pressefoto)

Keine betriebsbedingten Kündigungen bei Saarstahl

mit Informationen von Peter Sauer   20.08.2019 | 16:22 Uhr

Trotz der angekündigten Kurzarbeit wird es bei Saarstahl vorerst keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Darauf haben sich das Unternehmen und der Betriebsrat geeinigt.

Die Betriebsvereinbarung über Kurzarbeit für die 4300 Mitarbeiter sieht auch vor, dass die Saarstahl AG das von der Arbeitsagentur gezahlte Kurzarbeitergeld auf 90 Prozent aufstockt. Außerdem sollen Auszubildende, die ausgelernt haben, unbefristet übernommen werden, bestätigten Unternehmen und Arbeitnehmervertretung im SR-Interview.

Video [aktueller bericht, 20.08.2019, Länge: 3:00 Min.]
Betriebsvereinbarung bei Saarstahl

Appell an Politik

Kollegengespräch: "Im Endeffekt konnte der Betriebsrat seine Forderungen durchsetzen"
Audio [SR 3, Kollegengespräch: Nadine Thielen/Peter Sauer, 20.08.2019, Länge: 03:13 Min.]
Kollegengespräch: "Im Endeffekt konnte der Betriebsrat seine Forderungen durchsetzen"

Beide Seiten zeigten sich zufrieden mit dem Ergebnis, richteten aber auch einen Appell an die Politik. Denn ohne politische Unterstützung durch die EU, werde der Stahlproduktionsstandort Europa immer weiter abgehängt. Saarstahl-Personalvorstand Peter Schweda bezeichnete es als skandalös, dass die EU die Einfuhrmöglichkeiten von Stahl aus Drittländern vor zwei Monaten um fünf Prozent erhöht habe. Dieser Import-Stahl sei deutlich billiger, werde aber auch unter klimaschädlicheren Bedingungen produziert.

Anfang August hatte die Saarstahl AG angekündigt, dass sie ab September für drei Monate Kurzarbeit anmeldet. Hauptgründe für den Schritt sind ein Rückgang der Stahlnachfrage in der Autoindustrie, die Zunahme von Importstahl und die weltweiten Handelskonflikte.

Hintergründe zur Saarstahl-Krise
Schwierige Gemengelage auf dem internationalen Stahlmarkt
Im SR-Interview hat der Finanz- und Wirtschaftsexperte Prof. Roland Döhrn die schwierige "Gemengelage" in der deutschen Stahlbranche erläutert: Weltweite Überkapazitäten, eine bremsende US-Handelspolitik und ein zu großes Angebot von Drittland-Stahl träfen derzeit zusammen. Die Situation der Autobranche mache es nicht besser.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 20.08.2019 berichtet.

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