KeepLocal Regionalgutscheine (Foto: KeepLocal / picture alliance/dpa | Fabian Sommer)

Regionale Gutscheine sollen Online-Riesen Konkurrenz machen

Peter Sauer / Onlinefassung: Rebecca Wehrmann   02.08.2022 | 12:53 Uhr

Gutscheine sind ein umkomplizierter Wunscherfüller und ein schnelles Geschenk. Viele greifen dabei auf Online-Riesen wie Amazon und Co. zurück. Zwei Unternehmer aus dem Saarland wollen die Gutschein-Vormachtstellung der Global Player brechen.

Heidi Houy und Andreas Maurer aus St. Wendel haben mitten in der Pandemie „Keeplocal“ gegründet. Ein lokaler und regionaler Gutscheinanbieter. Ausschlaggebend war ein Aha-Erlebnis in einem Drogeriemarkt, sagt Gründerin Houy: „Vor mir standen zehn Kunden, und jeder dieser Kunden hatte einen Gutschein der großen Onliner in der Hand. Und so ging dann innerhalb von fünf Minuten das Geld aus der Region raus. Und ich dachte so: ‚Mensch, da läuft doch irgendetwas schief!‘"

Regionale Anbieter wollen Gutschein-Vormachtsstellung der Online-Riesen brechen
Audio [SR 3, Peter Sauer, 02.08.2022, Länge: 02:40 Min.]
Regionale Anbieter wollen Gutschein-Vormachtsstellung der Online-Riesen brechen

Coupons bald deutschlandweit im Einsatz

So war die Idee für "Keeplocal" geboren: Coupons für regionale Läden statt Gutscheine von Online-Riesen. Der Wunsch: Mit den Coupons sollten die Kunden bei möglichst vielen stationären Läden vor Ort einkaufen können.

Und das haben Maurer und Houy dann umgesetzt. Anfang 2021 ist ihr neues Gutscheinsystem im Saarland gestartet. Mittlerweile gibt es die Coupons auch in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Bisher sind insgesamt rund 2000 Geschäfte an Bord. Bald soll es die Coupons deutschlandweit geben.

700 Prozent Zuwachs dieses Jahr

Dabei gibt es zwei verschiedene Varianten, erklärt Mitgründer Andreas Maurer: „Es gibt den Stadt- und den Regionalgutschein. Der Stadt-Gutschein wird von den Menschen gekauft und verschenkt, die eben ein Erlebnis in der jeweiligen Stadt verschenken wollen. Der Saarland-Gutschein hingegen ist eine Alternative zu den großen Online-Marktplätzen.“

Die Gutscheine kann man im Netz, im Handel oder bald auch in Tankstellen kaufen. Dieses Jahr rechnet Keeplocal mit 700 Prozent Zuwachs auf einen hohen einstelligen Millionenbetrag.

Das spüren auch die Verkaufsstellen: „Die Nachfrage ist hoch. Das ist etwas ganz anderes als Gutscheine, die in den Online-Handel gehen. Hier ist Regionalität dabei, da ist eine Verbundenheit zur Stadt, zum Land mit vorhanden. Da ist die Nachfrage wesentlich höher als jetzt nach Internet-Gutscheinen“, sagt Philipp Monz von Globus St. Wendel.

Finanzierung durch nichteingelöste Gutscheine

Der Vorteil für die Kunden: Die Gutscheine können in vielen verschiedenen Branchen eingesetzt werden. Beispielsweise beim Shoppen im Modeladen oder auch in der ortsansässigen Gastronomie. Keeplocal übernimmt die komplette Abwicklung der Zahlungen.

Trotzdem fallen für Kunden und Händler keine Gebühren an. Denn das Geschäftsmodell beruht auf einer interessanten Beobachtung, erläutert Keeplocal-Chef Maurer: „Ein kleiner Prozentsatz der Gutscheine wird nicht eingelöst. Und das ist quasi unsere Gebühr, davon leben wir. Wir rechnen damit, dass das irgendwo zwischen acht, neun, zehn Prozent sind. Und das ist eben, wie wir uns finanzieren.“

Nächstes Ziele: Österreich und Luxemburg

Der Handelsverband ist von den regionalen Gutscheinen sehr angetan. Besteht so doch die Möglichkeit die lokale Wirtschaft zu stärken. Nächstes Jahr will Keeplocal seine Coupons auch in Österreich und Luxemburg anbieten. Mittelfristig soll ganz Europa dazu kommen.

Mehr über Keeplocal und andere Möglichkeiten für den regionalen Handel zeigt am Mittwochabend um 21.45 Uhr die ARD-Sendung plusminus.

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