Susanne Speicher bei der Kundgebung von Fridays for Future am 19.06.2020 auf dem Tbilisser Platz in Saarbrücken.  (Foto: IMAGO / Becker&Bredel)

Susanne Speicher will bei Landtagswahl für SPD kandidieren

Carolin Dylla   08.10.2021 | 21:00 Uhr

Die Fridays For Future-Aktivistin Susanne Speicher will für die SPD bei der anstehenden Landtagswahl im März antreten. Speicher wurde am Freitagabend von den Kreisverbänden Saarbrücken-Stadt und Saarbrücken-Land als Kandidatin nominiert. Ihr Ziel ist es, das Thema Klimaschutz greifbar zu machen.

Sie ist das bekannteste Gesicht von Fridays For Future im Saarland: Susanne Speicher. Statt aber nur auf der Straße für den Klimaschutz zu demonstrieren, wolle sie mit ihrer Kandidatur für die Landtagswahl das Thema in Zukunft stärker in den politischen Alltag hineintragen, sagte Speicher dem SR.

Sozialpolitik und Klimaschutz zusammendenken

Die 30-Jährige ist nach eigener Aussage seit Langem SPD-Mitglied und Teil des so genannten „1,5-Grad-Teams“ der Partei. Ihr Engagement für die SPD begründet sie damit, dass dort auch die möglichen sozialen Folgen einer strengen Klimaschutz-Politik mitgedacht würden. „Ich sehe meine Aufgabe auch darin, das Thema Klimaschutz greifbar zu machen für Menschen, die damit im Moment wenig anfangen können oder die davor Furcht haben“, so Speicher.

Trotzdem müsse man auch die Frage nach Verzicht stellen, wenn es um Klimaschutz gehe. „Die Frage ist: Wen betrifft das? Wir müssen alle verzichten. Aber meist trifft es die am härtesten, die ohnehin weniger zum Klimawandel beitragen. Das ist nicht unbedingt fair.“

Kein Klimaschutz ohne Kompromiss

Mehrere Forschungsinstitute waren allerdings vor der Bundestagswahl zu dem Schluss gekommen, dass keines der Wahlprogramme ausreichend ambitionierte Klimaschutz-Pläne verfolge, um in Deutschland das 1,5-Grad-Ziel aus dem Pariser Klimaschutzabkommen zu erreichen.

Dass es schneller gehen müsse mit dem Klimaschutz sei klar, sagte Susanne Speicher. Und auch, dass die Gefahr besteht, dass ambitionierte Forderungen im politischen Prozess abgeschliffen und verwässert werden könnten. Ohne Kompromisse gehe es aber nicht, so Speicher. Man könne von den Menschen nicht das Unmögliche verlangen.

Absage an das Bündnis bunt.saar

Speicher glaubt, ihre Ziele durch das Engagement für die SPD am besten durchsetzen zu können – anders als einige Mitstreiter von Fridays For Future, die mit dem Gedanken spielen, sich der neuen Liste „bunt.saar“ anzuschließen. „Bei dem Bündnis stellt sich die Frage, ob es am Ende genug Menschen erreicht. Ich habe in der SPD gute Unterstützung und kann am ehesten auf die Stabilität innerhalb der Partei zurückgreifen. Ich bin mir sicher, die SPD kann hier mehr erreichen.“

Hinweis auf Schwerpunkt des SPD-Landtagswahlkampfes

Die Nominierung von Susanne Speicher deutet darauf hin, dass Klimaschutz eines der zentralen Themen der SPD im Landtagswahlkampf werden dürfte. Gleichzeitig kann die Kandidatur als deutliches Signal in Richtung der saarländischen Industrie gewertet werden – denn Fridays For Future hat im Saarland gute Kontakte zu den Gewerkschaften.

Die Landesvorsitzende der SPD, Anke Rehlinger, gibt sich entsprechend optimistisch: „In der Saar-SPD kandidieren Mitglieder von Fridays For Future sowie der IG Metall, das ist ein gutes Vorzeichen, um den Strukturwandel im Saarland gemeinsam anzupacken.”

Es ist gewissermaßen die personelle Umsetzung des SPD-Dreiklangs aus Industrie-, Klima- und Sozialpolitik. Interessant dürfte nun werden, wie ambitioniert und konkret die programmatischen Ziele tatsächlich sein werden, die die SPD in Sachen Klimaschutz vor der Landtagswahl entwickelt.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 08.10.2021 berichtet.

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