Ein Stapel Euromünzen (Foto: picture alliance/Zoonar/Wolfilser)

Mandelbachtal und Blieskastel erwägen Kämmereiverbund

Stephanie Prochnow / Onlinefassung: Sandra Schick   15.09.2020 | 19:30 Uhr

Die Gemeinden Mandelbachtal und Blieskastel überlegen, sich künftig einen Kämmerer zu teilen. Denn beide Gemeinden haben in dem Bereich Nachwuchssorgen. In Mandelbachtal wurde seit letztem Jahr kein neuer Chef für die Finanzverwaltung gefunden - trotz mehrerer Ausschreibungen.

Zwei Versuche einer Kommunalreform hat es innerhalb der letzten zehn Jahre im Saarland gegeben – beide sind gescheitert. An dem grundsätzlichen Problem, dass kleine Gemeinden kaum noch die finanziellen Möglichkeiten haben, nötige Ausgaben zu tätigen oder geeignetes Personal zu finden, hat sich wenig geändert. Das zeigt sich aktuell in Mandelbachtal: Seit der für die Finanzen zuständige Kämmerer letztes Jahr woanders zum Bürgermeister gewählt wurde, ist der Posten nur kommissarisch besetzt. Schon zwei Mal sind Bewerber für den Posten kurzfristig abgesprungen.

Video [aktueller bericht, 15.09.2020, Länge: 3:17 Min.]
Kämmereiverbund liegt noch auf Eis

Eine der Konsequenzen: Während andere Gemeinden bereits den Haushalt für kommendes Jahr planen, ist in der Gemeinde Mandelbachtal der Haushaltsentwurf für dieses Jahr noch nicht fertig. Deshalb liegen notwendige Investitionen auf Eis, sagt Daniel Wannemacher von den Grünen Mandelbachtal. Vorhaben wie die energetische Sanierung von Schulgebäuden oder der barrierefreie Ausbau des Dorfgemeinschaftshauses seien ohne die gesetzliche Grundlage nicht möglich.

Kämmereiverbund als Lösung?

Deshalb regt seine Partei einen Kämmereiverbund mit den Nachbargemeinden Gersheim und Blieskastel an. Die drei Bürgermeister haben dazu bereits Gespräche geführt. Aber Maria Vermeulen, die Bürgermeisterin von Mandelbachtal, ist skeptisch. So etwas sei nur mittelfristig denkbar. Der aktuelle Haushalt würde im Oktober dem Gemeinderat vorgelegt, sagt sie. Und das dritte Ausschreibungsverfahren für einen Kämmerer laufe. Allerdings sei die Stellenbesetzung schwierig. „Es ist momentan so, dass viele ältere Kämmerer ausscheiden und die derzeitigen stellvertretenden Kämmerer die Stellen handverlesen aussuchen können. Um einen Kämmerer auszubilden benötigt man viele Jahre."

Das gleiche Problem steht auch in Blieskastel bald an. Denn hier geht der Chef der Finanzverwaltung Endes des Jahres in Ruhestand. Deshalb hatte Bürgermeister Bernd Hertzler bei den Nachbargemeinden ein Zusammengehen angeregt. Das würde zum einen Geld sparen, sagt er. Nachteil sei hingegen die notwendige Software, die angeschafft werden müsse. Das koste viel Geld.

Gersheim möchte nicht mitmachen

In Gersheim steht man der Idee von einem Kämmereiverbund ablehnend gegenüber. Dem Bürgermeister von Gersheim geht eine gemeinsame Kämmerei nach eigenen Angaben zu weit. Einen eigenen Haushaltsplan aufzustellen, sei wesentlicher Bestandteil der kommunalen Selbstverwaltung.

Sollten Blieskastel und Mandelbachtal tatsächlich bald einen gemeinsamen Chef der Finanzverwaltung haben, so wäre das im Saarland neu. In anderen Bundesländern wird das aber bereits praktiziert.

Über dieses Thema hat auch der aktuelle bericht vom 15.09.2020 berichtet.

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