Ein geschändetes Denkmal in Siersburg (Foto: SR Fernsehen)

Gedenkstätte für Juden in Siersburg beschädigt

mit Informationen von Dietmar Schellin   29.01.2020 | 18:01 Uhr

In Rehlingen-Siersburg haben unbekannte Täter eine Gedenkstätte für jüdische Bürger zerstört. Dabei wurden nach Angaben der Polizei junge Bäume, aus denen die Anlage besteht, abgeschnitten und ausgerissen. Die Ermittler sprechen von einer politisch motivierten Tat.

Mitarbeiter der Gemeinde bemerkten am Mittwochmittag die Zerstörung an der Anlage, die an sechs Siersburger erinnern soll, die 1940 in das Lager Gurs verschleppt worden waren. Das Mahnmal neben der Martinskirche in Siersburg hat die Form eines Davidsterns. Sechs Eichen bilden einen Kranz, vier der sechs Bäume wurden letzte Nacht beschädigt, umgeknickt oder abgesägt. Die Rose mitten im Davidstern wurde ausgerissen. Aufgrund der Auswahl des beschädigten Objekts und der zeitlichen Nähe zum internationalen Gedenktag an die Opfer des Holocaust am Montag hat der Staatsschutz die Ermittlungen übernommen.

Denkmalschändung in in Siersburg
Video
Denkmalschändung in in Siersburg

Seit Jahrzehnten pflegt Rehlingen-Siersburg eine lebendige Erinnerungskultur. Gestaltet wurde das Mahnmal von einem internationalen Jugendcamp. Gemeinde und Ortsvorsteher setzen 2000 Euro Belohnung für die Ergreifung der Täter aus. Donnerstagabend findet um 17 Uhr eine Mahnwache statt. Ortsvorsteher Reinhold Jost fordert: "Kein Fußbreit den Faschisten!"

"Empörung und Abscheu" bei LAG Erinnerungsarbeit

Die Landesarbeitsgemeinschaft Erinnerungsarbeit im Saarland reagierte mit "Empörung und Abscheu" auf die Nachricht von der Schändung des Mahnmals. "Für solche Taten darf es keine Akzeptanz in unserer Gesellschaft geben, die Täter müssen gefunden und bestraft werden", sagte Kirchenrat Frank-Matthias Hofmann.

Gedenkstätte für Juden in Siersburg beschädigt
Audio [SR 3, Kollegengespräch Nadine Thielen / Dietmar Schellin, 29.01.2020, Länge: 05:09 Min.]
Gedenkstätte für Juden in Siersburg beschädigt

Auch der Fraktionsvorsitzende der SPD, Ulrich Commerçon, verurteilte die Tat. "Was heute Nacht in der Gemeinde Rehlingen-Siersburg geschehen ist, muss uns alle aufrütteln. Gedenkstätten sind Symbol unserer Erinnerungskultur. Sie geben den Opfern der Nazis Ort, Namen und Gesicht. Der Angriff auf jüdische Grab- und Gedenkstätten ist auch ein Angriff auf jüdisches Leben in Deutschland", sagte Commerçon.

Zeugen, die sachdienliche Hinweise geben können, werden gebeten, sich unter der Rufnummer 0681/962-2133 an den Kriminaldauerdienst oder jede andere Polizeidienststelle zu wenden.

Über dieses Thema hat auch die "Region am Nachmittag" auf SR 3 Saarlandwelle am 29.01.2020 berichtet.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja