Saarbahnhaltestelle Johanneskirche Saarbrücken (Foto: Imago/BeckerBredel)

Konfliktsituation an der Johanneskirche soll entschärft werden

Thomas Braun   06.05.2022 | 15:32 Uhr

Der Platz an der Johanneskirche in Saarbrücken ist seit Jahren ein sozialer Brennpunkt. Die Landeshauptstadt startet nun einen neuen Anlauf, die Konfliktsituation zu entschärfen - unter anderem mit neuen Wartehäuschen und einem Ausweichstandort. Kritik kommt vom grünen Koalitionspartner im Stadtrat.

Der Platz vor der Johanneskirche in Saarbrücken ist ein zentraler Treffpunkt in der Saarbrücker Innenstadt - aber auch einer der sozialen Brennpunkte. Alkohol- und Drogenkonsum gehören dort zum alltäglichen Bild und immer wieder kam es in der Vergangenheit auch zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Unter anderem deshalb ist es auch einer der Orte neben dem Hauptbahnhof, an dem eine aufwendige Videoüberwachung installiert wurde.

Der Versuch, bereits 2015 einen Ausweichstandort einen Straßenblock weiter zu schaffen, hat nicht zur erhofften Entschärfung der Konfliktsituation geführt - und auch trotz der Videoüberwachung komme es immer wieder zu Beschwerden, teilte die Stadt mit.

Alte Fahrgasthäuschen werden am Samstag abmontiert

Deshalb unternimmt Saarbrücken nun einen neuen Anlauf, die Situation zu entschärfen und will in einem ersten Schritt die alten Haltestellenhäuschen austauschen. "Nach Erfahrungen aus 25 Jahren, in denen die Fahrgastunterstände regelmäßig zweckentfremdet genutzt werden und es Nutzungskonflikte im öffentlichen Raum gibt, wird die Saarbahn nun die Fahrgastunterstände ersetzen", teilte der Saarbrücker Oberbürgermeister Uwe Conradt am Freitag mit.

Schon am Samstag sollen die alten Unterstände abgebaut werden und dann in den kommenden Wochen durch neue Wartehäuschen ersetzt werden. Diese neuen Unterstände mit größeren Glasflächen und schmalen Sitzbänken - ähnlich denen an der Rathaus-Bushaltestelle - sollen laut Stadt auch näher an die Saarbahntrasse herangerückt werden.

Johanneskirche: Neue Wartehäuschen sollen die Lage entspannen
Audio [SR 3, Lena Schmidtke, 13.05.2022, Länge: 03:01 Min.]
Johanneskirche: Neue Wartehäuschen sollen die Lage entspannen
Eine Woche nach Erscheinen des Artikels hat SR-Reporterin Lena Schmidtke sich vor Ort umgeschaut. Die ersten Fortschritte bei der Baustelle sind schon gemacht: die alten Wartehäuschen sind weg. An ihrer Stelle sollen Sitzgelegenheiten, die "ein Stück weit weniger Aufenthaltqualität zum langen Verweilen bieten", sagt Sozialdezernent der Stadt Tobias Raab. Trotzdem sollen sie laut Raab die Möglichkeit bieten im Trockenen auf die Bahn zu warten.

Conradt: Niemanden verdrängen, aber Konflikte minimieren

Conradt betonte, dass niemand aus dem öffentlichen Raum verdrängt werden solle. "Auch die Menschen, die sich heute dort aufhalten, sind und bleiben Teil unserer Stadt und haben ein Recht auf ihren Platz", so Conradt. "Aber es muss im Interesse aller Menschen so gestaltet werden, dass Nutzungskonflikte minimiert werden."

Ziel sei es, den Platz an der Johanneskirche wieder zu einem Ort für alle zu machen. Als Stadt habe man die Verantwortung für alle Menschen, die sich um die Johanneskirche aufhielten: Anwohner, Saarbahn-Kunden und Besucher der Innenstadt.

Ausweichstandort in der Fichtestraße im Gespräch

Die Maßnahme sei auch mit der evangelischen Kirchengemeinde abgestimmt, die zusätzlich auch wieder den Kirchgarten von montags bis freitags öffnen will.

Außerdem plant die Stadt einen neuen Aufenthaltsort "mit angemessener sozialer Betreuungsstruktur für Menschen mit multiplen Problemlagen", der auch begrünt und mit einer Toilettenanlage ausgestattet werden soll. Derzeit werde in den städtischen Gremien die Fichtestraße in der Nähe des Bruder-Konrad-Hauses als möglicher Standort diskutiert - eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen, teilte die Stadt auf SR-Anfrage mit.

Grünen kritisieren plötzliche Entscheidung

Kritik am Vorgehen der Stadtverwaltung kommt vom grünen Koalitionspartner der Jamaika-Koalition im Saarbrücker Stadtrat. "Die Demontage von Fahrgastunterständen macht die Landeshauptstadt Saarbrücken weder sicherer, noch hilft sie den Bürgerinnen und Bürgern unserer Stadt", sagte der sozialpolitische Sprecher der Fraktion, Thomas Brass. "Soziale Probleme in der Landeshauptstadt Saarbrücken werden mit diesem Vorgehen nicht angegangen, sondern innerhalb der Stadt verlagert."

Die Grünen wurden nach eigenen Angaben von der plötzlichen Entscheidung der Stadtverwaltung überrascht, schon am Samstag die alten Unterstände abzubauen - bevor ein Ausweichstandort gefunden ist. Sie fordern ein Gesamtkonzept, das unter anderem mit Sozialarbeitern und Wohlfahrtsverbänden erarbeitet werden soll, um die sozialen Probleme in der Stadt anzugehen.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 06.05.2022 berichtet.

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