Das Fordwerk in Saarlouis (Foto: Imago Images/Becker & Bredel)

Bereits über 3000 Jobs im Fahrzeugbau verloren

mit Informationen von Karin Mayer   19.11.2019 | 19:30 Uhr

Im Saarland sind in diesem Jahr laut IG Metall Saarbrücken bereits über 3000 Arbeitsplätze im Fahrzeugbau verloren gegangen. Die Gewerkschaft befürchtet, dass weitere Jobs bedroht sind. Bei einer Zulieferer-Konferenz in Saarbrücken kamen am Dienstag rund 150 Branchenvertreter zusammen, um über Zukunftskonzepte zu diskutieren.

Kollegengespräch: "Wer Zukunftsprodukte entwickeln will, muss investieren "
Audio [SR 3, Kollegengespräch: Dorothee Scharner/Karin Mayer, 19.11.2019, Länge: 03:52 Min.]
Kollegengespräch: "Wer Zukunftsprodukte entwickeln will, muss investieren "

Gründe für die Jobverluste sind aus Gewerkschaftssicht der Handelskrieg, aber auch neue Abgasnormen und die CO2-Debatte. Es sei wichtig, dass Politik, Unternehmen und Gewerkschaften gemeinsame Lösungen für den Fahrzeugbau erarbeiteten, sagte Patrick Selzer, der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Saarbrücken. Die Unternehmen müssten in Innovationen investieren, die Politik Strukturhilfen bereitstellen.

Heino Klingen von der Industrie- und Handelskammer verweist auf die schwierige Autokonjunktur. Im Fahrzeugbau sei Personalabbau bereits in vielen Unternehmen ein Thema. Das Saarland sei in großem Maße vom Automobil abhängig. Die großen Zulieferer seien grundsätzlich mit ihren Produkten gut im Markt. Durch die Diesel-Debatte seien sie aber ein stückweit in Schwierigkeiten geraten. Deshalb sei es sinnvoll, zu überlegen, wie man den Fahrzeugbau auch politisch unterstützen könne.

Autoregion: Stimmung schlechter als die Lage

Armin Gehl vom Verein autoregion sagte dem SR, die Stimmung in der Branche sei schlechter als die Lage. Er forderte die Unternehmen auf, den Wandel im Fahrzeugbau als Chance zu sehen. Dem SR sagte er, das Auto werde derzeit neu erfunden. Die Unternehmen müssten sich den Herausforderungen stellen.

Beihilferecht soll geändert werden

Das Wirtschaftsministerium legte bei der Zuliefererkonferenz ein Diskussionspapier vor, das unter anderem eine Veränderung des EU-Beihilferechts fordert. Denn aktuell gelten Unternehmen ab einer Mitarbeiterzahl von 250 als große Firmen. Viele Zulieferer im Land liegen über dieser Schwelle, können deshalb aus wettbewerbsrechtlichen Gründen oft nicht von Bund oder Land gefördert werden.

"Es ist sicherlich richtig und notwendig, dass man gerade den kleinen Betrieben hilft, wenn Veränderungen anstehen", sagte Wirtschaftsministerin Rehlinger. "Aber ich glaube auch die Betriebe oberhalb von 250, die nicht gleich in die Tausender gehen, haben einen schweren Kraftakt hier vor sich."

Um ihnen helfen zu können, müsse eventuell das Beihilferecht angepasst werden. Mit diesem Vorschlag solle sich die Bundesregierung an die EU wenden. Für den Umbau der Industrie hin zu einer klimafreundlichen Produktion fordert das Wirtschaftsministerium zudem ein Förderprogramm des Bundes in Milliardenhöhe.

Über dieses Thema berichteten auch die SR-Hörfunknachrichten am 19.11.2019.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja