Kündigungsschreiben (Foto: picture alliance)

Corona-Stillstand kostet viele Jobs

Karin Mayer   11.05.2020 | 13:48 Uhr

Elf Prozent der Betriebe in Rheinland-Pfalz und im Saarland haben im Zuge der Coronakrise bereits Mitarbeiter entlassen. Das geht aus einer Umfrage des Ifo-Instituts hervor. Bundesweit sind es sogar 18 Prozent der Unternehmen.

Das Saarland schneidet damit in der Ifo-Umfrage beim Stellenabbau günstiger ab. Ein Grund dafür könnte laut IHK-Hauptgeschäftsführer Heino Klingen der hohe Industrieanteil im Saarland sein. In der Industrie helfe Kurzarbeit, Beschäftigung zu halten. Allerdings führt dieser hohe Industrieanteil in der Regel zu stärkeren Konjunkturschwankungen. So erwartet Klingen, dass das Saarland auch dieses Mal tiefer in eine wirtschaftliche Krise gerät als der Bundesschnitt.

Corona-Lockdown: Studie des ifo-Instituts zu Stellenstreichungen
Audio [SR 3, Karin Mayer, 11.05.2020, Länge: 01:05 Min.]
Corona-Lockdown: Studie des ifo-Instituts zu Stellenstreichungen

Das Verarbeitende Gewerbe - und dort vor allem die Automobilindustrie im Saarland - hat bereits im vergangenen Jahr mehrere tausend Stellen verloren. Lars Desgranges von der IG Metall Völklingen sagte dem SR, derzeit sei ein größerer Stellenabbau aufgrund von Corona kein Thema. Es sei aber nicht auszuschließen, dass aufgrund der wirtschaftlichen Lage ein Personalabbau vorbereitet werde. Da müssten Politik, Gewerkschaften und Betriebsräte gegensteuern. Wichtig sei deshalb, die Nachfrage anzukurbeln. Das könne durch eine Kaufprämie oder durch höheren Mindestlohn oder bessere Arbeitslosensicherung geschehen.

Gastronomie besonders betroffen

Besonders stark betroffen ist laut Ifo-Umfrage die Gastronomie, wo 58 Prozent der Betriebe Entlassungen vorgenommen haben. Bei den Hotels ist es jeder zweite Betrieb. Der saarländische Hotel- und Gaststättenverband kann das weder bestätigen noch widerlegen. Laut Dehoga ist eine Einschätzung erst Ende Mai möglich.

Die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit weist darauf hin, dass sich im April im saarländischen Gastgewerbe bereits 330 Beschäftigte arbeitslos gemeldet haben. Das sei im Frühjahr ungewöhnlich, da in dieser Zeit im Gastgewerbe normalerweise eingestellt werde. In den nächsten Wochen sei mit weiterem Jobabbau in der Gastronomie zu rechnen, so eine Sprecherin.

Handwerk kommt gut durch die Krise

Die meisten Betriebe im Handwerk setzen dagegen auf stabile Beschäftigtenzahlen, wie aus einer aktuellen Umfrage der Handwerkskammer hervorgeht. Christian Seltsam von der Handwerkskammer sagte dem SR, gerade im Bau- und Ausbaubereich würden Mitarbeiter gesucht. Im Handwerk gebe es weiter Beschäftigungschancen, es sei gut durch die Krise gekommen. Es habe die Saar-Wirtschaft stabilisiert.

Das Ifo-Institut hat bundesweit 7000 Unternehmen zu Stellenstreichungen und Krisenmaßnahmen befragt. In der Studie wurden Rheinland-Pfalz und Saarland zusammengefasst. Ein Ifo-Sprecher sagte dem SR, die Datengrundlage für das Saarland alleine sei nicht ausreichend.

Über dieses Thema berichtete die SR 3 Rundschau am 11.05.2020.

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