"Azubis gesucht" steht auf einem Banner (Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Martin Schutt)

Der Ausbildungsmarkt bleibt schwierig

Yvonne Schleinhege   28.10.2021 | 09:55 Uhr

Das zweite Jahr in Folge trifft Corona den saarländischen Ausbildungsmarkt. Weniger Stellen und weniger Bewerber meldet die Bundesagentur für Arbeit. Der persönliche Kontakt hat gleich mehrfach gefehlt.

Seit über zehn Jahren berät Frank Fess-Mangold von der Bundesagentur für Arbeit in Homburg Jugendliche bei ihrem Berufseinstieg. Für ihn beginnt bald schon wieder die „heiße Phase“ der Beratung vor allem in den Schulen.

Video [aktueller bericht, 28.10.2021, Länge 2:47 Min.]
Steigende Abiturquote und weniger Auszubildende

Wie viele seiner Kollegen freut er sich darauf, wieder direkt mit den Schülerinnen und Schülern zu sprechen. „Gerade wenn Jugendliche verunsichert sind und noch keine Vorstellung von ihrer beruflichen Zukunft haben, ist das persönliche Gespräch kaum ersetzbar“, so Frank Fess-Mangold.

Verunsicherung bei jungen Menschen

Doch in den vergangen zwei Jahren war er kaum in der Schule. Der lange Lockdown und die Hygienebestimmungen haben das nicht zugelassen. Er und seine Kollegen hätten Videosprechstunden und Telefonberatung angeboten, aber das „face-to-face“ habe einfach gefehlt.

In seinen Gesprächen habe er durchaus eine etwas größere Verunsicherung bei den jungen Menschen gespürt, sagt Frank Fess-Mangold. Auch weil es in der Familie vielleicht Kurzarbeit gegeben habe, oder Eltern ihre Jobs verloren hätten.

Sichere Jobs und lebenslange Chancen

Auch wenn sich viele junge Saarländerinnen und Saarländer weiterhin sehr klassisch für eine Ausbildung als Kfz-Mechatroniker oder Bürokauffrau entscheiden, der Berufsberater hat bei seinen Beratungen zuletzt einen kleinen Trend festgestellt: Die Jugendlichen hätten verstärkt nach sicheren Jobs gefragt.

Der Ausbildungsmarkt bleibt schwierig
Audio [SR 3, Yvonne Schleinhege, 28.10.2021, Länge: 03:14 Min.]
Der Ausbildungsmarkt bleibt schwierig

So hätten ihn mehr junge Leute gesprochen, die sich für eine Ausbildung im öffentlichen Dienst interessieren, wohl auch weil die Jobs hier als sicherer und krisenfester gelten.

Anderseits nehme er durchaus wahr, dass die Jugendlichen durchaus wissen, dass sie nicht unbedingt mehr bei ihrem Ausbildungsbetrieb in Rente gehen werden und sie sich im Laufe ihres Berufslebens vielleicht nochmal umorientieren müssen.

Weniger Bewerber als vor Corona

Weniger Berufsberatung, dazu keine Messen und kaum Praktika - das sind für die Bundesagentur wichtige Gründe, dass sich im Berufsberatungsjahr 2020/21 nur rund 4500 Jugendliche mit Interesse an einer Ausbildung gemeldet haben. Das waren nochmal zehn Prozent weniger als vor einem Jahr.

Schon damals war der Corona-Einbruch am Ausbildungsmarkt enorm. Gegenüber dem Ausbildungsjahr 2018/19, dem Beratungsjahr vor der Corona-Pandemie, ist die Zahl der Bewerber dieses Jahr um über 15 Prozent zurückgegangen. Das hat natürlich auch demografische Gründe. Andererseits hätten es aber auch viele Jugendliche vorgezogen, lieber länger die Schule zu besuchen.

80 unversorgte Bewerber

Unterm Strich meldet die Bundesagentur für Arbeit, dass etwa 2000 Jugendliche tatsächlich eine Ausbildung begonnen haben. Knapp 20 Prozent hätten sich für einen weiteren Schulbesuch, ein Studium oder ein Praktikum entschieden. Der Rest hat nach Einschätzung der Agentur direkt eine Arbeitsstelle angenommen.

Ende September waren nach den Zahlen der Regionaldirektion noch rund 80 Bewerberinnen und Bewerber unversorgt - das heißt, sie hatten weder einen Ausbildungsplatz noch eine andere Alternative. Demgegenüber stehen noch etwa 800 unbesetzte Ausbildungsstellen.

Unternehmen melden weniger Stellen

Nicht nur deutlich weniger Bewerber haben sich in diesem Ausbildungsjahr bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldet. Auch die Unternehmen waren zurückhaltender: Gegenüber dem Vorjahr lag der Rückgang bei den Ausbildungsstellen bei gut drei Prozent.

„Die Unternehmen haben die Stellenausschreibungen, Vorstellungsgespräche und Entscheidungen aufgrund der Pandemie verschoben“, sagt die Chefin der Bundesagentur für Arbeit im Saarland, Heidrun Schulz.

Auch die Kammern im Saarland berichteten zuletzt davon, dass die Unternehmen aufgrund der Corona-Krise die Stellen zum Teil erst sehr spät ausgeschrieben hätten. Auch ein Grund, dass viele Ausbildungsverträge noch kurzfristig im August oder September abgeschlossen wurden. Die Praktikumswoche im September sei dabei hilfreich gewesen, heißt es bei der Handwerkskammer.

Handwerk muss erlebt werden

Gerade das Handwerk, das seit Jahren Schwierigkeiten damit hat, Nachwuchs zu finden, habe durch die Praktika noch junge Menschen von einer Ausbildung überzeugen können. Dennoch ist die Bilanz der Handwerkskammer für dieses Ausbildungsjahr durchaus ernüchternd: Vor der Pandemie habe man es geschafft, die Ausbildungszahlen zu steigern. Die Corona-Pandemie habe zu einem Einbruch geführt, den man so schnell nicht mehr aufholen könnte, so Kammerpräsident Bernd Wegner.

Denn besonders das Handwerk lebe von der praktischen Erfahrung, dem „Erleben“ der Berufe. Und weil kaum Praktika angeboten wurden, und es auch keine Ausbildungsmessen gab, war das in den vergangenen Monaten schwer möglich.

Alle Seiten hoffen, dass mehr „Normalität“ im Alltag, auch dazu führt, dass Jugendliche und Unternehmen wieder besser zusammenfinden. Auch wenn sich natürlich an der demographischen Entwicklung im Saarland so schnell nichts ändern wird.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 28.10.2021 berichtet.

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