Ministerpräsident Tobias Hans (Foto: SR/Felix Schneider)

Hans will erneuten Lockdown vermeiden

Interview: Dirk Rodenkirch (SWR) / Onlinefassung: Thomas Braun   06.06.2020 | 15:22 Uhr

Auch wenn die Zahl der Corona-Neuinfektionen im Saarland derzeit niedrig ist, warnt Saar-Ministerpräsident Hans vor einem Aufflammen der Pandemie. Ein erneutes komplettes Herunterfahren des öffentlichen Lebens will er aber vermeiden und daher aus dem bisherigen Verlauf lernen.

"Es wäre fatal, anzunehmen, dass wir jetzt durch sind", sagte Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) im Interview mit dem SWR. "Es besteht immer noch die große Gefahr, dass es zu Rückschlägen kommt."

Der Wetterumschwung im Herbst und die Tatsache, dass dann auch wieder mehr Menschen ihre Zeit drinnen verbringen, könne dazu führen, "dass sich die Übertragung etwa durch Aerosole noch einmal stärker fortsetzt und mehr Menschen krank werden", so Hans. "Deshalb ist es ja so wichtig, dass wir aus dem bisherigen Verlauf der Pandemie lernen und skalierbarere Herangehensweisen entwickeln."

Lokal handeln, weitere Berufsgruppen testen

Ein Baustein, um einen erneuten flächendeckenden Lockdown zu vermeiden, ist für Hans dabei die Strategie, bei "lokalen Ereignissen eben auch lokal zu handeln". Zudem würden die Testkapazitäten weiter ausgebaut. "Im Saarland testen wir flächendeckend alle Alten- und Pflegeheime. Und ich glaube, dass man das auch noch ausdehnen kann auf andere Berufsgruppen." Angaben zu konkreten Berufsgruppen machte Hans dabei nicht.

Ein wichtiges Ziel sei auch, Infektionsketten nachverfolgen zu können. "Deshalb bleibt es ja auch bei den Regeln, dass man etwa beim Restaurantbesuch seinen Namen und seine Kontaktdaten angeben muss", sagte Hans.

Hans: Keine Lust mehr zu haben auf Regeln ist kein Grund, andere Menschen in Gefahr zu bringen

Dass der Widerstand gegen diese Regeln wächst, sieht der CDU-Politiker nicht - eher im Gegenteil. "Ich stelle fest, dass die überwiegende Mehrheit schon verstanden hat, dass wir uns schützen müssen."

Kein Verständnis hat Hans hingegen für diejenigen, die sich von den Einschränkungen genervt fühlen. "Keine Lust mehr zu haben auf Regeln ist kein Grund, andere Menschen in Gefahr zu bringen", sagte der CDU-Politiker. "Es muss sich jeder vor Augen führen, dass man es mit - im wahrsten Sinne des Wortes - distanzlosem Verhalten aufs Spiel setzt, dass andere Menschen unbesorgt auf die Straße gehen können." Das müsse um jeden Preis vermieden werden. "Wir wollen nicht die Älteren und die Kranken einsperren, sondern allen die Möglichkeit geben, trotz dieser Krise größtmögliche Normalität zu haben."

Streit um den richtigen Weg

Dass die Bundesländer bei ihren Coronamaßnahmen teils unterschiedlich vorgehen, verteidigte Hans. Das liege auch den jeweiligen regionalen Unterschieden. Zu Beginn der Pandemie habe das Saarland zum Beispiel deutlich höhere Infektionszahlen gehabt als andere Bundesländer und habe entsprechend früh handeln müssen.

Dabei sei unter den Ministerpräsidenten und auch mit Kanzlerin Merkel durchaus heftig gestritten worden, aber letztlich könne man vor Ort "besser entscheiden, wie die Bedürfnisse sind", sagte Hans. "Da steht am Ende niemand anderes in der Verantwortung als man selbst als Ministerpräsident. Deshalb gibt es da durchaus Diskussionen. Das halte ich aber für normal in einer demokratischen Regierungsform wie der unsrigen."

Über dieses Thema berichteten die SR-Hörfunknachrichten am 06.06.2020.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja