Saarstahl AG, Drahtbund, glühend (Foto: Saarstahl AG/Pressefoto)

Saar-Industrie erholt sich langsam

  06.07.2020 | 15:38 Uhr

Nach dem Ende des Corona-Lockdowns verzeichnen die Industriebetriebe wieder mehr Arbeit. Laut Statistischem Bundesamt gingen bundesweit 10,4 Prozent mehr Aufträge ein als im April. Die Metall- und Elektroindustrie Saarland (ME Saar) wertet das zumindest als positives Signal.

Industrie-Aufträge steigen wieder
Audio [SR 3, Renate Wanninger, 06.07.2020, Länge: 03:08 Min.]
Industrie-Aufträge steigen wieder

Martin Schlechter, Hauptgeschäftsführer des Verbandes für Metall- und Elektroindustrie Saarland (ME Saar) betonte im SR, im April sei in den Betrieben kaum gearbeitet worden. Die aktuelle Auftragslage sei darum zumindest ein positives Signal für die saarländische Industrie. „Es zeigt, dass wir die Talsohle durchschritten haben. Aber wenn wir uns mal zum Vergleich das Niveau vor der Krise anschauen, sehen wir, dass der Einbruch enorm war und auch der Weg zur Erholung noch sehr weit ist. Da liegen wir doch immerhin noch 30 Prozent unter dem Vorkrisenniveau.“ Tatsächlich gingen die Aufträge laut Statistischem Bundesamt bundesweit im Jahresvergleich um 29,3 Prozent zurück.

Blick auf weltweites Infektionsgeschehen

Viele saarländische Unternehmen waren besonders stark von der Corona-Krise betroffen. Diese spürten aber jetzt auch eine leichte Erholung, so Schlechter. „Allerdings spiegelt sich hier auch die Wirtschaftsstruktur des Saarlandes wider.“ Die sehr exportabhängige saarländische Industrie sei ein Stück weit stärker von der Krise betroffen als der bundesdeutsche Durchschnitt.

Die Ursache dafür sieht Schlechter auch im weltweiten Infektionsgeschehen. „In Europa scheint es zunehmend unter Kontrolle zu geraten, sodass wir hier auch eine gute Erholung feststellen. Allerdings: Die anderen großen Weltregionen, in die ja auch die saarländischen Zulieferer geliefert haben, machen uns schon noch sorgen, insbesondere die USA.“

Auch bei den Beschäftigungszahlen fürchtet der ME Saar noch tiefe Einschnitte. Selbst das größte Konjunkturprogramm könne die wirtschaftlichen Folgen der Krise nicht wettmachen. Dauere die schlechte Auftragslage noch bis zum Herbst an, würden auch Unternehmen im Saarland trotz Kurzarbeit nicht um Entlassungen herumkommen.

Enttäuschung über ausgebliebene Kaufprämie

Ein Faktor dürfte auch die ausgebliebene Kaufprämie für Autos sein. „Ich glaube, die Enttäuschung über die ausgebliebene Kfz-Prämie ist noch groß, insbesondere weil wir sehr stark vom Automobilbau und vom Verbrennungsmotor abhängig sind und hier eine starke Wertschöpfung haben“, so Schlechter. Aber auch die Senkung der Mehrwertsteuer sei ein „gutes und richtiges Signal“ gewesen, auch wenn davon erst einmal vor allem Branchen wie Handel, Hotels und Gaststätten profitierten. „Inwieweit das letztendlich auf die Industrie durchschlägt, muss man mal abwarten.“

Von einem Aufschwung jedenfalls könne für die saarländische Industrie noch keine Rede sein, sagte der Hauptgeschäftsführer des ME Saar. Davon sei sie noch weit entfernt. Die meisten Unternehmen könnten auch noch nicht sagen, bis wann sie wieder das Vorkrisenniveau erreichen. Nur wenige rechneten damit bis Jahresende. „Viele wagen gar keine Prognose, und wenn wir uns die bundesdeutschen Zahlen und Umfragen anschauen, gehen die Experten doch eher davon aus, dass wir frühestens Ende nächsten Jahres wieder Vorkrisenniveau erreichen.“

Positive Signale

Nichtsdestotrotz seien die Zeichen im Moment positiv, so Schlechter. „Die Lockerungen der Lockdown-Maßnahmen haben enorm geholfen, und jetzt hoffen wir, dass auch die weltweite Konjunktur wieder anzieht. Denn davon ist dann insbesondere auch die saarländische Industrie betroffen.“

Über dieses Thema hat auch die SR3 Region am Nachmittag vom 06.07.2020 berichtet.

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