Ein Arzt hält eine Ampulle des Corona-Impfstoffes der Firma Biontech Pfizer zwischen den Fingern. (Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Robert Michael)

Warum das Saarland vergleichsweise viel Impfstoff lagert

Thomas Braun   21.04.2021 | 15:39 Uhr

Die wegen einer Sonderlieferung an Impfstoffen zeitweilig überdurchschnittlich hohen Lagerbestände im Saarland sinken. In den Impfzentren wird aktuell mehr verimpft, als an Nachschub nachkommt. Ein noch schnellerer Einsatz der Bestände über die Arztpraxen scheiterte an bürokratischen Hürden.

Noch vor zwei Wochen hatte das Saarland gut ein Drittel des bislang gelieferten Impfstoffes auf Lager - die mit Abstand höchste Rückstellungsquote bundesweit. Mittlerweile sind die Lagerbestände im Verhältnis zum gelieferten Impfstoff auf 22 Prozent gesunken.

Von den rund 380.000 gelieferten Dosen Impfstoff wurden laut dem Impfdashboard der Bundesregierung bis Anfang der Woche 296.500 auch verimpft. Das ist aber nach wie vor die niedrigste Quote bundesweit. Im Bundesschnitt liegt die Quote bei 88 Prozent.

Rückstellung aus Sonderkontingent notwendig

Dass das Saarland hier in der Statistik etwas hinterherhinkt, liegt laut saarländischem Gesundheitsministerium an Rückstellungen, die aus einem Ende März gelieferten Sonderkontingent gebildet werden mussten.

Das Saarland hatte aufgrund seiner Grenzlage zum Virusvariantengebiet Moselle rund 80.000 zusätzliche Dosen Biontech-Impfstoff erhalten. Hierzu gebe es aber keine Belieferung mit Zweitimpfdosen. "Somit sind über 40.000 Impfdosen noch als Rückstellung notwendig für die Zweitimpfungen aus dem Sonderkontingent, die ab Mitte Mai stattfinden", teilte das Ministerium auf SR-Anfrage mit. Ohne diese Rückstellungen liegt die Quote im Saarland genau im Bundesschnitt.

Auslastung der Impfzentren erhöht

Um dieses Sonderkontingent zügig zu verimpfen, wurde bereits vor zwei Wochen die Auslastung der Impfzentren nach oben geschraubt. In der aktuellen Woche seien zum Beispiel deutlich über 30.000 Impfungen terminiert, in der kommenden Woche noch einmal 34.000 Impfungen - obwohl als Nachschub in dieser Woche nur 22.000 Impfdosen erwartet werden.

Ärzte hätten Impfungen nicht abrechnen können

Ursprünglich war auch vorgesehen, bei der Nutzung des Sonderkontingentes die Arztpraxen miteinzubeziehen, um die Impfungen zusätzlich zu beschleunigen. Das scheiterte laut Ministerium aber letztlich an bürokratischen Hürden. Die Kassenärztliche Vereinigung habe mitgeteilt, dass es keine Möglichkeit gebe, die Impfungen auch abzurechnen. Die KV bestätigte dem SR, dass der übliche Abrechnungsweg nicht zur Verfügung gestanden hätte und stattdessen über die Impfzentren hätte abgerechnet werden müssen.

Zudem hätte laut Ministerium die Logistik zur Verteilung des Impfstoffs über den Pharmagroßhandel zwei Wochen Vorlauf benötigt. Letztlich wäre es also auch nicht schneller gegangen als in den Impfzentren, so die Einschätzung des Ministeriums.

23,2 der Bevölkerung mindestens einmal geimpft

Im Saarland haben bis Dienstagabend 23,2 Prozent der Bevölkerung mindestens eine Impfung erhalten, 7,7 Prozent sind vollständig geimpft. Hier zählt das Saarland bundesweit zu den Spitzenreitern. Bis Ende Mai ist laut Bundesgesundheitsministerium die Lieferung von rund 137.000 weiteren Impfdosen an die saarländischen Impfzentren geplant - sofern die Hersteller ihre Lieferprognosen einhalten.

Hinzu kommen die Lieferungen an die Arztpraxen, die davon unabhängig über einen anderen Vertriebsweg laufen.

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