Ein Jugendlicher wird geimpft (Foto: picture alliance / ROBIN UTRECHT | ROBIN UTRECHT)

Impfangebot für alle Kinder ab 12 beschlossen

  02.08.2021 | 19:45 Uhr

Alle Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren sollen sich bald impfen lassen können. Das haben die Gesundheitsminister der Länder beschlossen. Zudem sollen – auf Initiative des Saarlandes – nach den Ferien Lolli-Tests zum Einsatz kommen.

Als Corona-Schutz zum Schulstart nach den Sommerferien sollen zusätzliche Impfgelegenheiten für Kinder und Jugendliche kommen. Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern beschlossen am Montag, dass nunmehr alle Länder Impfungen für 12- bis 17-Jährige auch in Impfzentren oder auf andere niedrigschwellige Weise anbieten wollen. Dabei sei entsprechende ärztliche Aufklärung erforderlich.

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Zudem sollten Kinder und Jugendliche auch durch Kinder- und Hausärzte sowie im Rahmen von Impfungen für Angehörige von Beschäftigten in Firmen geimpft werden können. "Jeder, der will, kann im Sommer geimpft werden. Wir haben genügend Impfstoff für alle Altersgruppen“, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

Video [aktueller bericht, 02.08.2021, Länge: 3:26 Min.]
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"Vierte Welle abbremsen"

Impfungen für Kinder: "Vonseiten der Schülerinnen und Schüler sehe ich kein Problem"
Audio [SR 3, (c) SR/Michael Friemel, 03.08.2021, Länge: 03:31 Min.]
Impfungen für Kinder: "Vonseiten der Schülerinnen und Schüler sehe ich kein Problem"

Auch im Saarland steht das Gesundheitsministerium hinter dem Beschlussvorschlag aus Berlin. "Wir wollen ein Impfangebot machen für die 12- bis 17-Jährigen, für diejenigen die nach der Sommerpause in eine Ausbildung gehen, ins Studium, in die Schulen“, sagte Staatssekretär Stephan Kolling (CDU). Das sei wichtig, um eine vierte Welle abbremsen zu können.

Allerdings bleibt die Medizin weiter zurückhaltend. So empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) die Impfungen trotz politischen Drucks bisher nicht allgemein für Kinder und Jugendliche, sondern nur bei einem höheren Risiko für schwerere Corona-Verläufe etwa wegen Erkrankungen wie Diabetes.

Medziner bleiben skeptisch

Auch die Ärztekammer des Saarlandes stellt sich an die Seite der Stiko. Die Einmischung der Politik sei nicht zielführend, sondern trage zur Verunsicherung der Gesellschaft bei. „Uns ist es extrem wichtig, dass die Stiko unabhänig bleibt. Die Stiko entscheidet nach wissenschaftlichen Kriterien und dazu brauchen wir eine entsprechende Datenlage, die noch nicht vorliegt“, sagte Ärztekammer-Präsident Josef Mischo.

Coronaimpfungen für Kinder und Jugendliche ohne Empfehlung der Stiko?
Audio [SR 1, (c) SR/Jessica Ziegler, 03.08.2021, Länge: 04:08 Min.]
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Gesundheits-Staatssekretär Kolling hält dagegen: "Wir haben klare Aussagen von Gesundheitsexperten, von Immunologen, die sagen, es ist wichtig, dass junge Menschen diese Impfung machen. Das ist der Unterschied: Hier geht es um Gesundheitsvorsorge.“ Die Stiko arbeite auf studienbasierten Empfehlungen, was eine andere Art der Herangehensweise sei. „Wir sind Gesundheitspolitiker und unser Ziel ist es eben, eine vierte Welle zu bremsen“, so Kolling.

Lolli-Tests nach den Ferien

Ein weiteres Mittel, um dieses Ziel zu erreichen, seien die sogenannten Lolli-PCR-Tests, die nach den Ferien in Kindertagesstätten sowie Schulen zum Einsatz kommen könnten. „Nach den Sommerferien sollte es unser gemeinsames Ziel sein, das Pandemiegeschehen ohne weitere Schließungen von Kindertagesstätten und Schulen zu beherrschen. Neben den etablierten und gut angenommenen Hygienemaßnahmen und dem lmpffortschritt sind insbesondere umfassende Testkonzepte elementarer Bestandteil dieser Präventionsmaßnahmen“, sagte der CDU-Politiker.

Kommentar

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