Covid-19-Antikörpertest (Foto: Lee Jin-Man/dpa)

Viel Kritik an Immunitätspass

Mit Informationen von Diana Kühner-Mert   04.05.2020 | 20:04 Uhr

Der Vorschlag von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), einen Immunitätspass für Menschen einzuführen, die eine Corona-Infektion überstanden haben, stößt im Saarland auf Kritik. Zwar hätte der Pass einige Vorteile, doch strittig ist, ob die Genesenen überhaupt ausreichend immunisiert sind.

Bekämen Geheilte einen solchen Immunitätspass könnte das durchaus Vorteile bringen. „Dann kann man ja auch diese Menschen, die eine Immunität haben, entsprechend einsetzen im Gesundheitswesen, in all den Bereichen, die kritisch sind“, sagte Bernd Wegner, stellvertretender CDU-Fraktionsvorsitzender am Montag in der Landespressekonferenz. Damit könne man die vielen Engpässe, die gerade jetzt auftreten, besser im Griff behalten, weil diese Kräfte auch dementsprechend eingesetzt werden könnten.

Fraktionen gespalten über Corona- Immunitätspass
Video [SR Fernsehen, aktueller bericht, 04.05.2020, Länge: 02:32 Min.]
Fraktionen gespalten über Corona- Immunitätspass

Immunität nicht geklärt

Argumente für und wider einen Immunitätsausweis
Audio [SR 3, Steffani Balle, 05.05.2020, Länge: 03:05 Min.]
Argumente für und wider einen Immunitätsausweis

Genesene gelten laut wissenschaftlichen Hinweisen als wahrscheinlich immun. Doch die Frage der Immunität ist nicht abschließend geklärt. Wissenschaftler können nicht ausschließen, dass ein einmal Infizierter sich erneut anstecken kann. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt deshalb vor dem Immunitätspass.

Aus Sicht von SPD, Linken und AfD im Landtag macht allein diese Frage die Debatte eigentlich überflüssig. „Es muss zunächst einmal gesichert sein, dass sich eine Immunität aufbaut“, so Linken-Fraktionschef Oskar Lafontaine. Bis das geklärt sei, sei eine Diskussion über einen Immunitätspass sinnlos. Rudolf Müller, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der AfD im Landtag, sprach von einer „unausgegorenen Idee“.

Kritiker fürchten Spaltung der Gesellschaft

Darüber hinaus wirft ein Immunitätspass auch ethische Fragen auf: Was, wenn Arbeitgeber zur Einstellung Immunitätsnachweise verlangen? Was, wenn Genesene mehr individuelle Freiheiten genießen als Nicht-Immune, etwa beim Feiern oder Reisen?

Kritiker wie SPD-Fraktionschef Ulrich Commerçon befürchten gezielte Ansteckungen und eine Spaltung der Gesellschaft. „Wir müssen zusehen, dass wir im Umgang miteinander das beibehalten, was wir in den letzten Wochen gelernt haben, und ansonsten brauchen wir hier mehr Solidarität in unserer Gesellschaft und können nicht einzelne Bevölkerungsgruppen ausgrenzen.“

Ethikrat soll prüfen

Spahn selbst hat seinen Plan erst einmal zurückgestellt. Am Montagabend erklärte er, der Immunitätsausweis solle nicht Teil des Corona-Gesetzes sein, das am Donnerstag im Bundestag beraten wird. Die Frage müsse die Gesellschaft in Ruhe abwägen und debattieren. Spahn hat auch den Deutschen Ethikrat zu dem Thema um eine Stellungnahme gebeten.

Über dieses Thema hat auch der „aktuelle bericht“ vom 04.05.2020 berichtet.

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